Brand (VG Neusorg)
07.11.2025 - 11:51 Uhr
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Arbeiten am Lindner-Anwesen in Brand haben begonnen

Mit der Neugestaltung des Lindner-Anwesens in Brand schafft die Gemeinde neuen Wohnraum und stärkt ihren dörflichen Charakter. Das Ziel: Ein Ortszentrum mit Lebensqualität für alle Generationen.

Architekt Peter Haimerl stellte 2017 im Gemeinderat seine Vision für Brand vor. Er wolle der Gemeinde eine unverwechselbare Identität geben und sie kulturell sowie wirtschaftlich stärken. Ausgangspunkt sei das ehemalige Schlachthaus, die Freibadbrache sehe er als Endpunkt der Achse, entlang der die Erneuerung des Ortskerns beginnen solle. Architektur und Kultur könnten einer Gemeinde neues Selbstverständnis verleihen, so Haimerl. Drei Ziele nannte er: Brand bekannter machen, Firmen anziehen und die historische Bausubstanz bewahren.

Trotz anfänglicher Skepsis war im Gemeinderat Aufbruchsstimmung spürbar. Auf dieser gedachten Achse liegt auch das Lindner-Anwesen, seit Jahren Thema in der Gemeinde. Große Abfallcontainer und Abrissgeräte markieren nun nach mehrjähriger Debatte das Ende des alten Stalls: Der Abriss hat begonnen. Das Haus Fichtelberger Straße 3 – Hausname „Beim Peider“ – könnte laut Chronik bereits 1670 entstanden sein. Es wechselte oft den Besitzer, bis es 1874 durch Heirat an die Familie Lindner kam. Nach dem Tod des letzten Besitzers Albert Lindner 1959 übernahm seine Frau Maria das Anwesen, später deren Neffe Werner Lindner. In den letzten Jahren stand das Haus leer.

Dörfliches Zentrum

Bei der Bürgerversammlung 2019 skizzierte Zweiter Bürgermeister Christian Drehobel ein dörfliches Zentrum mit dem Schlachthaus, dem „Goldenen Hirsch“ und dem Anwesen Fichtelberger Straße 3. Haimerl stellte im September eine Machbarkeitsstudie vor: die Sanierung des Wohnhauses, drei neue Wohneinheiten im ehemaligen Stall und einen Neubau mit Freisitz anstelle der Scheune.

Bei einem Treffen mit der Regierung der Oberpfalz zeigte sich Baudirektorin Regina Harrer angetan und empfahl, das Projekt nach dem Schlachthaus rasch umzusetzen. Zwei Varianten standen zur Wahl: Entweder übernimmt die Gemeinde selbst die Bauherrschaft oder es findet sich ein Investor. Harrer sprach sich für die erste Lösung aus, trotz finanzieller Belastung. So bliebe die Gemeinde „Herr des Verfahrens“. Das Projekt wurde für das Jahr 2020 angemeldet.

„Zuerst sind wir neugierig, dann sind wir kritisch, das sind wir heute, und am Ende sind wir offen!“ So kommentierte Bürgermeister Bernhard Schindler im Dezember die Vorstellung einer futuristischen Lösung für das Anwesen Lindner, die Peter Haimerl ins Spiel brachte: Wabenhäuser! Die Idee schlug ein wie eine Bombe und sorgte kurzfristig für heftige Diskussionen. Der Überraschungseffekt hatte diese schnell vorübergehende Euphorie für etwas ganz Neues hervorgerufen und verschwand ebenso schnell, wie er gekommen war.

Nicht bezahlbar

Nicht passend, nicht machbar und schon gar nicht bezahlbar. Den Preis von weit über zehn Euro pro Quadratmeter würde wohl in Brand niemand bezahlen. Probleme wie Dämmung, Kabelverlegung und Möblierung einer Wohnung mit schiefen Wänden unterstützten das „Nein“ zu dieser Alternative. Wahrscheinlich müsse man schon „etwas konservativer“ bauen, hieß es im Gemeinderat.

Diese Linie wurde nun für ein künftiges Generationenwohnen mit einem Betreiber verfolgt. Die Kosten müssten beherrschbar sein, damit man einen Betreiber findet. Es sei von zwölf Wohnungen die Rede gewesen, die nötig wären, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Im weiteren Verlauf ging es auch um schnell verfügbaren und vor allem bezahlbaren Wohnraum für junge Leute. Der Erhalt als „historisch wichtiger Dreiseithof“ bleibe weiterhin ein erstrebenswertes Ziel.

Nach einem in einer nichtöffentlichen Sitzung im Juni gefassten Beschluss im Juni 2021 erhielt das Büro ARCHI_D den Auftrag für eine neue Planung, die die Architektin Katharina Kopp übernahm. Ihren Entwurf stellte sie im November dem Bürgermeister und dem Bauamt vor, danach auch dem Gemeinderat: stets positiv bewertet.

Der Entwurf sah den Umbau des Stalls zu einem Seniorentrakt und die Erhaltung des Wohnhauses vor. Der neu zu errichtende Zwischenbau war weiterhin geplant. Es folgten interne Besprechungen mit einem Sozialteam, das die Unterlagen ebenfalls erhalten hatte. Auch dessen Stellungnahme, die den Gemeinderäten vorlag, fiel sehr positiv aus. Bürgermeister Bernhard Schindler (CSU) zitierte daraus: „Gelungener Baustein der örtlichen Daseinsvorsorge“. Doch die durchnässten Stallwände machten den Erhalt des Stalls unmöglich, und der Abriss wurde beschlossen. Inzwischen hat er begonnen.

Junges Wohnen

Wie geht es danach weiter? Im zweiten Bauabschnitt wird das alte Bauernhaus saniert. Dabei soll Wohnraum für junge Familien entstehen. Die Förderunterlagen befinden sich derzeit zur baufachlichen Prüfung bei der Regierung der Oberpfalz. Die Förderzusage könnte noch im Jahr 2025 erfolgen. Im dritten Bauabschnitt ist der Neubau eines Mehrgenerationenhauses geplant, um „weniger Einsamkeit im Alter, mehr Gemeinschaft untereinander“ zu fördern.

Die Umsetzung hängt auch von den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde ab. Die Gesamtkosten sind von 2,5 Millionen Euro, die Katharina Kopp genannt hatte, auf inzwischen 3 Millionen Euro gestiegen. Die Entwicklungen um das „Peider-Haus“ bleiben spannend.

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