19.08.2021 - 18:17 Uhr
BodenwöhrOberpfalz

Oberpfälzer Landräte wollen Strukturen für den K-Fall überprüfen

Wie ist die Oberpfalz bei Starkregenereignissen wie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gerüstet? Das ist eines der Themen bei der Tagung der Oberpfälzer Landräte in Bodenwöhr. Wie sollte es anders sein? Es geht auch um Corona

Die Landräte um Bezirkssprecher Richard Reisinger (Fünfter von links) sowie Regierungspräsident Axel Bartelt (Vierter von links) hießen die künftige Geschäftsführerin des Bayerischen Landkreistags, Andrea Degl (Dritte von links), in ihrer Mitte willkommen.
von Externer BeitragProfil

Der Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger und zugleich Sprecher der Oberpfälzer Landräte ging bei der Landräte-Tagung auf den Katastrophenschutz ein. Er merkte hierzu laut Pressemitteilung an, dass die "Effizienz der Strukturen" bei einem Katastrophenfall aufgrund der aktuellen Ereignisse überprüft werden müsse. "Knackpunkt" sei, die Bevölkerung zu alarmieren. Hier ist laut Chamer Landrat Franz Löffler die "Sirene ein probates Mittel", denn nicht alle Menschen sind über Handy erreichbar und erhalten Push-Up-Meldungen über Apps. Gleichzeitig stellte er auch fest, dass solche Wetterereignisse wie vor kurzem im Westen Deutschlands bisher nicht bekannt waren, und eine Vorhersage nur schwer bis gar nicht möglich sei: "Das kann man nicht prognostizieren."

Für Regierungspräsident Axel Bartelt stellen die Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eine "historische Katastrophe" dar, die uns unerbittlich mit den Auswirkungen des beginnenden Klimawandels konfrontiert: "Das sollte uns alle aufrütteln und sehr nachdenklich machen."

Brandrat Norbert Koller vom Sachgebiet Sicherheit und Ordnung bei der Regierung der Oberpfalz berichtete über den Einsatz in Rheinland-Pfalz, bei dem bis heute circa 600 Kräfte aus der Oberpfalz vor Ort Unterstützung leisteten. Entsprechend seiner Erfahrungen aus dem Einsatz sieht er Bayern für den Ernstfall gut gerüstet.

Weniger schwere Fälle erwartet

Außerdem beschäftigte auch die Sorge der sich ausbreitenden vierten Corona-Welle und der Delta-Variante die Oberpfälzer Landräte. Deshalb hatten sie den Infektiologen Professor Dr. Bernd Salzberger von der Uniklinik Regensburg eingeladen, um sich mit ihm per Videokonferenz über das Thema auszutauschen. "Eine vierte Welle werden wir bekommen, aber sie wird anders sein", prophezeite er den Landräten. Vor allem junge Menschen, die nicht geimpft sind, werden laut Salzberger wohl erkranken. Aber der Regensburger Infektiologe rechnet mit weniger schlimmen Krankheitsverläufen und weniger Krankenhausaufenthalten. "Dadurch werden wir eine anderen Belastung des Gesundheitssystems haben", meinte er. Viele Risikopatienten seien schon geimpft, deshalb sei die Hoffnung durchaus groß, dass die Krankenhäuser in der vierten Welle nicht mehr so stark belastet werden.

Infektiologe Bernd Salzberger, zugleich Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, rät zur Corona-Schutzimpfung. Was die Wirksamkeit aller Impfstoffe bei der Verhinderung von Infektionen angeht, gebe es keine Zweifel. "Wenn es trotz Impfung zu Infektionen kommt, verlaufen diese weniger schwer", so der Infektiologe. "Tödliche Verläufe werden um mehr als die Hälfte reduziert." Mittlerweile sind laut Regierungspräsident Axel Bartelt knapp 60 Prozent der Oberpfälzer einmal geimpft, rund 55 Prozent hätten bereits den vollständigen Impfschutz.

Testsystem für Grundschulen

Für Andrea Degl war es die erste Sitzung mit den Oberpfälzer Landräten. Sie übernimmt zum 1. Oktober die Geschäftsführung des Bayerischen Landkreistags. Der derzeitige Amtsinhaber, Johann Keller, verabschiedet sich dann in den Ruhestand.

Degl informierte die Landräte über die Pläne des Bayerischen Gesundheitsministeriums, im kommenden Schuljahr PCR-Pooltests an Grund- und Förderschulen durchzuführen. Testungen von Schülern seien für die Bayerische Staatsregierung einer der zentralen Pfeiler bei der Bekämpfung der Pandemie. Vor allem im Bereich der Grundschulen spiele dies eine Rolle, weil Grundschüler nicht geimpft werden können. Im Vergleich zu Antigen-Selbsttests bieten PCR-Tests eine höhere Sensitivität. Die Pool-Testung sei zudem besonders bei einem geringen Infektionsgeschehen eine effiziente, kosten- und ressourcenschonende Möglichkeit für Reihentestungen mit einem hohen Probeaufkommen.

Der Freistaat schafft die notwendigen Labor- und Logistikkapazitäten, logistische Unterstützung soll laut Degl durch die Landratsämter erfolgen. Demnach sind in der Oberpfalz nach derzeitiger Planung zwei Knotenpunkte vorgesehen, in Neumarkt und Regensburg, von wo aus die Tests ins Labor nach Weiden gebracht werden sollen. Noch im August sollen entsprechende Routenpläne ausgearbeitet werden, die Fahrten selbst sind dann ab Oktober geplant.

Wichtige Rolle von Sirenen im Katastrophenschutz

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Per Videokonferenz berichtete der renommierte Infektiologe Professor Dr. Bernd Salzberger den Oberpfälzer Landräten um den Bezirksvorsitzenden Landrat Richard Reisinger über den Verlauf der Corona-Pandemie und gab seine Einschätzung zur weiteren Entwicklung ab.

"Eine vierte Welle werden wir bekommen, aber sie wird anders sein."

Professor Dr. Bernd Salzberger, Infektiologe an der Uniklinik Regensburg

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