02.11.2018 - 14:47 Uhr
BurglengenfeldOberpfalz

Eine Powerfrau für Familie und Betrieb

Barbara Weiherer (33) vertritt die Oberpfalz bei der BR-Landfrauenküche 2018. Der jungen Bäuerin und Mutter geht es aber um viel mehr nur als ums Kochen. Beim Hofrundgang erzählt sie davon, wie Landwirtschaft eine Zukunft haben kann.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

Vier Generationen mit drei verschiedenen Nachnamen wohnen auf dem Hof und leben von einer Herde Angus-Rinder und Urlaub auf dem Bauernhof. Seit Barbara Weiherer mit ihrem Mann Simon im Jahr 2012 den Simmernhof in Mossendorf (Burglengenfeld/Landkreis Schwandorf) übernommen hat, gibt es keine festen Stall-Zeiten mehr. Beim „Hausbesuch“ von Oberpfalz-Medien sitzt Oma Theresia Schwanzl (94) zusammen mit Austragslandwirt Rupert Marquart in der Küche und säubert Quitten, die als Gelee weiterverarbeitet werden. Mama Christa Marquart ist im Gästehaus beim Einchecken beschäftigt. „Bei uns haben immer die Männer eingeheiratet“ sagt die Hoferbin und lacht. Mit den Söhnen Anton (3) und Emil (1) könnte sich das ändern.

In der dritten Folge der BR-Landfrauenküche 2018 (Sendetermin: 5. November, 20.15 Uhr) hält der Oldtimer-Bus in der Oberpfalz. Die sieben Landfrauen aus allen bayerischen Regierungsbezirken besuchen und bekochen sich gegenseitig. Auch die Redaktion von Oberpfalz-Medien schaute diese Woche auf dem Simmernhof vorbei. Nur die Dorfstraße trennt das Anwesen von der Naab. Ein Holzboot treibt auf dem Wasser und das Herbstlauf der Bäume spiegelt sich golden. „Nein, beworben habe ich mich nicht“, betont die sympathische Oberpfälzerin, die mit zwei älteren Schwestern aufgewachsen ist. Schon seit Jahren frage der BR bei ihr an, nachdem sie als Vorsitzende beim „Ring junger Landfrauen“ halt im Fokus gestanden sei. „Heuer im April hab ich dann zugesagt“, erklärt sie, „auch weil ich es später nicht bereuen wollte.“

Stall muss weichen

Wir spazieren am großen Gemüsegarten vorbei. „Mein Ziel war es immer, den Hof so weiterzuführen, dass man davon leben kann“, bekräftigt die motivierte Bäuerin. Die Eltern lebten von Milchkühen mit Nachzucht und von 13 Betten für Urlauber, was schon die Oma in den 60er-Jahren mit einfachen Ferienzimmern gestartet hatte. Statt „Aussiedeln mit Laufstall“ fiel die Entscheidung für ein Gästehaus. Dafür musste der Stall weichen. Das Fleck-Milchvieh wurde mit Angus-Rindern getauscht, dass sich im umgebauten Stodl wohlfühlt – in direkter Nachbarschaft zu den Balkonen der Gästezimmer. Diese sind von Mai bis November quasi ausgebucht. „Es ist unser Hauptbetriebszweig, davon leben wir“, betont die 33-Jährige. Wir betreten den Fünf-Sterne-Beherbergungsbetrieb mit 5 Ferienwohnungen und 2 Doppelzimmern und steuern auf ein Herz aus Scheitholz zu. „Damit hat mir Simon einen Heiratsantrag gemacht“, sagt Barbara und fügt strahlend an: „Der hat immer so tolle kreative Ideen.“ Der Zimmerermeister arbeitet weiterhin in seinem Beruf, hat sich aber von den Visionen seiner Frau anstecken lassen und arbeitet gerne in der Landwirtschaft mit. „Der steht voll dahinter!“

Angler aus ganz Deutschland schätzen die Adresse an der Naab, es gibt einen E-Bike-Verleih, die Jugendlichen können im Heubett im Baumhaus übernachten und die Jüngsten mit den Tretfahrzeugen rackern. Die Betriebsleiterin hat schon neue Ideen. Platz dafür wird es geben, wenn der Hof 2019 auf die Bio-Schiene umstellt und die Angus-Rinder auf der Weide gehalten werden. „Ich will nicht ohne Viecher sein“, erklärt Barbara Weiherer, die Vater und Mann von der Mutterkuhhaltung angesteckt hat. „Bio ist eine Überzeugung und ein geschlossener Kreislauf“, sagt sie und betont: „Futter nur von unseren Flächen und keine Gülle.“ Und sie geht den Weg mit bis zum Schluss, bis zum befreundeten Metzger, wohin sie die Schlachttiere stressfrei selber fährt. Das Fleisch wird ab Hof in 10-Kilo-Paketen vermarktet. Da es eine Warteliste gibt, soll die Herde aufgestockt werden.

