13.08.2019 - 21:01 Uhr
Oberpfalz

Bartelt informiert sich über die Zukunft der Landwirtschaft

"Die fünf Stellen haben schon weh getan", bedauert OB Kurt Seggewiß die teilweise Rückverlagerung der Meisterausbildung an die Regierung. Um den Stellenwert von Almesbach zu verdeutlichen, hat er Regierungspräsident Axel Bartelt eingeladen.

Die Kalbflüsterer: Regierungspräsident Axel Bartelt (links) und OB Kurt Seggewiß in Almesbach.
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Die landwirtschaftliche Ausbildung für die nördliche Oberpfalz und Oberfranken ist ein Standortfaktor", betont Kurt Seggewiß. Der Gast aus Regensburg beschwichtigt: "Wir wollen, dass die Landwirtschaft wieder eine Stimme bei der Regierung hat", erklärt Bartelt die Entscheidung, "Almesbach bleibt weiter ein wichtiges Ausbildungszentrum – und auch die Meisterfeiern können weiter hier stattfinden."

Schulleiter Helmut Konrad und Lehrgangsleiter Helmut Bamler führen dem Regierungspräsidenten, der zum ersten Mal Almesbach besucht, die Vielfalt des Innovationszentrums im Weidener Osten vor Augen:

  • Höhere Landbauschule (HLS) Almesbach:"Wenn wir junge Leute ausbilden, machen wir sie sensibel für neue technische Lösungen", erklärt Schulleiter Helmut Konrad, wie Almesbach Wege in die Zukunft der Landwirtschaft aufzeigt. High-Tech, wie automatische Melksysteme oder die computergesteuerte Überwachung der Tiere sei teuer. "Aber sie erspart Arbeitskraft und kann ein Beitrag zum Tierwohl sein", ergänzt er. "Die Herde im Blick, das Einzeltier nicht aus dem Auge verlieren."
  • Almesbach vermittelt die Anwendung alternativer Energiegewinnung: "Hackschnitzel, Biomasse, PV, eine Stromtankstelle - alles da", freut sich Oberbürgermeister Seggewiß. "Außer dem ökologischen Aspekt geht es ganz praktisch ums Einsparen", sagt Konrad. "Mich wundert, dass so wenig Hackschnitzelanlagen gebaut werden." Kostenvorteile ergeben sich auch durch intelligente Anwendungen wie die Vorkühlung der frischen Milch durch das Tränkwasser, das gleichzeitig angewärmt wird, durch sparsame LED-Leuchten und einen intelligenten Stromzähler.
  • Auf Versuchsflächen wird die Leistungsfähigkeit neuer Sorten getestet: "Insbesondere, ob sie mit weniger Pflanzenschutzmittel auskommen."
  • Die dem Landwirtschaftsministerium unterstellte Anstalt leistet überbetriebliche Ausbildung in der Milchviehhaltung und Futterwirtschaft, berufliche Fort- und Weiterbildung von Landwirten, Aus- und Weiterbildung im Bereich extensiver Tierhaltungsverfahren wie Gehegewildhaltung und Mutterkuhhaltung.
  • Almesbach sei zwar hauptsächlich eine regionale Schule: "Die meisten der 405 Studierenden kommen aus drei benachbarten Landkreisen." Dennoch habe die Einrichtung mit Internat bayernweite Bedeutung.

Besonders beeindruckt den Regierungspräsidenten, dass sich die Macher von Almesbach mit aktuellen Problemen auseinandersetzen: "Den Bienenlehrpfad und Blühstreifen haben Sie schon lange vor dem Volksbegehren", lobt Bartelt. "Sie waren Ihrer Zeit voraus." Das gleiche gilt für das Engagement fürs Tierwohl: "Wir vermitteln Kursteilnehmern", erklärt Bamler, "wie tickt die Kuh, was macht ihr Angst?" Für viele sei das ein Aha-Erlebnis, wenn sie in der Praxis sehen, wie stressfrei man mit Nutztieren umgehen könne. Missstände wie auf Betrieben im Allgäu oder der brutale Umgang bei Viehtransporten seien oft Folge von Überforderung: "Das darf nicht passieren, und wir zeigen den Leuten, wie es anders geht", sagt der Kursleiter. "Das liegt mir am Herzen", freut sich Bartelt mit Blick auf schlimme TV-Bilder von getretenen Puten in Ungarn. "Schön, dass es Kurse gibt, um so etwas zu vermeiden."

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