18.10.2018 - 22:47 Uhr
BayernOberpfalz

Ausflugstipps für den Bayerischen Wald

Waldeinsamkeit, Wanderlust, Wildnis. Es gibt viele Gründe, warum es Menschen immer wieder in den Wald zieht. Auch, wer schon im Bayerischen Wald dort war, entdeckt immer wieder Neues. Tipps für den nächsten Ausflug.

Impressionen aus dem Bayerischen Wald
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

"Der Bayerische Wald ist das größte zusammenhängende Waldgebiet in Europa", informiert Ulrike Eberl-Walter vom Tourismusverband Ostbayern. "Und die Landschaft ist sehr abwechslungsreich", ergänzt Bernhard Hain, Tourismusreferent des Landkreises Freyung-Grafenau. Vor allem für Familien und Gäste, die Erholung suchen, wollen die beiden Angebote schaffen.

Durch den Nationalpark und seinen Urwald sowie durch den Naturpark am Arber führen Ranger. Sie erläutern Tiere, Pflanzen und Erdgeschichte. Wer durch den Bayerischen Wald reist, erfährt auch jede Menge über seine kulturhistorische Bedeutung. Glashütten siedelten sich dort an, wo es viel Holz für die Schmelzöfen gab. Wer will, kann im Museum Theresienthal und im Arberseehaus heiraten. Fernab der Besucherzentren gibt es im Bayerwald aber auch noch viele einsame und stille Orte. Ein paar davon stellen wir vor:

Am und auf dem Arber

Großer Arbersee und Arberseehaus

Rund um den Großen Arbersee am Fuße des Arbers führt ein Spazierweg. Die Runde um das dunkle Gewässer ist in einer Stunde gut zu schaffen. Jeden Donnerstag um 10.45 Uhr bietet Johannes Matt, Gebietsbetreuer der Arberregion und Mitarbeiter des Naturparks, eine kostenlose Führung an. Treffpunkt ist immer vor dem Arberseehaus. Dann spricht Matt über den Schwingrasen, der sich am Ufer bildet und zeigt das "Naturschauspiel" der ablaichenden Seesaiblinge. Am Wegesrand wachsen Orchideen und Blutwurz.

Wer nach dem Spaziergang eine Pause einlegen will, kann dies im Arberseehaus tun. Die Gaststätte hat die Fürstliche Hohenzollernsche Arber-Bergbahn im Juni eröffnet. Es bietet einen großen Gastraum mit Terrasse, Gästezimmer sowie einen Bootsverleih.

Auf den 1455 Meter hohen Arber geht es zu Fuß oder mit der Bergbahn. Die Talstation ist vier Kilometer vom Großen Arbersee entfernt. Auf dem Arber angekommen kann der Besucher gemütlich zu den vier Gipfeln des Berges spazieren und morgens und abends wunderschöne Sonnenauf- und Sonnenuntergänge bestaunen und die Ruhe genießen. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis zu den Alpen. Wer über Nacht bleiben möchte, kommt im Schutzhaus unter - und kann sich dort verköstigen lassen.

Weitere Informationen zum Naturpark Bayerwald am Arber

Weitere Informationen zur Arberregion

Altes und neues Glas von Theresienthal

Silvia Süß, Leiterin des Museumsschlösschens Theresienthal, vor einer Vitrine mit historischen Modellen der Glashütte.

Theresienthal gehörte zu den weltweit fünf bedeutendsten Glashütten, sagt Silvia Süß. Sie leitet das Museum, das in einem kleinen Schloss unweit der Glashütte in Zwiesel untergebracht ist. "Wir sind das Sahnehäubchen", sagt Süß. Die Hütte wurde 1421 gegründet, seit 1836 ist sie nach der Frau von König Ludwig I., Therese, benannt. Das Schloss war früher das Verwaltungsgebäude des Unternehmens. Bekannt ist Theresienthal für seine ausgefallenen Glasdesigns wie eine übergroße Etagère von 1855 für den französischen König. Auch für die russischen Zaren produzierte die Hütte. Nach St. Petersburg haben die Mitarbeiter das Glas zu Fuß transportiert - ein Jahr lang sind sie dafür marschiert, berichtet Süß.

In den Vitrinen stehen Vasen, Schalen und Trinkgläser in allen Größen und für jede Menge Alkohol. Manche sind transparent, andere haben einen schimmerndes Grün, sind Romanovblau, mit und ohne Goldrand. "Auf uns wirken sie, als ob sie gerade produziert worden sind", sagt die leidenschaftliche Museumsleiterin. Ihr Glas sei elastisch, filigran und leicht. "Theresienthal wird oft als kleines Murano bezeichnet." Das Können der Glasmacher sei gleich gewesen, doch das Preis-Leistungsverhältnis war in Zwiesel besser. Bei vielen stehen Theresienthaler Gläser nur im Schrank. Süß plädiert dafür, sie aber auch zu benutzen - und hat selbst Sektkelche schon mal auf einen Berg hinauf geschleppt.

Nur ein paar Schritte vom Museum entfernt ist die Glashütte. Durch sie führt Max Freiherr von Schnurbein. Seit zwölf Jahren gehört ihm das Unternehmen. Zu seinen Kunden zählt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Sie ist ein großer Fan von uns", verrät von Schnurbein. Merkel habe unter anderem ein Geschenk für Michele Obama gekauft.

Jedes Glas ist von Hand in Theresienthal gefertigt. Je nachdem, wie aufwendig die Stücke sind, produzieren die Glasmacher 250 Kelche oder 400 Becher am Tag. "Wir sind nicht BMW oder Mercedes, wir sind Rolls Royce", sagt von Schnurbein. Im Laden gibt es aber auch Gläser zweiter Wahl, die erschwinglich sind.

