22.03.2019 - 11:47 Uhr
BärnauOberpfalz

Der Wendekreis im Leben einer Künstlerin

Angelika Sticht ist eine Malerin, die sich gern ausprobiert. Für ihre neue Ausstellung im Knopfmuseum Bärnau hat sie sich der abstrakten Kunst gewidmet. 30 neue Werke sind entstanden.

Angelika Sticht hat sich diesmal der Abstraktion gewidmet.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wer das Atelier von Angelika Sticht besucht, findet nicht nur die bei Künstlern allgegenwärtige Staffelei und halbfertig bemalte Leinwände vor. Auf Regalen liegen Steine, daneben zerbrochenes Glas. In Töpfchen und Gläsern befinden sich allerlei gesammelte Alltagsgegenstände.

Angelika Sticht probiert sich gerne aus, lässt ihrer Fantasie mit Dingen wie Zwiebelsäckchen, Kaffeesatz, einer Pfauenfeder oder Sägespäne freien Lauf. Ihre Stärke ist jedoch die Naturmalerei: Scheinbar mühelos zaubert sie ein Schwanenpaar, Gänse im Flug oder orange-leuchtende Pusteblumen auf die Leinwände. Vor 25 Jahren, sagt sie, habe sie die Kunst für sich neu entdeckt. Zum Wiedereinstieg sei ein Aquarellkurs bei Künstler Hinrichsmeyer gut gewesen. Aber Malen sei ihr auch nie schwer gefallen, erzählt sie weiter. "Ich habe in der Schule in Kunst immer eine Eins bekommen."

Nach dem Umzug in die Kreisstadt schloss sich die gebürtige Bärnauerin dem Kunstverein Tirschenreuth an. Nun wurde die Malerei mitunter zur Herausforderung. Es sei spannend, sich mit dem Pinsel einem vorgegebenen Thema zu widmen, schwärmt Sticht von Aufgaben mit ungewissem Ausgang. "Man überlegt, denkt sich ins Thema hinein. Bis man feststellt, auf der Leinwand ist etwas völlig Unerwartetes entstanden."

Angelika Sticht hat längst die Aquarellmalerei hinter sich gelassen. Es sind die Acrylfarben, die sie harmonisch abgestimmt in Szene zu setzen weiß. Zeitliche oder emotionale Eingrenzungen beim Malen lässt ihr Freigeist nicht zu. Sticht schafft Schönes, wann immer ihr der Sinn danach steht und weil es ihr Freude bereitet. "Im Sommer auch im Garten", sagt sie und zeigt aufs Fenster, wo draußen ein Stückchen idyllisches Grün lockt.

Momentan arbeitet die Tirschenreutherin intensiv an ihrer zweiten großen Einzelausstellung im Knopfmuseum Bärnau. Andrea Bäuml hat sie eingeladen und unterstützt nun bei den Vorbereitungen. Bäuml sei der gute Geist des Museums, freut sich Sticht, mit der Museumsleiterin eine engagierte Partnerin für Marketing und Präsentation gefunden zu haben.

Sticht verrät, dass sie sich von einer neuen Seite outen werde. Diesmal hat sie sich der abstrakten Malerei gewidmet. Das sei nicht typisch für sie. Dennoch habe sie sich dafür entschieden. "Ich wollte meiner Malrichtung eine Wende geben", lautet ihre Erklärung, die auch den Ausstellungstitel "Wendekreis" näherbringt. Einige der Ausstellungsstücke stehen noch unverpackt im Atelier, bereit zur Reise nach Bärnau. Mit diesen Werken ist eine "neue" Angelika Sticht in ihrer Experimentierfreudigkeit und mit Mut zur Veränderung ein Stück weit künstlerisch gereift.

Ihr ehrlichster Kritiker sei bei solchen Überlegungen ihr Mann Toni, lacht die Künstlerin auf die Frage, ob sie denkt, sich weiterentwickelt zu haben. "Toni schaut die Bilder lange an. Dann sagt er, hier fehlt etwas oder da fehle der Farbgebung die Harmonie." Das sei Auslöser genug, die Arbeit für den letzten Schliff wieder aufzunehmen. Eine Besonderheit ist die Namenlosigkeit der Gemälde. "Mit einem Titel würde ich den Betrachter um die Freiheit der eigenen Interpretation berauben", lautet ihre Erklärung. Während die Entscheidung, sich für einen Käufer von einem Bild zu trennen, rein pragmatisch sei und nur manchmal Trennungsschmerz verursache. Daheim herumstehende Arbeiten könnten mitunter auch belastend sein, sieht die Künstlerin der Realität hier pragmatisch ins Auge.

Hintergrund:

Die Sonderausstellung "Wendekreis" feiert am Freitag, 5. April, um 18 Uhr Vernissage. Die Ausstellung kann dann bis 14. Juli zu den Öffnungszeiten des Knopfmuseums besichtigt werden.

In ihrem Atelier findet Angelika Sticht Muse für stundenlanges Malen.
Auch dieses Werk darf frei nach eigenem Sichtwinkel interpretiert werden.
Auch dieses Werk darf frei nach eigenem Sichtwinkel interpretiert werden.
An einigen Werken arbeitete die Künstlerin bis kurz vor der Ausstellung.
Aus kleinen rechteckigen Papierschnipseln, ausgeschnitten aus alten Geschenkkarten, hat Angelika Sticht eine mystische Stadt gezaubert.
Dieses Werk steht für den Leitfaden der Ausstellung und ziert auch das Ausstellungsplakat.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.