15.09.2020 - 14:58 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Mordprozess: Angeklagter schweigt weiter

Ein 44 Jahre alter Lastwagenfahrer soll einen Berufskollegen im Oktober 2019 in Burglengenfeld getötet haben. Der Angeklagte schweigt aber auch am zweiten Prozesstag. So muss das Gericht mosaikartig ein Bild vom Geschehen zusammensetzen.

Auch am zweiten Tag des Mordprozesses gegen einen 44 Jahre alten Lastwagenfahrer äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen.
von Autor HWOProfil

Es sind Stunden, die sich schleppend hinziehen. Doch sie müssen sein in einem Prozess, in dessen Verlauf unter Betrachtung vieler einzelner Spuren klare Bilder vom Ablauf eines Kapitalverbrechens zu zeichnen sind. Das erfordert akribische Genauigkeit, braucht Zeit.

Zweiter Tag in dem Verfahren gegen einen 44-Jährigen Lkw-Fahrer aus dem Raum Amberg. Er soll am 23. Oktober 2019 auf einem Speditionsparkplatz in Burglengenfeld einen Berufskollegen (41) mit Messerstichen getötet haben. Der Angeklagte schweigt noch immer. So muss die Erste Strafkammer, die als Schwurgericht in großer Besetzung tagt, mosaikartig ein Bild vom Geschehen zusammensetzen. Mit der Hilfe von sechs Sachverständigen geschieht das.

Prozessauftakt im Mordprozess

Amberg

Die Kripo Amberg hatte bei ihrer Tatortarbeit eine Vielzahl von Spuren gesichert und sie analysieren lassen. Gerichtsmediziner gingen ebenso an die Auswertung wie Biologen und Fachleute, die anhand von Verletzungen Geschehensabläufe rekonstruieren können. Die Richter hörten, dass der durch Gewalteinwirkung getötete 41-jährige Familienvater schon zu einem Zeitpunkt erheblich verletzt wurde, als er bei einem nächtlichen Treff mit seinem nun wegen Mord angeklagten Kollegen in dessen Lkw-Führerhaus stieg.

Viele Fragen offen

Noch immer fehlt eine Antwort auf die Fragen: Warum trafen die beiden Männer aufeinander? Worum ging es bei dem Streit? Nach dem ersten Angriff flüchtete das Opfer aus der Fahrerkabine. Nur wenige Meter weiter kam es zu einer weiteren Messerattacke gegen den Mann. Dabei lag er auf dem Boden oder befand sich womöglich auf den Knien. Die gezielt eingesetzte Klinge traf Venen am Hals und verursachte Wunden, die auch bei rascher ärztlicher Hilfe nicht hätten geschlossen werden können.

Für den mutmaßlichen Täter wird es immer enger im Prozess. Die Auswertung zahlreicher Spuren ergab, dass nur er und das Opfer am Tatort waren. Beide Beteiligten hatten Alkohol konsumiert. Beim Beschuldigten geht man von über drei Promille aus. Dabei tut sich erneut eine Frage auf: Wie konnte das sein bei Männern, die seit geraumer Zeit als Berufskraftfahrer arbeiteten?

Der 41-Jährige war nach dem zweiten Angriff auf ihn zu einem nicht weit entfernten Laubhaufen geschleift und dort mit welken Blättern zugedeckt worden. Als das geschah, dürfte der Mann bereits tot gewesen sein. Denn die Verletzungen an seinem Hals hatten zu einem raschen Blutverlust geführt.

Unbekanntes Fahrzeug

Die Leiche entdeckte ein Bediensteter der Stadt Burglengenfeld. Er kam am Morgen nach der Tat rein zufällig auf das Gelände der Spedition, weil er sich um eine dort angesiedelte Annahmestelle für Grüngut kümmern wollte. Das Eintreffen des Gärtners kreuzte sich mit Bemühungen von Speditionsmitarbeitern, die gerade herausfinden wollten, warum ein ihnen nicht bekannter Sattelzug unversperrt auf dem Gelände stand und weshalb es da eine nicht weit vom Fahrzeug entfernte Blutlache gab. Mit dem Truck war das Opfer am Abend zuvor gekommen.

Richter, Staatsanwalt, Verteidiger hören zu und lassen sich sowohl von Zeugen als auch von Sachverständigen schildern, was sie wissen müssen. Eine der schwierigsten Aufgaben aber hat die Dolmetscherin. Sie muss dem Angeklagten jedes Wort simultan in die russische Sprache übersetzen. Sie tut das mit Bravour und ohne Rückfragen des 44-Jährigen. Nur gelegentlich schaut er die Frau an seiner Seite an. Dann starrt der Berufskraftfahrer wieder auf den Boden des Gerichtssaals. Stunde um Stunde, ohne jegliche Reaktion. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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