Museumsschlösschen: Theresienthal 15 in Zwiesel. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 14 Uhr. Telefon: 09922/1030

Glashütte Theresienthal Werksverkauf: Theresienthal 25 in Zwiesel. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr. Telefon: 09922/500930.

Infos zur Hüttenbesichtigung

Duftender Pilz im Nationalpark

Impressionen aus dem Bayerischen Wald

Weit und breit ist kein Wolf zu sehen. "Entweder sie sind an der Wassertränke oder am Sonnenplatz", sagt Michael Pscheidel. Der Ranger führt Besucher durch den Nationalpark Bayerischer Wald. Im Nationalparkzentrum Falkenstein, einem von mehreren Besuchereinrichtungen im Park, gibt es mehrere Gehege für Wildtiere. Doch die Gruppe hat an diesem Tag Pech - weder Wölfe noch Luchse lassen sich sehen. Dafür zeigen sich die Wildpferde und Auerochsen. Im Haus zur Wildnis fühlen sich die Besucher wie Zwerge. In einer Ausstellung zum Leben im Waldboden laufen sie unter übergroßen Baumwurzeln durch.

Der Ranger leitet auch eine Wanderung durch den Urwald im Nationalpark. Beim Zwieselerwaldhaus erhalten Interessierte einen Einblick in das Urwaldgebiet Mittelsteighütte. 30 Meter hohe Buchen, 400 Jahre alte Bäume, Totholz steht und liegt. "So etwas wird man sonst in Bayern vergebens suchen", sagt Pscheidel.

Der Ranger deutet auf einen Zunderschwamm, der nur an Buchen entsteht und sich dreht, wenn der Baum fällt. Noch etwas Besonderes gibt es in dem Wald: einen duftenden Feuerschwamm, "einer der seltensten Pilze weltweit". Er wurde sonst nur an je zwei Stellen in Skandinavien und Rumänien nachgewiesen. Im Bayerwald wächst er an einer vor 30 Jahren umgestürzten Weißtanne. Vor 10 Jahren wurde der Pilz erst entdeckt. "Der hat einen Duft wie ein ganzer Parfümladen", findet Pscheidel.

Besucherzentrum Falkenstein: Eisensteiner Straße, Ludwigsthal. Telefon: 09922/50020. Öffnungszeiten: 26. Dezember bis 30. April täglich von 9 bis 17 Uhr, 1. Mai bis 9. November täglich 9 bis 18 Uhr, 10. November bis 25. Dezember geschlossen.

Informationen und Tipps für Unternehmungen

Museum Goldener Steig

Johannes Seidel führt durch das Museum Goldener Steig in Waldkirchen.

Goldsteig und Goldener Steig: Beide Wanderwege gibt es im Bayerischen Wald. Ein kleines Museum an der Stadtmauer in Waldkirchen beschäftigt sich mit dem Goldenen Steig. Auf diesem Weg wurde im 15. und 16. Jahrhundert Salz von Passau über Waldkirchen nach Prachatitz in Böhmen transportiert. Drei Tage brauchten die als Säumer bezeichneten Lieferanten und ihre Pferde dafür. In Waldkirchen endete die erste Tagesetappe. Das Museum, durch das Geschichtslehrer Christian Seidel führt, informiert über den Reichtum der Passauer Bischöfe, die Ausrüstung der Säumer und die Geschichte von Waldkirchen.

Auch heute noch können Besucher auf den Hohlwegen des Goldenen Steigs wandern. "Gerade wird er neu ausgeschildert", informiert Ulrike Eberl-Walter. Der Goldene Steig ist Namensgeber für das Wanderwegenetz Goldsteig durch den Oberpfälzer und Bayerischen Wald.

Museum Goldener Steig: Büchl 22, Waldkirchen. Telefon: 08581/920551. Öffnungszeiten: 1. Mai bis 31. Oktober sowie in den Weihnachts- und Osterferien samstags und sonntags, 14 bis 17 Uhr.

Weitere Informationen

Baden im Wald

Auf die Sinne konzentriert man sich beim Wandern durch den Wald beim Waldkurort Lackenhäuser.

Eine Sinneswanderung durch den Wald am Waldkurort Lackenhäuser bei Neureichenau bieten Eva Kempinger und Christine Weinberger-Loos an. Sie nennen ihr Angebot "Waldbaden". Die Teilnehmer sollen so den "Ausstieg aus dem Hamsterrad" des Alltags schaffen, sagt Weinberger-Loos. Schweigend wandert man zunächst durch den Wald bergauf. Kempinger gibt das Tempo vor. Die Therapeutin geht gemächlich, damit alle mitkommen. Zuerst hört der Wanderer nur seine dumpfen Schritte auf dem Weg. Dann vernimmt er auch das Plätschern des Wassers im Grenzbachs, das Rauschen des Windes in den Bäumen. Es knistert, braune Blätter segeln zu Boden.

An einem Mandala, das die Wanderführerinnen aus Naturprodukten gelegt haben, ist der erste Stopp. Später gestalten die Teilnehmer selbst ein Mandala aus Moos, Gräsern, Blättern, Steinen, Ästen, und was sie während der Wanderung noch gefunden haben. Immer wieder halten die Wanderführerinnen an, um mit Übungen die Sinne zu reizen. Am Ende wollen sie sogar den sechsten Sinn kitzeln.

"Das ist etwas ganz Neues hier", berichtet Kempinger. Personen, die eine Pause einlegen wollen, Probleme im Privatleben, im Job haben oder an Burn-out leiden kommen in den Waldkurort und buchen ihre Angebote.

Weitere Informationen zum Waldkurort Lackenhäuser bei Neureichenau und zum Waldbaden

Weitere Bilder aus dem Bayerischen Wald

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