17.09.2018 - 14:35 Uhr
BayernOberpfalz

Hyposensibilisierung als Therapie gegen Allergien und Heuschnupfen Endlich immun

Die Allergiesaison ist vorbei, doch die nächste kommt bestimmt. Spätestens im Frühjahr läuft die Nase wieder und die Augen tränen. Patienten, die an Allergien leiden, beklagen lästige Beschwerden, die die Lebensqualität mindern. Antiallergische Tabletten und Sprays lindern die Symptome kurzfristig, doch um dauerhafte Verbesserungen zu erzielen, reichen diese Behandlungsformen nicht aus. in vielen Fällen hilft eine Hyposensibilisierung, die als einziges therapieverfahren direkt bei der Ursache einer Allergie ansetzt. Wer langfristig den Frühling wieder ohne Heuschnupfen genießen will, muss im Herbst aktiv werden.

von Gesund & VitalProfil

Körper akzeptiert Allergene

Bei der Hyposensibilisierung wird das Immunsystem des Körpers durch wiederholte, hohe Allergen-Dosen an die allergieauslösende Substanz gewöhnt. Durch die kontinuierliche Konfrontation mit Allergenen soll der Körper immer weniger auf die Störfaktoren reagieren. Im besten Fall klingen die Heuschnupfen-Beschwerden völlig ab. Bei der Behandlung erhalten Patienten über einen längeren Zeitraum immer wieder das betreffende Allergen verabreicht, wobei die Dosis allmählich immer weiter erhöht wird. Ist die Höchstkonzentration erreicht, wird das hohe Level gehalten, in dem die Dosis in regelmäßigen Abständen weiter verabreicht wird – je nach Therapieverfahren täglich, monatlich oder sechswöchentlich. Der Körper lernt, dass durch das Allergen keine Gefahr droht. Die Immuntherapie, die sich über mehrere Jahre erstrecken kann und in der Regel in der kälteren Jahreszeit startet, sollte grundsätzlich nur durch Allergologen oder Ärzte durchgeführt werden, die Erfahrung mit dieser Therapieform haben.

Vorteile der Hyposensibilisierung

• natürliche Toleranz des Immunsystems wird aufgebaut

• der Entwicklung neuer Allergien wird vorgebeugt

• nach Ende der Behandlung hält der Effekt lange an

• die Heuschnupfen-Symptome werden reduziert

• der Bedarf an symptomatisch wirkenden Medikamenten sinkt

Chancen für Soforttypen

Gute Erfolge verzeichnet die Hyposensibilisierung vor allem beim Allergie Typ i (Soforttyp). Bei diesen Patienten tritt die Immunreaktion auf das Allergen innerhalb von Sekunden oder Minuten ein. Kommt ein betroffener Mensch beispielsweise mit Gräserpollen zusammen, muss er umgehend niesen. Indikationen sind saisonale allergische Rhinitis (Heuschnupfen) und leichtes bis mittelschweres allergisches Asthma, das durch Roggenpollen, Birkenpollen, Gräserpollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Schimmelpilze ausgelöst wird. Die Typ-i-Allergie gilt als Allergieform, die am häufigsten auftritt. Für diese Allergiker kann die Hyposensibilisierung für eine langfristige Besserung der Beschwerden sorgen, in etlichen Fällen sind die Heuschnupfen-Attacken sogar ganz verschwunden. Lebensrettend wird eine erfolgreiche Hyposensibilisierung bei Allergien gegen Bienen- oder Wespengift, da diese Reaktionen oft sehr heftig ausfallen und im schlimmsten Fall zu einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock führen können.

Subkutan oder sublingual?

Haut oder Zunge, Spritze oder Tabletten, SiCt oder SLit: Es gibt zwei Therapieformen der Hyposensibilisierung. Bei der subkutanen Immuntherapie (SCit) spritzt der Mediziner die Allergen-Dosis unter die Haut (subkutan). die Allergene befinden sich entweder in einer wässrigen Lösung oder sind an einen depotträger gebunden. Sobald die Höchstdosis erreicht ist, wird die Behandlung regelmäßig weitergeführt – meist im Abstand von vier bis sechs Wochen, um das Immunsystem an das Allergen zu gewöhnen und die gewünschte Regulierung der Antikörperbildung zu erreichen. Die sublinguale Immuntherapie (SLit) wird dem Patienten die Allergen-Dosis unter die Zunge verabreicht und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Der Patient nimmt tropfen oder schnell lösliche Tabletten ein. Bislang ist die Therapieform ausschließlich für Gräser- und Hausstaubmilben-Allergiker zugelassen. Die Einnahme muss täglich erfolgen. Sobald der Mediziner seinen Patienten entsprechend eingewiesen hat, darf der Allergiker die Einnahme allein koordinieren. Im Vergleich zur Spritzen-Behandlung sind insgesamt weniger Termine beim Arzt notwendig.

Wer darf, wer darf nicht

Die Hyposensibilisierung kann sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern angewandt werden. Studien belegen gute Therapieerfolge bei Erwachsenen, für Kinder existieren bislang keine Testreihen. dennoch schlussfolgern Wissenschaftler, dass die Erfolgschancen bei Kindern eher noch größer als geringer sind. Allerdings empfehlen Experten bei Kindern eher die subkutane als die sublinguale Immuntherapie. Bei schwerem Asthma, Tumor-Erkrankungen oder Herz-Kreislauf-Schwächen sollte keine Hyposensibilisierung erfolgen. Das betrifft auch Patienten mit Nierenproblemen oder einem geschwächten Immunsystem. Auch Schwangere werden nicht sensibilisiert.

Risiken und Nebenwirkungen

Falls Nebenwirkungen auftreten, sind sie im Regelfall nicht gravierend. Juckreiz, Schwellungen oder Rötungen können als mögliche Begleiterscheinungen der Therapie auftreten: Bei der Spritzen-Therapie an der Einstichstelle, bei der sublingualen Behandlung im Mund. Die geringen Nebenwirkungen klingen meist schnell wieder ab, in einigen Fällen fühlen sich die Patienten am Behandlungstag müde und schlapp. Bei der Spritzen-Therapie achten Mediziner darauf, dass die Patienten eine halbe Stunde in der Praxis warten, bevor sie die Behandlungsräume verlassen. So kann ausgeschlossen werden, dass der Patient ohne Aufsicht einen allergischen Schock erleidet.

Wer trägt die Kosten?

Die Kosten für eine Hyposensibilisierung hängen immer vom Einzelfall und der Dauer der Behandlung ab. Auch die Auswahl der Therapiemethode und der Präparate sind für die Behandlungskosten ausschlaggebend. die Hyposensibilisierung ist eine Therapieform, die die Krankenkassen übernehmen und bezahlen.

Info:

Kleiner Check mit dem Arzt

Vor einer Hyposensibilisierung sollten Patienten ihren Arzt informieren
•     dass sie Medikamente nehmen. Welche?
•     wenn sie an einer chronischen Erkrankung leiden
•     dass sie Urlaub oder eine längere Dienstreise planen
•     dass sie sich auf einen sportlichen Wettkampf vorbereiten
•     wenn sie bald Schutzimpfungen erhalten
•     dass sie eine Schwangerschaft planen
•     dass sie unter Beschwerden in der Mundhöhle leiden

Quelle: www.allergiecheck.de

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