27.05.2020 - 18:04 Uhr
BrandOberpfalz

EU-Parlament in der Coronakrise: "Wir arbeiten effizienter"

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Seit einem Jahr sitzt Christian Doleschal aus Brand (Kreis Tirschenreuth) im Europaparlament. Im Interview berichtet der CSU-Politiker, was ihn am meisten überrascht hat und wie es ihm gelingt, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Seit einem Jahr ist Christian Doleschal aus Brand (Kreis Tirschenreuth) Europa-Abgeordneter für die CSU.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Brexit, die Wahl der Kommissionspräsidentin, Corona. Das erste Jahr von Christian Doleschal als Europa-Abgeordneter war turbulent. Im Interview erläutert der 32-jährige CSU-Politiker aus Brand (Kreis Tirschenreuth) unter anderem, warum die Abgeordneten in der Coronakrise effizienter arbeiten.

ONETZ: Sind Sie gerade im Homeoffice?

Christian Doleschal: Unser Bürgerbüro in Brand ist nur 400 Meter von meinem Zuhause entfernt. Es befindet sich in einem neu renovierten Haus, dem Goberhaus, das im Jahr 1794 erbaut wurde. Wir arbeiten von Anfang an digital, das kam uns jetzt zugute. Vor drei Wochen war ich aber auch schon wieder in Brüssel.

ONETZ: Was hat Sie bei der Arbeit als Europa-Abgeordneter am meisten überrascht?

Christian Doleschal: Es war ein extrem spannendes Jahr – begonnen mit der Diskussion um den Spitzenkandidaten, dann die Wahl der Kommission, der Brexit, jetzt die Coronakrise. Das ist im ersten Jahr ganz schön viel. Am spannendsten fand ich den Perspektivenwechsel, den man durch Gespräche mit anderen Abgeordneten erhält – oder wenn man mit einem spanischen oder zypriotischen Kollegen ein Bier trinkt.

ONETZ: Was haben Sie im ersten Jahr für die Oberpfalz erreicht?

Christian Doleschal: Zunächst lag der Fokus darauf, dass wir bei der Strukturförderung finanziell weiterhin berücksichtigt werden. Ziel war es, dass wir die Voraussetzungen schaffen, dass die Oberpfalz auch künftig von der EU-Förderstruktur profitiert. Ich bin hoch zuversichtlich, dass uns das gelungen ist. Zu klären ist noch, wie hoch der Mittelzuschuss ausfällt. Die Aufgaben und Themen in Brüssel haben sich durch Corona komplett geändert. Zuletzt war das beherrschende für uns die Grenzschließungen zu Tschechien.

ONETZ: Und was nervt? Die Mythen um EU-Entscheidungen?

Christian Doleschal: Es gibt schon viele Themen, die immer wieder kommen, etwa der Doppelstandort Brüssel-Straßburg. Aber nerven ist da zu viel gesagt. Was besser wurde: Wir nutzen digitale Möglichkeiten und arbeiten dadurch effizienter. Bei Video-Konferenzen konzentrieren wir uns mehr auf das Wesentliche. Neu ist auch, dass es nun „Remote-Wochen“ gibt, in denen alle Sitzungen nur digital stattfinden. Es wäre schön, wenn auch nach Corona ein paar Brüsseler Präsenzwochen in „Remote-Wochen“ umgewandelt werden.

ONETZ: Gibt es parteiübergreifende Lager, etwa aller deutschen Politiker? Oder sind alle für Europa?

Christian Doleschal: In jedem Abgeordneten schlagen zwei Herzen, das der Heimat und das Europas. Wie stark und intensiv es schlägt, ist eine andere Frage. Für Deutschland alleine zu denken, funktioniert allerdings in einer globalisierten Welt nicht mehr. Unsere Mitbewerber sind China und die USA. Wir müssen Europa deshalb im Ganzen flottmachen. Deutschland hilft es am meisten, wenn ganz Europa die Coronakrise gut übersteht. Es schadet auch uns, wenn Italien absäuft.

ONETZ: Sie sind im Amt Vater geworden. Wie oft sehen Sie Ihr Kind?

Christian Doleschal: Dafür ist das digitale Arbeiten sensationell, weil schon einiges an Reisezeit wegfällt. Man kann noch zu Hause frühstücken und vielleicht auch mal mit der kleinen Pia einen Spaziergang machen, bevor die nächsten Termine anstehen. Es ist ein hoher organisatorischer Aufwand, aber es gelingt uns ganz gut.

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