25.03.2020 - 15:59 Uhr
BärnauOberpfalz

Welle der Hilfsbereitschaft am Grenzkamm

Die Jugendfeuerwehr Großkonreuth, die Stadt Bärnau und die Nachbarschaftshilfe Plößberg: Alle rüsten sich und rufen Hilfsangebote und Einkaufsservices ins Leben, um hilfsbedürftigen Menschen durch die Zeit der Corona-Pandemie zu helfen.

Edeka Prause in Plößberg bietet der Kundschaft schon jahrelang einen Lieferservice für Einkäufe an. Allerdings bemerken Maria (links) und Tochter Sylvia Prause (rechts) einen Anstieg der Bestellungen in der aktuellen Krisenzeit. Die Bestellungen packen sie ausgerüstet mit Mundschutz und Einweghandschuhen zusammen. Auch Nachwuchs Fabio Prause packt mit an.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Gerade in Coronazeiten wird die Unterstützung für ältere und kranke Menschen immer wichtiger. "Als Stadt sind wir zentrale Anlaufstelle für die Bürger", sagt Marion Markt, Geschäftsführerin der Verwaltung der Stadt Bärnau. Schnell war für sie und ihre Kollegen klar, dass man gewappnet sein will, wenn im Bärnauer Umfeld das Coronavirus einfällt. "Wir wollten etwas tun. Denn auf absehbare Zeit wird es auch bei uns die ersten Fälle geben." Innerhalb eines Tages war der Einkaufsservice auf die Beine gestellt.

Die Jugendfeuerwehr Großkonreuth rief ebenfalls einen Einkaufsservice für die Bürger der Ortschaft ins Leben. Jugendwart Andreas Fischer (links) und Jonas Fischer haben schon einige Bestellungen ausgeliefert.

Zwar haben sich bisher noch keine betroffenen Personen gemeldet, die eine Bestellung abgegeben haben. Wohl aber ein Dutzend Freiwillige, die ihre Hilfe für den städtischen Service angeboten haben. Koordiniert wird alles von Andreas Benesch und Christian Gleißner. Sie nehmen die individuelle Bestellung der Betroffenen entgegen.

Involviert sind die örtlichen Bäckereien und Metzgereien sowie Lebensmittelgeschäfte. Die Bäcker und Metzger richten die Bestellung her, so dass die Helfer die Ware nur noch abholen müssen. Im Lebensmittelgeschäft kaufen die Ehrenamtlichen selbst ein. Alles zusammen wird den Betroffenen - voraussichtlich am nächsten Tag - direkt vor die Haustüre geliefert. Die Stadt legt das Geld für die Einkäufe einstweilen vor. Die Betroffenen erhalten später eine Rechnung.

Am Telefon nimmt Sylvia Prause die Bestellungen entgegen.

Christian Gleißner kann mittlerweile auf ein Helfernetzwerk von rund 15 Leuten zurückgreifen. "Es sind viele Feuerwehrleute dabei", verrät er. Der Service richtet sich speziell an Menschen die zu einer Risikogruppe gehören, wie etwa ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem und Menschen in Quarantäne, berichtet Marion Mark. Der Ablauf ist ganz einfach:

Unter Telefon 09635/9203-12 anrufen und Einkaufsliste durchgeben. Dann den Name, Lieferort, Telefonnummer und Grund angeben. "Die Bestellung sollte sich auf das nötigste beschränken", betont Mark. Der Einkaufsservice ist erreichbar zu den Geschäftszeiten des Rathauses von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und donnerstags von 13 bis 17.15 Uhr.

Jugend gründet Einkaufshilfe

Auch die Jugendfeuerwehr in Großkonreuth wurde anlässlich der Corona-Pandemie aktiv. Dort riefen die Jugendlichen zwischen 12 und 20 Jahren ebenfalls kurzerhand eine Einkaufshilfe ins Leben. Jugendwart Andreas Fischer war von der Idee seiner Gruppe gleich begeistert. "Wir wollten das in jedem Fall probieren, und sehen ob es angenommen wird."

Die ersten Bestellungen gingen übers Wochenende bereits ein und wurden ausgeliefert. Bisher meldeten sich größtenteils ältere Menschen, erzählt Fischer. Er und Elvira Gmeiner, die die Helfergruppe unterstützt, nehmen die Bestellungen an. Diese geben die beiden in einer Whatsapp-Gruppe weiter. Wer gerade beim Einkaufen ist oder Zeit dazu hat übernimmt die Bestellung. Alles läuft ganz unkompliziert und unbürokratisch. Auch die Bezahlung wird ganz unterschiedlich gehandhabt: "Manche geben den Einkäufern das Geld gleich mit, andere zahlen dann bei der Lieferung", erklärt der Jugendwart. Dem 22-jährigen Industriemechaniker, der aktuell ebenfalls zu Hause ist, war es wichtig, dass auch die Eltern der Jugendlichen mit dabei sind. Denn sie müssen die Jugendlichen ja zum Einkaufen fahren. Wer den Einkaufsservice der Jugendfeuerwehr Großkonreuth nutzen will, kann sich an Elvira Gmeiner, Telefon 09639/1867, oder an Andreas Fischer, Telefon 09639/1208, wenden.