Dialekt wichtig

Bei der BR-Landfrauenküche stand natürlich Angus-Rind auf dem Speiseplan. Das Fernsehteam rückte zur Heuernte im Juni an. Am fünften Tag kamen die Landfrauen dazu. „Wir fahren wirklich mit dem Oldtimerbus vom Hotel zum Hof“, berichtet Barbara. Für die Kleidung gebe es keine Vorgaben. „Aber in Oberbayern haben wir uns alle mit Dirndl verabredet!“ Nach dem Hofgang geht es wieder ins Hotel, um gegen 19 Uhr in festlicher Garderobe zum Dinner zurück zu sein. Die Hauswirtschaftsmeisterin stand mit ihrer Freundin am Herd. Der schönste Moment: „Das Fleisch war am Punkt gegart, da war ich schon erleichtert!“ Zur Vorspeise gab es Waller-Apfel-Spieße (Kasten). Punkte brachten Zoiglbier und Gemüse vom Garten. Zur Nachspeise (Buttermilch-Mousse) hat sie Himbeeren gepflückt und mit dem Hörnchen-Eisen die Waffeln hergestellt. Kartoffeln als „Erdäpflkaas“ verstärken die regionale Ausrichtung. Dazu kommt die Sprache. „Von der Barbara hab ich nicht alles verstanden“, hieß es da schon mal. Doch diese stellt klar: „Wenn ich bei diesem BR-Format die Oberpfalz vertrete, dann will ich auch Dialekt sprechen.“ Im übrigen habe sie sich mit allen Mädels gut verstanden: „Wir waren eine wunderbare Truppe und haben total harmoniert!“. Der Kontakt wird per Whats-Ap-Gruppe gehalten und im Dezember treffen sich alle noch einmal am Christkindlmarkt in Regensburg. Doch für Barbara Weiherer ist die Sache damit noch nicht vorbei.

Bei der 10. Staffel gibt es eine Jubiläumssendung, die im November mit jeweils einer Landfrau pro Jahr aufgezeichnet wird. Für 2018 wurde die Oberpfälzerin ausgewählt. „Das hat nichts mit dem Sieg zu tun“, stellt diese gleich klar. Denn wer die meisten Punkte erhalten hat, sei noch streng geheim. Übrigens: Das Finale wurde heuer am Tegernsee gedreht. „Ich habe die Teilnahme nicht bereut“, sagt Barbara Weiherer zum Ende unseres Rundganges. Auch habe sie viele unterschiedliche Betriebe kennengelernt: „Ich bin beeindruckt, was jede Frau zusammen mit ihrer Familie aus dem Hof macht, damit dieser zukunftsfähig ist.“

Fleisch braucht Zeit und Ruhe. Es sollte vor der Zubereitung zimmerwarm sein und deshalb zwei Stunden vorher aus dem Kühlschrank genommen werden. Nach Ende der Garzeit noch ein wenig ruhen lassen, damit der Fleischsaft einziehen kann und der Braten saftig bleibt.

Landfrauen-Tipp von Barbara Weiherer

Vorspeise:

Barbara Weiherer servierte den Landfrauen Waller-Apfel-Spieße auf Salat: „Der Waller ist der typische Fisch der Naab“.

Zutaten: 750 g Wallerfilet; 1 Zitrone; 1 Bund Petersilie; Salz; Pfeffer aus der Mühle; 3 rote Äpfel; Zitronenöl zum Braten. Zubereitung: Das Wallerfilet in etwa zweieinhalb Zentimeter große Würfel schneiden. Die Zitrone auspressen. Die Petersilien-Blätter abzupfen und fein hacken. Die Fischwürfel mit Zitronensaft, Salz, Pfeffer und Petersilie mischen und etwa 20 Minuten marinieren. Die Äpfel mit der Schale auf etwa so große Stücke wie die Fischwürfel schneiden. Abwechselnd auf lange Holzspieße stecken. Das Zitronenöl in einer Pfanne erhitzen und die Spieße darin bei mittlerer Hitze auf jeder Seite 2 bis 3 Minuten braten. Der Spieß schmeckt warm oder kalt.

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