Die Corona-Jahre brachten viel Leid mit sich, doch es gibt auch immer wieder Lichtblicke. Dazu zählen die fleißigen und treuen Helfer, die sich seit 14 Jahren liebevoll im Vohenstraußer Ortsteil Böhmischbruck um den kirchlichen Friedhof kümmern. Er ist das Aushängeschild des Pfreimdtalortes und dafür geben die Helfer ihre ganze Kraft. In einem bestimmten Turnus rufen sich die Männer um Kirchenpfleger Johann Kurzka über eine WhatsApp-Gruppe zusammen. Wer Zeit hat, ist zur Stelle. Extra bitten braucht man niemanden, denn wer sich freischaufeln kann aus den vielen alltäglichen Aufgaben rund um das Berufsleben oder die Familie, ist bereit.
Die Helfer wissen: Friedhöfe sind naturnahe Orte der Erinnerungskultur. Alle Menschen brauchen Rituale, um Verluste zu überwinden. Umso schöner, wenn dies in einem Umfeld geschieht, das sich ordentlich präsentiert. Das macht den Ort der Toten zu einem lebendigen Ort. Und lebendig geht es jedes Mal zu, wenn Johann Feneis, Adolf Götz, Anton Götz, Markus Duschinger, Reinhold Götz, Peter Schmid, Reinhard Steger, Helmut Zwack, Lukas Götz und Johann Kurzka mit Schaufel, Harke, Rasenschneider, Besen oder Rasentraktor und Mähern anrücken und geschäftig über das 3000 Quadratmeter große Areal huschen.
Seit dem 14. Lebensjahr dabei
Bemerkenswert ist, dass Markus Duschinger und Lukas Götz mit gerade mal 14 Jahren schon zupackten und bis heute beim Helferstamm dabei sind. Kein Unkraut bleibt zwischen den Gräbern und vor dem Leichenhaus stehen. Es wird gekehrt, gerecht und gemäht, bis alles picobello sauber ist. Noch dazu alles ehrenamtlich. „Es macht uns allen ganz viel Spaß. Uns da einzubringen, ist Ehrensache“, wiegeln die Helfer etwaiges Lob ab.
Eigentlich hatte Franz Ring den Friedhof bis zum Jahr 2008 betreut. Aus gesundheitlichen Gründen war es dem Böhmischbrucker dann jedoch nicht mehr möglich. Kurzfristig wurde eine Mannschaft zusammengetrommelt, erinnert sich Johann Kurzka. Mit ihren Motorsensen rückten etliche Helfer an und beseitigten den Wildwuchs an zwei Abenden. Die Kirchenverwaltung holte anschließend Angebote zur Pflege des Friedhofs ein. Doch pro Mähvorgang wären rund 350 Euro an Kosten angefallen. Die Folge wäre gewesen, dass die Grabgebühren für die Ortsteilbewohner immens gestiegen wären. Das wollte man vermeiden.
So wurde kurzerhand beschlossen, das Mähen in Eigenregie zu übernehmen. Weil nur ein Rasenmäher kirchliches Eigentum war, brachten die Helfer ihr Werkzeug von zuhause mit. In dieser Zeit mähten abwechselnd Peter Bayerl und Maximilian Reger mit den eigenen Aufsitzmähern. Durch Spenden der Feuerwehr, der Jagdgenossenschaft, des Obst- und Gartenbauvereins „Pfreimdtal“, der Krieger- und Soldatenkameradschaft sowie der Dorfgemeinschaft Altentreswitz wurde dann vor neun Jahren von der Kirchenverwaltung ein Aufsitzmäher gekauft. Später kamen noch zwei Handrasenmäher dazu.
70 Ehrenamtsstunden pro Jahr
Jeder Helfer weiß aus dem Effeff, was gemacht werden muss. Mindestens sieben Mal pro Jahr greifen sie zu den Geräten und leisten rund 70 Ehrenamtsstunden. Vor jeder Beerdigung im Ortsteil wird der Friedhof gesäubert, sagt Kurzka. Entlohnung ist am Jahresende ein gemeinsames Essen, das die Kirchenverwaltung bezahlt. Gelegentlich werden auch Spenden von Friedhofsbesuchern übergeben, erzählt der Kirchenpfleger. „Die Leute wissen schon, was sie an uns haben.“
Für ein Einzelgrab zahlen die Böhmischbrucker im Zeitraum von fünf Jahren 50 Euro, für ein Doppelgrab 100 Euro und für eine Gruft 200 Euro. Das teuerste Grab ist eine Dreifachgruft, für die die Kirchenverwaltung 300 Euro berechnet. Deutlich höhere Kosten fallen dagegen für die Grabbesitzer auf dem städtischen Friedhof in Vohenstrauß an. Allein daran können Grabbesitzer ablesen, was der Einsatz der Helfer wert ist. Der Kirchenputztrupp kümmert sich zudem um die Sauberkeit im Leichenhaus. Und wenn an der 215 Meter langen Kirchenmauer Schäden auftreten, sind sie ebenfalls zur Stelle.
Kostenvergleich
- Einzelgrab: in Vohenstrauß im Gräberfeld auf 15 Jahre 363 Euro, in Böhmischbruck 150 Euro
- Doppelgrab: Vohenstrauß 726 Euro, Böhmischbruck 300 Euro
- Gruft: Vohenstrauß 1398 Euro, Böhmischbruck 600 Euro















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