02.05.2019 - 16:29 Uhr
BrandOberpfalz

Alle Bürger in der Pflicht

s war ein leidenschaftlicher Vortrag, den der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz in Brand lieferte: Eindringlich mahnte Dr. Norbert Schäffer im gefüllten Mehrzwecksaal zum aktiven Natur- und Umweltschutz.

Leidenschaftlich warb der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Dr. Norbert Schäffer, für Natur- und Umweltschutz.
von Bertram NoldProfil

„Biologische Vielfalt in Bayern – Zustand und Schutz“ – unter diesem Titel stand die Auftaktveranstaltung der „Öko-Modellregion Steinwald“. Eingeladen dazu hatte die Steinwald-Allianz. Der stellvertretende Vorsitzende, Kemnaths Bürgermeister Werner Nickl, zeigte sich sehr erstaunt über den „tollen Besuch“. In Anlehnung an die Erfahrungen mit der Biodiversitäts-Gemeinde Tännesberg gehe es nun bei den Gemeinden der Steinwald-Allianz um ein neues, ländliches Entwicklungskonzept, so Nickl. Man habe Experten zusammengeholt und um Hilfe gebeten. „Die 16 Kommunen machen sich jetzt auf den Weg“, sagte Nickl – auch wenn der Start ohne Pilotprojekt, ohne Fördermittel und ohne wissenschaftliche Begleitung eher leise erfolge.

Den LBV-Vorsitzenden Norbert Schäffer stellte Werner Nickl als äußerst engagierten und kompetenten Referenten in Sachen Umwelt vor. Der Diplom-Biologe gehöre vielen Gremien an und mache dort seinen Einfluss geltend, nach dem Volksbegehren auch verstärkt in der Politik. Schäffer sei kein „Grabenbauer“, so Nickl. Vielmehr sehe dieser die Landwirte als Partner. Das bestätigte der Referent auch gleich zu Beginn seines Vortrags. Das Volksbegehren sei keine Sportveranstaltung mit Gewinnern und Verlierern gewesen – und es richte sich auch nicht gegen Landwirte, so Schäffer. Es gehe um biologische Vielfalt: „Ziel ist es, diese und deren Bedeutung zu erklären.“

"Kein Pieps!"

Die Anzahl der Arten sei nicht unbedingt ausschlaggebend, erklärte Schäffer. Es gehe vielmehr um die „innerartliche Vielfalt“. In Sachen Biodiversität wusste Schäffern von vielen positiven Beispiele zu berichten. Schwarzstorch-, Wiesenweihe-, Wanderfalken- und Seeadler-Bestände hätten sich etwa gut entwickelt. „Dass wir einige Arten zurückbekommen, konnte man sich nicht vorstellen.“ Aber auch das Gegenteil sei der Fall. Eine rasante Abwärtsentwicklung gebe es bei Feldvögeln, die Zahl der Rebhühner habe um 90 Prozent abgenommen. Aber nicht deshalb, weil sie gejagt würden. „Ihnen fehlen Hecken und Wiesenraine als Unterschlupf. Auch Schmetterlinge seien betroffen. In Landschaften ohne Hecken und Wiesen habe sich Schäffer häufig aufgehalten – und nichts gehört, „keinen Pieps“. „Den langsamen Verlust verspüren wir nicht“, betonte Schäffer. Trotz millionenschwerer Förderung würden die „Roten Listen“ immer länger.

„Wir sind nicht gegen konventionelle Landwirtschaft, aber wir wollen mehr biologisch arbeitende Betriebe“, so Schäffer. Die Bevölkerung wolle, dass sich etwas ändert, das Volksbegehren sei in jedem Landkreis erfolgreich gewesen. Am „Runden Tisch“ seien die Gespräche auf Augenhöhe verlaufen, man fühle sich ernst genommen. Ministerpräsident Markus Söder habe von einer Richtungsentscheidung gesprochen, Alois Glück habe mehrfach geäußert, dass der Mensch es schaffen müsse, Unordnung schön zu finden.

Schäffer beklagte, dass Mähroboter oft die Einzigen seien, die sich auf Rasenflächen noch bewegen, zurück blieben tote Igel und tote Schmetterlinge. Es müssten Flächen ausgesucht werden, auf denen sich die Natur entfalten kann. „Wir haben die Aufmerksamkeit der Bevölkerung, jetzt müssen wird dran bleiben!“, so Schäffer. Bayern habe Einfluss im Bund und in der EU. Und die Landwirte dürfe man nicht allein lassen. Es müsse verstärkt auf biologischen Landbau umstellen und dafür auch entsprechende Entschädigungen anbieten. „Die Landwirtschaft braucht gesellschaftliche Anerkennung und dafür kann jeder etwas tun“, so Schäffer weiter. Umsichtig müssten Fördermittel eingesetzt werden. Konzepte müssten durchdacht und schlüssig sein. „Man bekommt auch Förderung für Unfug!“

Lebensmittel zu billig

Vieles sei in Bewegung gekommen und gehe in die richtige Richtung, meinte Schäffer. Aber einiges werde noch dauern. "Lebensmittel müssen das kosten, was sie wert sind. Wenn ein Drittel weggeworfen wird, sind sie zu billig", sagte Schäffer. "Alle sind in der Pflicht, ihr Verhalten zu ändern und nicht nur die Landwirte!" Jetzt sei die Zeit, etwas zu verändern. "Das Jahr 2019 muss ein wichtiges Jahr bleiben!"

Überwältigt zeigte sich der Kemnather Bürgermeister Werner Nickl vom großen Interesse am Vortrag zum Thema Artenvielfalt im Mehrzwecksaal.
Information:

Weiterbildung für Bauhof-Personal

Die 16 Mitgliedskommunen der Steinwald-Allianz haben schon im Jahr 2015 bei der Überarbeitung des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts die „Förderung der Biologischen Vielfalt“ als Ziel aufgenommen. Zum Start der „Öko-Modellregion Steinwald“ steht zunächst eine dreiteilige Weiterbildung für die kommunalen Bauhöfe an. Näheres erläuterte Eva Gibhardt von der Steinwald-Allianz im Anschluss an den Vortrag von Dr. Norbert Schäffer. Um „Geordnete Wildnis im örtlichen Umfeld“ geht es am Dienstag, 7. Mai. Besichtigt werden die Parkanlage beim Sibyllenbad und eine Brache in Krummennaab. Das „Gärtnern in der Kommune“ ist Thema am Dienstag, 16. Juli. Präsentiert wird unter anderem die Balkenmähermahd. „Wichtige Lebensräume in der Gemeinde“ heißt es am Dienstag, 8. Oktober. Hier steht die strukturierte Hecken- und Baumpflege im Mittelpunkt.

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