Die Bestellungen richten Sylvia oder ihre Mutter Maria Prause (links) her. Aktuell tragen die Verkäuferinnen dafür Einweghandschuhe und Mundschutz.

Lieferung nicht nur in Krisenzeiten

Nicht nur in Krisenzeiten, sondern schon jahrelang, bietet Sylvia Prause in ihrem gleichnamigen Lebensmittelgeschäft in Plößberg einen Lieferservice für Einkäufe an. Seit Corona merkt sie allerdings einen Anstieg an Bestellungen. Auch wenn sich im Dorf oft noch Familienmitglieder oder Nachbarn finden, die für die Senioren mit einkaufen gehen.

Auch wenn sich am Dorf oft noch Familienmitglieder oder Nachbarn finden, die für die Senioren einkaufen gehen, merkt Sylvia Prause in Coronazeiten einen deutlichen Anstieg an Bestellungen.

Sylvia Prause packt die Bestellungen zusammen und liefert sie aus. Aktuell nimmt sie dafür Einweghandschuhe und Mundschutz. Auch beim Verkauf im Geschäft, das es seit 50 Jahren gibt, gibt es Schutzmaßnahmen. Meist ist die Bestellung noch am gleichen Tag fertig für die Auslieferung. Prause kündigt sich und die Lieferung bei den Betroffenen mit einem Anruf an. Die Bezahlung läuft über ein Briefkuvert. Die Plößbergerin nimmt das Geld heraus und gibt das Wechselgeld hinein. Prause ist eine von insgesamt sechs örtlichen Unternehmen, die einen Liefer- oder Abholservice anbieten. (siehe Infokasten)

Über 50 Freiwillige im Helfernetz

Innerhalb von zwei Tagen bildete sich in Plößberg das Helfernetz Corona. Die Idee dazu hatte Dritte Bürgermeisterin Susanne Bittner. Über ihren Whatsapp-Status teilte sie den Aufruf, sie wolle ein Helfernetz gründen. "Wer macht mit?" Nach kurzer Zeit erklärten sich über 50 Bürger aus Plößberg und allen Gemeindeteilen bereit, mitzuhelfen. "Ich dachte nicht, dass der Aufruf gleich so große Resonanz hat", zeigt sich Bittner überrascht. Sie wendet sich an Jutta Frankenhäuser, die Leiterin der Nachbarschaftshilfe. Sie übernimmt die Koordination des Helfernetzes und verteilt die Anfragen an die Helfer.

Noch am gleichen Tag wird die Bestellung ausgeliefert.

Bisher waren die Freiwilligen noch nicht gefordert. "Aber wir wollen vorbereitet sein", erklärt Initiatorin Bittner. "Wie die Freiwilligen eingesetzt werden, das wird sich zeigen", meint Frankenhäuser. Ob sie beispielsweise beim einkaufen oder beim abholen von Medikamenten helfen.

Jutta Frankenhäuser freut sich über die Welle der Hilfsbereitschaft. Auch die Initiatorin des Helfernetzes ist überwältigt: "An dieser Hilfsbereitschaft sieht man, wie die Gemeinde zusammenhält. Sollte der Ernstfall eintreten, sind wir gerüstet." Wer im Gemeindegebiet Plößberg Hilfe benötigt, meldet sich unter den Telefonnummern 09636/924 301 600 oder 0152/563 466 00 oder 0160/954 777 98.

Nicht nur in Krisenzeiten, sondern schon jahrelang, bietet Sylvia Prause in ihrem gleichnamigen Lebensmittelgeschäft in Plößberg einen Lieferservice für Einkäufe an. Seit Corona merkt sie allerdings einen anstieg an Bestellungen.
Info:

Liefer- und Abholservices in der Gemeinde Plößberg

Folgende Geschäfte bieten in der Gemeinde Plößberg einen Liefer- oder Selbstabholerservice an: Bestellungen liefern Lebensmittel Prause (Telefon 0 96 36 / 286), Bäckerei Horn (Telefon 0 96 36 / 281) und die Markt Apotheke (Telefon 0 96 36 / 911 22). Seine Einkaufsliste telefonisch durchgeben kann man bei Lebensmittel Nah und Gut (Telefon 0 96 36 / 911 60), der Bäckerei Hopf (Telefon 0 96 36 / 285) und der Metzgerei Witt (Telefon 0 96 36 / 911 90). Die Bestellung wird dann hergerichtet und kann abgeholt werden.

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