11.05.2020 - 07:00 Uhr
BrandOberpfalz

30 Jahre im Dienst für den "NT"

Bertram Nold arbeitet seit drei Jahrzehnten für den "Neuen Tag". Damals hat er das Erbe des Vaters übernommen. Sein erster Bericht erschien vor genau 30 Jahren.

In der Regel einmal im Monat sitzt Bertram Nold auf der Pressebank im Sitzungssaal im Rathaus, um über Gemeinderatssitzungen zu berichten. Derzeit finden die Sitzung allerdings aus Corona-Gründen im Mehrzwecksaal statt.
von Bertram NoldProfil

Bertram Nold ist seit 30 Jahren als Berichterstatter tätig. Hier erzählt er seine Geschichte: "Anfang Mai sind immer Tage, an denen ich mich und mit mir meine Familie an eine schlimme Phase unseres Lebens erinnere", sagt er. In der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai 1990 starb Nolds Vater, wenige Tage später begann seine Tätigkeit beim Neuen Tag: "Am 11. Mai 1990 erschien mein erster Bericht."

Beim Maibaumaufstellen in Brand hat Bertram Nold mit seinem Vater gesprochen, als der dort für den "Neuen Tag" Fotos machte. Anschließend fuhr der Vater nach Fichtelberg zur konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats.

Unfall des Vaters

"Kurz vor 19 Uhr bekam ich einen Anruf aus Fichtelberg, mein Vater habe einen Unfall gehabt." Das ganze Ausmaß habe sich nach dem Eintreffen in Fichtelberg gezeigt: "Die Ortsdurchfahrt gesperrt, Notarzt, Krankenwagen und Hubschrauber vor Ort. Ein Bild, das man nicht mehr vergisst!" Beim Überqueren der Straße vor dem Rathaus hatte den Vater ein Motorradfahrer zu Boden geschleudert und schwer verletzt. "Kurz nach Mitternacht verstarb mein Vater auf der 'Hohen Warte' in Bayreuth, nachdem er das Bewusstsein nicht wiedererlangt hatte."

"Vorerst keine Berichte mehr, Vater verunglückt" hatte Bertram Nold an den damaligen Redakteur Michael Meyer am Abend noch auf ein für den "Neuen Tag" bestimmtes Kuvert geschrieben. "Nach meiner Rückkehr aus Bayreuth habe ich den Satz dann durchgestrichen und daruntergeschrieben: Vater verstorben!." Fast gleichzeitig war der Kurier des "NT" im Hof eingefahren. "Ihm gab ich den Brief mit. Ein Stapel weiterer fertiger Briefe lag noch auf seinem Schreibtisch, alle versehen mit dem Datum des Einwurfs in den Briefkasten. Das ging noch einige Tage so - bis der Briefe-Stapel abgebaut war."

Zur Beerdigung war auch Meyer gekommen. Er bat den Sohn, die Presse-Arbeit fortzuführen. "Das bedurfte des Nachdenkens. Familie, Beruf, Chor und dann das auch noch? Das würde mein Leben verändern." Meyer wusste die emotionale Lage zu nutzen und hatte das entscheidende Argument parat: "Sie können auch das Kürzel 'ld' Ihres Vaters weiterführen."

"In einer derartigen Lebensphase hat wohl der Gedanke an die Pflege des Erbes eines Vaters ganz große Priorität. Ich wusste natürlich, dass die Fortführung seines Werks sein großer Wunsch gewesen ist und ganz vereinzelt hatte ich ja auch schon Berichte geschrieben. Ich stimmte zu."

"Blutiger Anfänger"

Auch in Brand stand die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats an: "Mein erster Termin und gleich so was!" Bertram Nold hatte nach eigenen Angaben keine Ahnung, welcher Umfang gefordert war, wie man das alles pressemäßig verarbeitet. "Anfänger! Blutiger Anfänger! Unerfahren und auch unsicher! Deshalb ließ ich meinen fertigen Bericht Bürgermeister Karl Söllner lesen mit der Bitte um sachliche Prüfung." Die Antwort: "Passt! Schön geworden."

