26.08.2020 - 19:51 Uhr
BayernOberpfalz

Sturmtief: Blockierte Bahnstrecken und viele Badeunfälle

Sturmtief „Kirsten“ zieht über Bayern. In Franken stürzten Bäume um, sogar ein Maibaum musste dran glauben. Vielerorts sind Friedhöfe für Besucher gesperrt. Besonders heftig traf es Badegäste und unvernünftige Wassersportler.

Das schöne Wetter in Kombination mit heftigen Winden war trügerisch. Gerade an den bayerischen Seen kamen viele unvorsichtige Badegäste in Schwierigkeiten,
von Agentur DPAProfil

Sturmtief „Kirsten“ hat in Mittelfranken erste Schäden angerichtet. Die Deutsche Bahn musste die Strecke zwischen Fürth und Zirndorf (Landkreis Fürth) am Vormittag für etwa eine Stunde sperren, weil ein umgestürzter Baum die Gleise blockierte. Zwischen Roth und Schwabach gab es Schäden an der Oberleitung, so dass die Regionalbahnen ab Mittags nicht mehr fahren konnten. Die Oberleitung werde repariert, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Reisende könnten auf Busse umsteigen. Weil auch Signalkabel beschädigt seien, könnte sich die Sperrung bis in die Abendstunden hinziehen.

Vor dem Ertrinken gerettet

Besonders heftig erwischte es Badegäste und Wassersportler. Am Nachmittag retteten Helfer am Starnberger See einen 18-Jährigen vor dem Ertrinken. "Er war 300 Meter vom Ufer entfernt aus seinem Schlauchboot gefallen und kam nicht mehr zurück ins Boot", berichtete Alexander Fendt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Viele Menschen hätten wegen des sonnigen und warmen Wetters die Stärke des Sturms unterschätzt. "Normalerweise ist es bei Sturm kühl und regnerisch."

Am Waginger und Tachinger See hätten Warnleuchten auf Starkwind mit sechs und sieben Beaufort hingewiesen, teilte die Polizei in Laufen (Landkreis Berchtesgadener Land) mit. "Trotzdem gab es noch einige leichtsinnige Wassersportler, die verantwortungslos die Warnung ignorierten und weiterhin mit Stand-up-Board und Ruderboot oder Schlauchbooten unterwegs waren." Helfer retteten Badegäste auf Luftmatratzen und Stand-up-Brettern, die gegen Wind und Wellen kämpften und aus eigener Kraft nicht mehr zum Ufer gelangten, darunter ein Vater mit seinem vierjährigen Sohn. Etwa 20 Wassersportler hätten gar durch einen Platzverweis der Polizei zum Ufer geschickt werden müssen. Am Chiemsee spülte der starke Westwind große Segeljachten regelrecht an Land. Gekenterte Boote konnten laut Polizei teilweise nicht geborgen und zunächst nur vor Anker gelegt werden.

Am Bodensee in der Nähe von Überlingen wurden ein vierjähriges Mädchen, seine Tante und sein Onkel nur dank eines glücklichen Zufalls in letzter Minute gerettet. Laut Polizei waren die drei mit der kleinen Schwester der Vierjährigen und den Großeltern auf einem Motorboot unterwegs. Das ältere Mädchen ging mit der 37 Jahre alten Tante ins Wasser, als Sturm aufzog. Als der 39 Jahre alte Ehemann sah, dass sie und die kleine Nichte es bei starkem Wellengang nicht mehr ins Boot schafften, sprang er hinterher. Die Wasserschutzpolizei entdeckte die um ihr Leben kämpfenden Menschen nur, weil sie wegen eines anderen Notfalls zu einem Segelboot unterwegs waren.

Geschlossene Friedhöfe

In Erlangen schlossen zwei Märkte schon um 12.00 Uhr. Am Vormittag habe es Sturmböen von mehr als 60 Kilometer pro Stunde gegeben, teilte die Stadt mit. Die Kreisbrandinspektion Fürth warnte über Twitter die Menschen vor umgestürzten Bäumen und herabstürzenden Gegenständen. In Würzburg fällte der Sturm den Maibaum auf dem Marktplatz. Glücklicherweise sei niemand verletzt worden, sagte ein Stadtsprecher. Stadtmitarbeiter hätten den Baum zersägt und abtransportiert. Die Verwaltung sperrte die mit vielen Bäumen bewachsenen städtischen Friedhöfe und warnte vor einem Besuch des Stadtwaldes. Auch in München schloss die Stadt ihre Friedhöfe für Besucher.

Der Deutsche Wetterdienst hatte zuvor vor starken Windböen vielerorts in Bayern gewarnt, besonders im nördlichen Franken, im Bergland, auf hohen Alpengipfeln und in Kammlagen. Am Donnerstag sollte sich das Wetter wieder beruhigen.

Das Wetter in der Region mit Wetterexperte Andy Neumaier

Twitter-Meldung Kreisbrandinspektion Landkreis Fürth

Wetterbericht DWD

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.