08.04.2019 - 14:41 Uhr
BrandOberpfalz

Faszinierender musikalischer Kreuzweg

Regionalkantor Stephan Merkes gelang mit seinem Ensemble aus Instrumentalisten und Vokalisten ein gut besuchter kirchenmusikalischer Kreuzweg, der den Besuchern tief unter die Haut ging.

Das Geschehen am Karfreitag ist auf das in der Kirche in Brand beleuchtete Kreuz gerichtet. Auf der Empore gestaltet Regionalkantor Stephan Merkes mit Musikern, Sängerinnen und Sängern einen faszinierenden musikalischen Kreuzweg, der bei den zahlreichen Besuchern tiefe Spuren hinterlässt.
von Bertram NoldProfil

Die Glocke unterbrach die in der Kirche entstandene Stille. Eine Botschaft sind ihre Schläge; von einer Verheißung, noch nicht erfüllt, aber einem guten, befreienden Ende entgegen. Zum kirchenmusikalischen Kreuzweg hatten Pfarrei und kultureller Förderkreis geladen. Mit dem Klang der Glocke war eine faszinierende, beeindruckende und tief gehende, wertvolle Stunde zu Ende gegangen, die etwa 90 Besucher nicht versäumen wollten.

Um Regionalkantor Stephan Merkes hat sich eine Gruppe von Instrumentalisten und Vokalisten zusammengefunden, mit denen er solche Konzerte gestaltet: die Gruppe "AufgeMerkt", der er rein optisch mit der Silbe "Merk" seinen Stempel aufgedrückt hat, Adina Schöffel (Klarinette), Robert Jodlbauer (Oboe) und die Streichergruppe der Pfarrei "Zu den 12 Aposteln" in Wunsiedel, wo er als Organist tätig ist. Seinen musikalischen Stempel, der der Beschreibung "einfühlsam, genau, konsequent, überzeugend, echt und wohlklingend" folgt, tragen sie alle.

Der Ablauf und der Text des Kreuzwegs folgt dem des Gotteslobes, optisch verdeutlicht mit den abgelichteten und per Beamer projizierten Kreuzwegstationen der Brander Kirche, jeweils gefolgt von realistischen Fotos oder Fotos von Kunstwerken. Den Vortrag der Texte hatte Gemeindereferentin Gabi Sieder übernommen; wie gewohnt mit weicher, sehr sympathischer Stimme, dezent im Vortrag, absolut authentisch und darum sehr überzeugend.

Ein sanftes Orgelspiel zur ersten Station leitet den Kreuzweg ein, gibt dem Zuhörer durch seine meditative Art die Möglichkeit, in der Kirche und auch im Geschehen am Karfreitag anzukommen und sich einzulassen auf die Geschichte von dem qualvollen Weg, an dessen Ende ein Ereignis steht, das die Menschheit verändert hat. Und da sind auch die scharf registrierten Töne, immer kurz eingeworfen, jene Fingerzeige des Pöbels, der Jesus am Kreuz sehen will. Am Ende kann nur eine schmerzende Dissonanz stehen, die geradezu nach Auflösung schreit.

Wohlklingende Harmonien

Kaum passender als ein anderes Instrument greift die Oboe mit ihrem klagenden Klang ins Geschehen ein, getragen von einer breit angelegten musikalischen Basis auf dem Klavier. Im einfühlsamen Zusammenspiel bewegen sich beide so auf die Singgruppe zu: Ich höre meinen Erlöser rufen: "Nimm dein Kreuz auf und folge mir nach!"

Die Musik stammt durchgehend von amerikanischen Komponisten. Die Texte liegen in Deutsch und Englisch auf, so dass der Zuhörer dem Geschehen leicht folgen kann. Die große Last des Kreuzes verdeutlicht Stephan Merkes durch breit registrierte Bass-Passagen und immer wieder diese dissonanten Akkorde am Ende, die die noch nicht enden wollende Leidensgeschichte versinnbildlichen. "Share my yoke - Teile mein Joch" ist eines der weiteren Orgelstücke, die dieser Absicht folgen.

Und dann sind auch sehr wohlklingende Harmonien zu hören: "Hilfsbereitschaft" ist eingeblendet. Dafür steht Simon von Cyrene. Kräftige Dur-Harmonik: Nächstenliebe ist etwas Schönes und Gutes, zentrale Forderung des christlichen Glaubens. Doch die Klage ist nun einmal bestimmendes Merkmal des Kreuzweges und so greifen die Geigen abwärts geführter Melodie ins Geschehen ein und führen die klagende Klarinette zurück zum leidenden Christus. "Führe mich, leite mich" bittet der Chor in einem wunderbaren Satz, dessen Botschaft durch seinen innigen Vortrag, - bestimmt von hellen, klaren Frauenstimmen - ganz schnell größere Tiefen der menschlichen Seele erreicht.

Jesus ist ein zweites Mal gefallen und nun trifft er auch noch auf seine weinende Mutter. "Prayer of childhood" hat Stephan Merkes hier in den Ablauf aufgenommen. Die klagende Oboe und die samtweiche Klarinette haben hier mit den Musikerkollegen die große Aufgabe, die depressive Stimmung auf dem Kreuzweg wiederzugeben. Sie tun es mit großer Leidenschaft und das packt auch die Besucher, die kaum noch zu atmen wagen. "Were you there, when they crucified my Lord - Warst du da, als sie meinen Herrn kreuzigten?" Jesus ist nun schon ans Kreuz genagelt und tiefe Staccati im Pedal der Orgel, gefolgt von einer Passage in einem klagenden vierfüßigen Register, haben den stechenden Schmerz in den Händen und Füßen und das qualvolle Leiden begleitet.

Klingt da nun schon die frohe Botschaft der Erlösung an, wenn die Orgel über eine kleine Modulation den harmonischen Aufstieg in die nächsthöhere Tonart schafft? "Not a word - nicht ein einziges murmelndes Wort" hatte Jesus gesagt und dreimal teilt dies der Chor den gebannt hörenden Besuchern mit.

Beginn einer neuen Zeit

Nun sind die sanften Register gefragt, die sich Stephan Merkes lange vorher zurecht gelegt hat: Sanfte, leise Töne auf einer tiefen, breiten Grundlage begleiten die letzte Station, als Jesus ins Grab gelegt wird. Für Christen ist das nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Zeit. Jesus wird auferstehen, da wird die Musik freudiger, gelöster, vor allem lebendiger.

Der Bitte um Verzicht auf Applaus kamen die Besucher gerne nach, brachten ihren Dank und ihre Anerkennung stattdessen zum Ausdruck, indem sie beim Klang der Glocke Musik und Texte stehend noch eine Weile auf sich wirken ließen. Dies war zugleich ein großer Dank für eine sehr beeindruckende musikalische Feier am Passionssonntag.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.