29.03.2019 - 09:24 Uhr
Beidl bei PlößbergOberpfalz

Ein Tag als Erzieher

Kinderlachen, Spielklötze, die Sitzgruppe im Mini-Format - so sieht am "Boys' Day" das Arbeitsumfeld von Max, Markus und Michael aus. Sie schlüpften für einen Tag in die Rolle des Erziehers.

Lachende Gesichter bei Markus und Anna Toman.
von Redaktion ONETZProfil

Markus baut ein Puzzle, während er in einem Stuhl sitzt, der für seine Größe und sein Alter etwas zu klein geraten scheint. Das sieht zunächst komisch aus, aber der Schüler ist nicht alleine. Neben ihm sitzt ein kleiner Beobachter, ein Kindergartenkind aus der "Froschgruppe" der Kindertagesstätte Regenbogen in Beidl. Der Bub lässt den Achtklässler nicht aus den Augen. Markus sitzt heute nicht im Klassenzimmer. Am "Boy's Day", bei dem Jungen in typische Frauenberufe schnuppern, ist der junge Mann Erzieher. Seine Schulkollegen Max und Michael hat er gleich mitgebracht.

"Es hat mich interessiert und ich wollte das einmal ausprobieren", erklären die Buben der Landtagsabgeordneten Anna Toman, die schulpolitische Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag ist. Sie will sich mit den Jungen über ihren Schnuppertag unterhalten und sich mit den Erzieherinnen zum Thema "Jungen in Sozial- und Pflegeberufen" austauschen. Die Politikerin ist ganz beeindruckt vom Interesse der Schüler an einem Beruf, der schon "echt anstrengend" sein kann.

Keine Vorurteile

Dass an diesem Donnerstagvormittag etwas anders ist, merken auch die Kindergartenkinder. Kita-Leiterin Tanja Ruckdäschel erzählt, dass vor allem die Mädchen ganz aufgeregt waren, als Max, Markus und Michael ihren Dienst antraten. "Männer werden von Kindern anders wahrgenommen", erklärt sie. Das merke sie auch, wenn Handwerker im Kindergarten unterwegs sind. Diese würden mit besonders großen Augen von den Kleinen beobachtet. Im Gespräch mit Toman erzählen die Buben, dass ihnen die Arbeit hier Spaß mache. In der Gruppe, in der Michael schnuppert, wird gerade gespielt und herumgetollt. Der Achtklässler findet es toll, sich mit den Kleinen zu beschäftigen. So wie Bürgermeister Lothar Müller, der mit einem Kind gemeinsam Spielklötze aufstapelt. "Männliche Erzieher in Ausbildung gibt es bei uns momentan nicht", sagt Ruckdäschel. Vorurteile gegenüber Männern in diesem Frauenberuf seien ihr nicht bekannt.

Für die Erziehenden wünscht sich die Landtagsabgeordnete mehr Wertschätzung und eine bessere Bezahlung. Es gehe nicht nur darum, "ein bisschen auf die Kinder aufzupassen". Dahinter stecke sehr viel Verantwortung. Tanja Ruckdäschel bemängelt, dass die Entlohnung der Erzieherinnen und Erzieher zu gering sei - vor allem in der Ausbildung. Dies sei auch ein Grund, weshalb so wenige Männer diesen Beruf ergriffen, meint Ruckdäschel. Wo dennoch Männer zu finden sind, seien Kinderheime. Dort könne durch Schichtarbeit etwas mehr Geld verdient werden, weiß die Kita-Leiterin.

Ein Mann pro Kindergarten

Anna Toman liege als schulpolitischer Sprecherin die Kinderbetreuung in ihrer Heimat besonders am Herzen. Sie wünscht sich eine bessere Unterstützung für diese Berufsgruppe. Für die Zukunft wünscht sich die Landtagsabgeordnete "einen männlichen Erzieher pro Kindergarten" - nicht zuletzt, um das "Stigma Mann-Frau" zu durchbrechen und dem Erzieher-Beruf das Klischee "Frauenberuf" zu nehmen.

MdL Anna Toman (von links) mit den Schülern Michael Kraus, Max Härtl und Markus Schedl, die am "Boys'Day" in den Beruf des Erziehers hineinschnuppern, sowie Kita-Leiterin Tanja Ruckdäschel.
Michael verrät Anna Toman, dass es ihm Spaß macht, den Beruf Erzieher auszuprobieren.
Erster Bürgermeister Lothar Müller hat sichtlich Spaß am Aufstapeln der Spielsteine.
MdL Anna Toman (Mitte) spricht mit Erzieherin Agnes Schedl (links) und Kita-Leiterin Tanja Ruckdäschel (rechts) über Buben in Sozial- und Pflegeberufen. Mit auf dem Bild ist auch der Schüler Michael Kraus, der am "Boys' Day" teilnimmt (links unten).
Kita-Leiterin Tanja Ruckdäschel und erster Bürgermeister Lothar Müller lauschen gespannt den Worten von Anna Toman.

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