Natürlich sei die damalige Zeit technisch mit der heutigen nicht vergleichbar. "Keinen Computer, keine digitalen Kameras und ich überhaupt nicht fit im Zehn-Finger-System!" Und: "Das gibt es auch heute noch nicht, dafür ein eigenes, schnelles mit weniger Fingern", sagt er. Oft habe er bis Mitternacht beim Schreiben gesessen, habe das Geschriebene noch ins Kuvert gepackt - "und war noch lange nicht fertig": Der Film musste noch aus der Kamera genommen, abgeschnitten und in eine lichtundurchlässige Dose verpackt werden. Patronen mit ganzen Filmen waren zu teuer und mit Meterware ging es halt nur so umständlich. "Tesafilm rumwickeln, 'ld' drauf und ab! Nicht selten warf ich die Sendung in den Kasten am Zaun und hörte Minuten später schon den Kurierfahrer beim Aufsperren und Ausleeren", erinnert sich der Brander. Der Computer brachte einen ungeheuren Vorteil: "Speichern, bequem überarbeiten und drucken, aber immer noch einpacken und abholen lassen." Das habe sich mit der Anschaffung eines Faxes geändert - was den "NT" vor Probleme stellte: "Denn ab jetzt wurde laut der damaligen Redakteure gefaxt, was das Zeug hielt."

Erste digitale Kamera

Erleichterung sei dann durch den Kauf der ersten digitalen Kamera für sage und schreibe 1370 D-Mark aufgekommen. Alles sei immer noch sehr aufwendig gewesen, "aber kein Vergleich mehr zur bisherigen Arbeit mit Papier und Film".

Ab und zu sei er dann nach Weiden in die Redaktion gefahren, um eine Schachtel an Disketten zur Wiederverwendung zurückzuholen. "Dabei gab es Smalltalk mit den Redakteuren, man schaute zu, wie Text und Bild verarbeitet wurden und erfuhr auch Neues", erzählt Nold. "Dabei lernte man sich auch etwas näher kennen. So entstanden im Laufe der Zeit richtige Freundschaften." Seit es E-Mails gibt und Texte und auch Fotos digital verschickt werden, sei das Übermitteln zu einem Kinderspiel geworden. "Immer wieder gibt es kleine Verbesserungen und technische Änderungen, die man nach etwas Übung ganz schnell beherrscht."

In Ordnern archiviert

"Und auch für die Nachwelt sollte die Arbeit meines Vaters und auch meine eigene erhalten bleiben. Gar nicht so einfach und sehr aufwendig. Stets wurden die Berichte ausgeschnitten, mit Datum versehen, um dann in einer Schachtel zu landen." Die Arbeit, sie aufzukleben, erledigte die Mutter. "Wenn etwas mehr angefallen war, saß sie oft einige Abende lang am Wohnzimmertisch, um Blatt für Blatt aufzukleben. Vaters Berichte konnten so ganz leicht in DIN-A-4-Ordnern gesammelt werden, für meine Berichte verwendete sie dann das DIN-A3-Format, um den Stapel am Jahresende binden zu lassen." Diese Bücher wurden Jahr für Jahr dicker.

Bertram Nolds Vater schrieb den ersten Bericht 1956 und war 34 Jahre beim "Neuen Tag". "Für mich jährt sich die Presse-Arbeit im Mai zum 30. Mal. Am 11.5.1990 erschien mein erster Bericht. Das Archivieren der Berichte hat sich mittlerweile auch erledigt. Am Ende eines Jahres gibt es die Berichte aller Redaktionen auf einem USB-Stick."

Vor genau 30 Jahren, am 11. Mai 1990, erschien der erste Bericht von Bertram Nold. Es hatten Kommunalwahlen stattgefunden und der Gemeinderat traf sich zur konstituierenden Sitzung.
Aus dem persönlichen Archiv stammt auch ein Artikel aus dem Jahr 1996.
Info:

"Eine Nacht drüber schlafen"

„Auch nach 30 Jahren macht es noch große Freude, am Morgen die Zeitung aufzuschlagen und dort den eigenen Text und dazu aufgenommene Fotos zu entdecken, wobei es immer spannend ist, wie der Redakteur den Bericht optisch gestaltet hat. Berichte über Vergangenes, ergänzt mit Erinnerungen und auch Emotionen, schreibe ich besonders gern. Mit der Redaktion Eschenbach-Kemnath (RedEK) wird laufend telefoniert. Es gibt Lob und manches Mal auch etwas Kritik – und das wechselseitig. Das darf und muss zwischendurch sein, wenn sich etwas weiterentwickeln soll. Gute Zusammenarbeit bringt auch Vorteile für den Leser. Natürlich blieben in all den Jahren auch Probleme nicht aus, aber mit jedem neuen Problem lernt man dazu. Eine der wichtigsten Errungenschaften ist der Vorsatz, Angestautes erst einmal eine Nacht lang zu überschlafen und es am nächsten Tag ruhiger anzugehen. Das hilft ungemein und bewahrt vor manchen Problemen.“

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