26.06.2018 - 17:11 Uhr

Blüten dringend gesucht

Vergeblich ist die Suche nach Blühstreifen an den Straßenrändern. „Wer heute Blühstreifen finden will, muss schon länger suchen“, sagt Imkervorsitzender Klaus Schmidt. Vereinzelt gibt es sie aber, wie beispielsweise beim Kühstein.

Diese Bienenweide beim Kühstein ist nach Imkervorsitzenden Klaus Schmidt ein mustergültiger Blühstreifen. njn
Diese Bienenweide beim Kühstein ist nach Imkervorsitzenden Klaus Schmidt ein mustergültiger Blühstreifen.

Um die heimischen Bienen und Insekten macht sich der Vorsitzende des Imkervereins, Klaus Schmidt, Sorgen. „Wo sind die Blühstreifen geblieben?“ Diese Frage stellt er sich immer wieder. „Die Felder in der heutigen Landwirtschaft werden immer großflächiger angelegt“, so Schmidt. „Ackerraine und –ränder verschwinden, auch Gräben und Böschungen werden durch das Straßenbauamt intensiv gemäht und gemulcht.“

Dazu kommen nach seiner Aussage noch Monokulturen und grüne Maiswüsten, die Insekten und Bienen wenig bis gar keine Nahrung bietet. „Entsprechende Studien belegen bereits einen gravierenden Rückgang der verschiedenen Insektenarten und auch für unsere Wild- und Honigbienen wird das Überleben immer schwieriger“, stellte Schmidt fest.

„Verschwinden die Insekten, vermindert sich auch die Artenvielfalt“, so der Imkervorsitzende. „Auch Tiere, wie Vögel, Frösche, Reptilien oder Igel haben es schwer, wenn die artgerechte Nahrung in Form von Insekten fehlt.“ Denn auch bei diesen Tierarten seien bereits enorme Rückgänge festzustellen. „Die Artenvielfalt schwindet, manche Arten sind vom Aussterben bedroht oder sie gibt es gar nicht mehr.“

„Wer die letzten Jahre mit offenen Augen durch die Natur ging, konnte feststellen, dass die Landwirte sehr oft schöne Blühstreifen um die verschiedenen Anbauflächen anlegt hatten“, erinnert sich Schmidt. Es gab auch entsprechende finanzielle Förderungen für Landwirte, die mit diesen Blühstreifen wichtige Nahrungsquellen für Insekten, Wild- und Honigbienen bereitstellten.

„Wer heute rund um Erbendorf Blühstreifen finden will, muss schon länger suchen“, stellt Vorsitzender Schmidt fest. „Ich weiß nicht, warum plötzlich keine beziehungsweise so wenige Blühstreifen mehr angelegt werden.“ Denn wichtig wären diese Blütenteppiche allemal. Vor allem für die Bienenwelt.

„Durch die Bestäubung durch die Bienen wird der Ernteertrag in der Landwirtschaft erheblich gesteigert“, weiß Schmidt. „Umgekehrt brauchen die Bienen auch die Trachtpflanzen, wie Löwenzahn oder Raps, um entsprechend Nektar und Honig zu sammeln.“ In dieser Symbiose brauchen folglich die Bienen die Landwirte und umgekehrt können auch die Landwirte nicht ohne die Bienen sein. „Es gibt zwischenzeitlich selbst in Deutschland schon Regionen, wo Imker für ihre Bienenvölker Bestäubungsprämien bezahlt bekommen.“

Einen musterhaft angelegten Blühstreifen hat aber Schmidt bereits entdeckt, der unterhalb vom Kühstein an der Straße von Erbendorf Richtung Plärn liegt. „Hier finden die Wild- und Honigbienen sowie Insekten einen abwechslungsreichen und reich gedeckten Tisch vor“, so der Vorsitzende. „Eine Bienenweide, so wie wir es uns wünschen.“

Imkervorsitzender Schmidt appelliert aber nicht nur an die Landwirte. „Auch Privatleute sind aufgerufen, in ihren Gärten weg von den Stein- und Rasenwüsten, hin zu einer artenreichen Blütenvielfalt unsere Natur zu unterstützen.“ Dazu zählen die Auspflanzung entsprechender bienen- und insektenfreundlichen Pflanzen. „Wir Imker geben die Hoffnung nicht auf, dass es im kommenden Sommer wieder mehr Blühstreifen rund um Erbendorf geben wird“, so der Imkervorsitzende abschließend.

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