07.05.2019 - 14:42 Uhr
BrandOberpfalz

Mit Gottvertrauen ans Ziel

Schwester Claudia Maria König legt in ihrer Ordensgemeinschaft ihr erstes Gelübde ab. Ein langer schwieriger Weg liegt hinter ihr.

Im Namen der Pfarrei Herz Jesu gratulierten bei ihrem ersten Besuch nach der Profess in ihrer Heimatpfarrei Pater JKoy Munduplackal und Vertreterinnen des Pfarrgemeinderats mit Sprecherin Sabine König (rechts). Schwester Claudia Maria (vorne links) zeigte sich überrascht und dankte herzlich.
von Bertram NoldProfil

"In dem Augenblick, als ich Gott die Hand gab und ja zu ihm sagte, wurde mir der Sinn meines Lebens klar." Mit diesem Zitat des ehemaligen UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld brachte die Sprecherin des Pfarrgemeinderats, Sabine König, die Entscheidung von Claudia König auf den Punkt, sich einer Ordensgemeinschaft anzuschließen.

Nachdem sie am Ostermontag in Stadl in Oberbayern ihr erstes Gelübde abgelegt hatte, war sie am vergangenen Wochenende in der Heimat, um sich um ihren Vater zu kümmern. Vor dem Schlusssegen bat sie Pater Joy zum Altar, um ihr im Namen der Pfarrei zu gratulieren und ihr ein Geschenk zu überreichen. Seinen Glückwünschen schloss sich Sabine König im Namen des Pfarrgemeinderats an.

Claudias Weg in die Ordensgemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser verlief keineswegs so glatt wie man sich das laienhaft vorstellen mag. Er begann in Brand, wo Claudia König die Volksschule besuchte und 1987 unter ihrem Lehrer Franz Preis den Quali ablegte. Eine Ausbildung zur Verkäuferin schloss sich an und danach legte sie noch ein Jahr drauf, um die Prüfung zur Einzelhandelskauffrau zu machen. Das sollte sich als wichtige und zukunftsweisende Entscheidung herausstellen, denn Quali plus Beruf bedeutete einen gleichwertigen mittleren Bildungsabschluss. Sie wechselte die Stelle, musste auch kurzzeitig erleben, wie es sich anfühlt, arbeitslos zu sein. In ihrer Heimatpfarrei war sie als Lektorin tätig, arbeitete auch im Pfarrgemeinderat mit und war in diesem Gremium auch einmal Sprecherin. Der Gedanke an ein Leben im Kloster ließ sie seit 2001 nicht mehr los. In Brand war Gemeindemission. Zwei Redemptoristen hielten Gottesdienste, luden zu Gesprächsabenden ein und machten zahlreiche religiöse Themen zu Anlässen ihrer Predigten. Einer der beiden Patres war Heinrich Stummer, der bereits 2005 verstarb. Er sollte zum Wegweiser in ihrem weiteren Leben werden. Bereits 2002 reiste eine Gruppe von Gläubigen aus Nordbayern mit Pater Heinrich nach Scala in Italien, Wirkungsort des Heiligen Alfons von Liguori, Ordensgründer der Redemptoristen. Zu Wanderexerzitien hatte Pater Heinrich ein weiteres Mal eingeladen und er hatte wohl schon länger ein Gespür für Claudias Gedankengänge. Da drehte er sich eines Tages bei einem Aufstieg auf einen Berg plötzlich um und fragte: "Wos is mit dir? Di kannt ma im Kloster guat brauchn!"

Das Foto zeigt Schwester Claudia Maria zusammen mit der Oberin, Schwester Ruth Maria Stamborski, beim Auszug am Ende des Gottesdienstes.

