Bechtsrieth
30.04.2024 - 10:12 Uhr
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Junge Geigerin verehrt alten Meister: Bechtsrietherin sammelt Geld für Max-Reger-CD

Veronika Gerber hat ein Faible für Bach, Brahms und Max Reger. Letzteren und ihre Oberpfälzer Heimat will die studierte Musikerin mit einer Einspielung ehren, für die sie auf Spenden und Crowdfunding im Internet angewiesen ist.

Veronika Gerber. Bild: Gabi Schönberger
Veronika Gerber.

An Bemühungen mangelt es nicht. "Der Maxe mit der dicken Tatze" nennt sich zum Beispiel ein Orgelkonzert, das Kindern das Genialische von Max Regers Musik schmackhaft machen soll. Doch bei allem Lokalpatriotismus, der Tonkünstler aus Weiden ist bei jungen Leuten einfach keine coole Socke. Der Salzburger Luftikus Mozart ist eingängiger, lustiger. Einer der als Einstiegsdroge in die Welt der klassischen Musik taugt.

Doch auch Reger kann jenseits seines 150. Geburtstags manchmal verzaubern. Eine, die er perfekt umgarnt hat, ist Veronika Gerber, 30 Jahre alt, aus Bechtsrieth, ehemals Abiturientin am Augustinus-Gymnasium. Sie plant ein Projekt, das sie als Hommage an ihre Oberpfälzer Wurzeln betrachtet. Veronika Gerber hat einen Abschluss als Geigerin an der Musikhochschule Würzburg. Zusammen mit ihrer Co-Repetitorin am Konservatorium, der kroatischen Pianistin Diana Brekalo, will sie per Crowdfunding Geld für die Einspielung einer CD sammeln. Die soll so heißen, wie ein bekanntes Reger-Stück: Blätter und Blüten. An drei Tagen Anfang November möchte das Duo alle Titel dazu im Alten Rathaus in Weiden einspielen. Um Ostern 2025 soll der Silberling mit einer Release-Party erscheinen.

Das alles hängt von der Finanzierung ab. Gerber rechnet mit rund 8400 Euro Produktionskosten für die CD, die beim Regensburger Label "Tyx Art" erscheinen soll. Der Reger-Freundeskreis gibt wohl etwas dazu, doch rund 5000 Euro möchten die beiden Musikerinnen über eine Internet-Plattform sammeln. Sie heißt "Kickstarter". Von 5. Mai bis 3. Juli können Gönnerinnen und Gönner die beiden Frauen online oder über ein Spendenkonto unterstützen. Gerber und Brekalo revanchieren sich mit Prämien. Das kann eine CD sein, sobald sie erschienen ist, der abgedruckte Name, Firmenname oder ein Logo des Spenders im Booklet, eine Blumensamen-Mischung oder eine selbst gesiedete Seife.

Mit Seife und Blumensamen wächst das Thema Reger weiter. Denn neben dem Weidener soll Richard Strauss mit zwei Werken die CD komplettieren. Die beiden Komponisten verband ein Verhältnis zwischen Bewunderung und Rivalität. Strauss selbst war zwar kein Oberpfälzer, dafür aber sein Vater Franz-Joseph. Er stammte aus Parkstein. Eines der beiden Strauss-Stücke heißt "Mädchenblüten". Es knüpft inhaltlich und musikalisch an Regers "Blätter und Blüten" an. Die "Mädchenblüten" basieren auf einem Gedichtzyklus des Juraprofessors Felix Dahn. Darin schreibt er Kornblume, Mohn, Efeu und Wasserrose mädchenhafte Eigenschaften zu. Nach diesen Blüten würde die Dankes-Seife für die Crowdfunding-Helfer duften. Ähnliches gilt für die Blumensamen.

Reger ohne Ballast

Bei allem Anspruch soll die CD keine schwer verdauliche Kost werden. "Blätter und Blüten ist ein eher leichtes, gefälliges Stück. Es lässt den späten Reger höchstens erahnen", sagt Gerber und zitiert dabei sinngemäß Regers Lehrer Adalbert Lindner. Sie selbst treibt eine Interpretation des Stücks schon nahezu 15 Jahre lang um. Als Tagesschülerin des Studienseminars St. Augustin erlebte sie dessen Auflösung im Sommer 2010 mit. "Da wurde damals alles ausgemistet. Irgendwo lagen Noten von Blätter und Blüten herum, die weggeschmissen werden sollten. Die habe ich dann daheim erst mal sortiert."

Zur Geige kam die Bechtsrietherin eher durch Zufall, erzählt sie. Anders als viele studierte Musiker hat sie keine Eltern mit künstlerischem Beruf. "Sie wollten halt gern, dass ich als Kind ein Instrument lerne. Mit fünf hat mich meine Mutter zur Franz-Grothe-Schule mitgenommen. Im Geigenunterricht war zufällig was frei, also lernte ich Geige. Und ich hab gleich gemerkt: Das ist es." Seitdem ist der Violinkoffer ihr ständiger Begleiter. Vier bis sechs Stunden übt sie jeden Tag.

Wenn nicht Lehrerin, ist das Ziel eines Musikstudiums bei den meisten irgendwann der Platz in einem Orchester, möglichst einem berühmten. Bei der Bechtsrietherin ist das anders. "Ich hab in einigen Orchestern wie der Jungen deutschen Philharmonie oder dem Schweizer Jugendorchester mitgespielt und gemerkt, dass ich das nicht lebenslang machen will, da fehlt irgendwie die Freiheit." Um sich diese Freiheit leisten zu können, hat Veronika Gerber nach dem Abschluss an der Musikhochschule während der Corona-Pandemie noch ein Lehramtsstudium für Grundschule draufgesattelt, Hauptfächer Biologie und Kunsterziehung. Zufall oder Fügung? Ein Studienmodul, das sie belegt hat, nannte sich "Einheimische Flora". Daraus entstand als Seminararbeit ein Herbarium, eine Sammlung getrockneter Pflanzen aus der Gegend rund um Würzburg. Bei der Erstellung bekam auch das Reger'sche Blätter-Blüten-Projekt einen neuen Schub.

Schule als Sicherheit

Als mobile Reserve kommt die junge Frau mit den dunkelblonden Haaren ins Klassenzimmer. Gut möglich, dass es dabei bald nach Oberbayern geht. Sie freut sich darauf. Wenn irgendwann mal nachmittags eines Tages noch Zeit für Geigenunterricht bleiben sollte, umso schöner.

Das Wort Hobby hört sie in dem Zusammenhang nicht gerne. Dazu hat sie an den Saiten zu hohe Ansprüche an sich selbst. Das Komplexe, das Herausfordernde fasziniert sie auch an Reger. Folglich hat sie bereits bei den Max-Reger-Tagen in Weiden ein Gastspiel gegeben, zusammen mit dem Harfenisten Siad Walter. Dabei war auch ihr Herbarium im Alten Schulhaus ausgestellt. Heimat- und Sachkunde mit dem Maxe – mal ganz ohne Musik aus der Tatze.

Hintergrund:

Unterstützung für "Blätter und Blüten"

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