27.02.2019 - 12:18 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Breakdance soll 2024 olympische Disziplin werden

2024 in Paris soll es im Breakdance um Medaillen gehen. Die Olympischen Spiele werden jünger. Gründungsvater Pierre de Coubertin würde sich angesichts der Neuerungen im Programm wohl im Grab umdrehen, meint IOC-Präsident Thomas Bach.

von Agentur DPAProfil

Florian Silbereisen weiß, was beim Massenpublikum ankommt. Seit ein paar Jahren nimmt der Schlagerstar Breakdancer mit auf Tournee. Dancefloor Destruction Crew (DDC) heißt die Truppe. Sie kommt aus dem fränkischen Schweinfurt und bringt die Säle verlässlich in Wallung. Was Silbereisen kann, will Olympia auch. In fünf Jahren sollen hippe Tänzer Paris begeistern. Es gilt als ausgemachte Sache, dass Breakdance (auch als Breaking bezeichnet) 2024 zum Programm gehört – nicht als Demonstration, sondern als Wettkampf um Gold, Silber, Bronze.

Die Breakdance-Gruppe DDC geht ab Anfang 2020 auf Deutschlandtour.

Deutschland & Welt

Wie die Sportarten Surfen, Skateboarding und Sportklettern, die auch schon im kommenden Jahr in Tokio olympisch sein werden, steht Breakdance auf der Vorschlagsliste der Franzosen. Nach den Spielen 2020 wird das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Veranstaltungsprogramm für Paris beschließen. Karate, Baseball und Softball fallen nach ihrem Olympia-Intermezzo in Japan dann wohl wieder aus dem Kanon. Die Verbände für Schach, Snooker und Squash hatten sich vergeblich Hoffnung gemacht, dass ihre Sportarten aufgenommen werden.

Seit Einführung der Agenda 2020 haben die Olympia-Gastgeber die Möglichkeit, mit temporär integrierten Sportarten ein eigenes Profil zu schaffen. Breakdance passt nach Paris. Ralf Josat bezeichnet Frankreichs Metropole neben Brasilien und Südkorea als einen "Hotspot" dieser Sportart. Für den Präsidenten des Verbands TAF Germany (The Actiondance Federation of Germany), der in Deutschland für die modernen Tanzvarianten zuständig ist, ist Breakdance ein generationenübergreifendes Thema: von den Endfünfzigern, die die Anfänge des aus New York kommenden Straßentanzes in den 1970er Jahren erlebt haben, bis zur Jugend von heute, die die Disziplin gerade zu einer neuen Blüte bringt.

Olympia will jüngeres Publikum ansprechen

Olympia trimmt sich mit neuen Sporarten, aber auch mit Abwandlungen wie dem Drei-gegen-drei-Basketball, auf jung, gibt sich einen städtischeren Anstrich und kämpft damit um Akzeptanz beim jungen Publikum. Ob das so im Sinne der Traditionalisten ist? IOC-Präsident Thomas Bach unkte zuletzt im "Sportbuzzer"-Interview, dass sich der Vater der Spiele der Neuzeit, der französische Baron Pierre de Coubertin, angesichts solcher Programmreformen wohl "im Grabe umdrehen" würde. Tanzsport war – abgesehen von der Variante auf dem Eis – noch nie olympisch.

Die Breakdancer hatten ihre Premiere im Zeichen der Ringe im vergangenen Oktober bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires, die dem IOC auch als Versuchslabor für neue Sportarten dienten. Deutsche Tänzer hatten sich nicht qualifiziert. Der Limburger Josat sieht dennoch Chancen, den Rückstand auf die Weltspitze bis zu den Spielen in fünf Jahren aufzuholen. "Talente können innerhalb von ein, zwei Jahren ganz oben sein", sagt er. Rund 3000 Sportler, die Breakdance oder verwandte Disziplinen organisiert ausüben, gebe es in Deutschland. Hinzu komme eine unüberschaubare freie Szene.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), für den bislang vornehmlich traditionelle Sportarten wie Kanu oder Reiten die Medaillenbringer sind, fremdelt indes noch ein bisschen mit den neuen Wettbewerben. "Grundsätzlich ist es eine Herausforderung, Projektsportarten innerhalb eines Zeitfensters von drei bis vier Jahren auf die Olympischen Spiele vorzubereiten", heißt es aus der Zentrale des Dachverbandes.

Junge Sportarten schon in Japan 2020

Für die kommenden Spiele in Japan können sich die für die im olympischen Maßstab jungen Sportarten Skateboarding, Surfen, Sportklettern, Baseball und Karate zuständigen Verbände mit Sondermitteln des Bundesinnenministeriums in Form bringen. Der DOSB teilte mit, dass eine Einschätzung zu Chancen und Risiken der Projektsportarten aus fachlicher Sicht erst nach der Beurteilung und Bewertung über einen vollständigen Olympia-Zyklus möglich sein werde – also nach Tokio 2020.

Breakdance bei Olympia positiv für allgemeinen Tanzsport:

In der bevorstehenden Aufnahme von Breakdance ins Programm der Olympischen Spiele 2024 in Paris sieht der in Deutschland zuständige Verband TAF ein vielversprechendes Signal an den Tanzsport insgesamt. «Damit öffnet sich die Tür zu Olympia», sagte TAF-Präsident Ralf Josat der Deutschen Presse-Agentur. Er hält die Aufnahme weiterer tanzsportlicher Disziplinen ins Programm der Spiele für möglich.

Wenn das Internationale Olympische Komitee im kommenden Jahr zustimmt, geht es in der französischen Metropole in fünf Jahren erstmals um Gold, Silber und Bronze in einem Tanzsport – abgesehen vom Eistanz. Aussichtslos hält Josat Deutschland bei diesem Wettbewerb nicht, wenngleich sich kein Athlet seines Verbandes für die Wettbewerbe bei den Olympischen Jugendspielen im vergangenen Jahr in Buenos Aires qualifiziert hatte. «Talente können innerhalb von ein, zwei Jahren ganz oben sein», sagte er.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.