Diese Frage ließ Claudia nicht mehr los und da rief sie ihn eines Tages von zu Hause aus an, um zu fragen, ob er das ernst gemeint hatte. Er zögerte keinen Augenblick: "Selbstverständlich!" Nun versorgte er sie mit Informationen aus Scala und wurde ihr religiöser Begleiter auf ihrem weiteren Weg. 2003 war sie zum ersten Mal in Stadl, dem Mutterhaus ihres Ordens, um sich langsam an eine Entscheidung heranzutasten. Dort wurde ihr empfohlen, einen sozialen Beruf zu erlernen, um nicht abhängig zu werden, falls sie nicht bleiben wird. Dann müsse sie auf eigenen Füßen stehen können. "Von zu Hause weggehen", wurde ihr geraten. Eine solche Entscheidung braucht Ruhe und Abstand vom bisherigen Leben und muss ohne Einfluss getroffen werden.

Der Weg zur Altenpflegerin war nicht so einfach. Gerade war die Ausbildung um ein Jahr auf drei verlängert worden und mit ihr die Voraussetzungen. Ihre spätere Postulats- und Noviziatsbegleiterin half weiter. Bei den Niederbronner Schwestern in Neumarkt klappte es und nach vier Wochen Praktikum begann sie ihre Ausbildung als zusätzliche Auszubildende. Schwierige Zeiten für die heutige Schwester Claudia Maria. "Starkes Gottvertrauen hat geholfen", sagt sie rückblickend. 2011 wurde von den Schwestern die "Emmaus-Weg-Gemeinschaft" ins Leben gerufen - eine Gruppe von Frauen und Männern, die sich den Missionsschwestern und ihrer Spiritualität verbunden fühlt. Dieser schloss sich Claudia König an. 2015 traf sie in München ihre jetzige Provinz-Oberin. Diese schien gemerkt zu haben, "dass da etwas über die Emmaus-Weg-Gemeinschaft hinausgeht".

So fiel im Frühling 2016 die große Entscheidung. Von September 2016 bis Juli 2017 dauerte das Postulat. Claudia zog in die Postulatsgemeinschaft der Schwestern, und absolvierte im Anschluss das Noviziat in Wien. Am Ende eines solchen Weges steht ein Gesuch auf Zulassung zur ersten Profess mit ausführlicher Begründung, über das der Provinzrat entscheidet, dem neben der Oberin und deren Stellvertreterin auch die Noviziatsbegleiterin angehört. Am Ostermontag legte Sr. Claudia Maria in Stadl ihr erstes Gelübde ab. "Drei mal zwei Jahre" lautet die Regel, was eine Wiederholung alle zwei Jahre bedeutet. Am Ende dieser Zeit steht dann die Entscheidung über die Profess auf Lebenszeit.

Bei Sr. Claudia Maria stand am Anfang eine religiöse Erziehung im Elternhaus, bei der sie mit dem "eher strengen Gott in Berührung gekommen" ist. Die Gemeindemission 2001 hatte den gütigen und barmherzigen Gott zum Inhalt. Dieser Paradigmenwechsel scheint weitreichende Folgen für die junge Ordensfrau gehabt zu haben.

Klosterleben:

Die Gemeinschaft der Missionsschwestern vom Heiligsten Erlöser wurde 1957 von den Redemptoristen in Gars am Inn gegründet. Überall da, wo die Redemptoristen nach ihnen gerufen haben, sind sie tätig: in Bolivien, in Chile, in Japan und in der Ukraine. Das Klosterleben läuft nach einem festen Rhythmus ab, der allenfalls durch Berufstätigkeit – Claudia muss auch Schichtdienst im Seniorenheim machen – eine Änderung erfährt. Im Kloster St. Theresia in Stadl, im Haus Sarepta in Wien oder in den kleineren Hausgemeinschaften (angemietete Wohnungen) leben die Schwestern ähnlich wie in eine Familie: jede hat ihr eigenes Zimmer; dazu gibt es Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer und Küche und natürlich die Kapelle oder den Gebetsraum. Gottesdienst ist in St. Theresia dreimal pro Woche, ansonsten gehen sie in die Pfarrkirche. Die Schwestern dieser Gemeinschaft tragen kein Ordensgewand und sind daher nicht an einer besonderen Kleidung zu erkennen.

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