21.08.2019 - 10:40 Uhr
Burgtreswitz bei MoosbachOberpfalz

Unheimlich beeindruckend

Zum ersten Mal gab es eine Führung durch den riesigen Dachstuhl des Schlosses Burgtreswitz. Dabei hören die Teilnehmer auch gruselige Geschichten.

Der Förderverein Schloss Burgtreswitz bot erstmals eine Führung durch den riesigen Dachstuhl des Schlosses an.
von Peter GarreissProfil

Der Vorsitzende des Fördervereins, Peter Garreiss, zeigte zunächst anhand zahlreicher Bilder die gewaltigen Ausmaße des Dachstuhls. Dabei stellte er dessen baulichen Zustand von 1980 bis 1990 und die Situation nach der umfangreichen Restauration dar. Insgesamt kostete die Instandsetzung des Dachstuhles 400.000 Euro.

Garreiss ging auch auf die Historie des Dachstuhls ein. Die ersten baulichen Belege liegen in der Zeit der Hussitenkriege um 1430. 1529 wurden an der Außenseite 8.000 Flachziegel und an der Hofseite 4.000 Schindeln aus Waidhaus verlegt, um das Dach und den Wehrgang dicht zu machen. Beim Großbrand von 1634 im Dreißigjährigen Krieg wurden der gesamte Dachstuhl und alle Getreidevorräte ein Raub der Flammen. 1662 wurden dafür 14.500 Schindeln und 1702 wiederum 27.000 Schindel auf die riesigen Dächer gelegt. 1734 war die Zeit der Schindeln in Burgtreswitz vorbei. Die 138 Meter langen Dächer wurden mit 24.750 Ziegeltaschen aus Moosbach und Waidhaus gedeckt.

Nach verheerenden Stürmen 1735 bis 1753 und nochmals 1789 mussten mehr als 100.000 Flach- und Firstziegel auf die Dächer gelegt werden. Garreiss erklärte, dass der Dachboden des Schlosses Jahrhunderte lang als Getreidespeicher, als „Kasten“ genutzt wurde. „Die Dimensionen des Dachbodens sind beeindruckend“, erklärten die Teilnehmer an der Führung. Der heutige Dachstuhl stammt zum Großteil aus dem 18. Jahrhundert, informierte Garreiss. Labor-Untersuchungen ergaben, dass die 171 Stämme aus dem Westflügel im Winter 1731/32 unter Beachtung der sogenannten Mondphasengesetze eingeschlagen wurden. Viele Sparren sind mit Schnitzereien und Inschriften verziert, zeigte Garreiss den Gästen.

Beim Rundgang durch den Dachstuhl bewunderten die Teilnehmer das Meisterwerk des Zimmerei-Handwerks. Sie sahen, dass die Decke über dem Obergeschoss aus zwei Balkenlagen besteht, nämlich den Zerrbalken und den darunter liegenden Deckenbalken, der die Zimmerdecke trägt.

An den etwas unheimlichen Plätzen im Dachstuhl erzählte Garreiss gruselige Geschichten, die er sich bei einem Enkel der letzten Schlossbesitzerin Hildegard Krüger beschafft hatte. Matere, das Schlossgespenst spukt schon seit über 300 Jahren in dem alten Gebäude. Der Geist versuchte, Arbeiten im Schloss zu verhindern versuchte. In einem zweiten Fall ging es um den Besuch einer Freundin des Schlossherrn im unheimlichen Badekeller. Während diese in der Badewanne saß, kam das Schlossgespenst schweren Schritts dem Bad immer näher, um dann kurz davor umzukehren.

Die nächste Dachführung ist am Samstag, 12. Oktober, um 20 Uhr. Anmeldung in der Gästeinfo im Rathaus. Die Teilnehmerzahl ist auf acht Personen begrenzt.

Der Förderverein Schloss Burgtreswitz bot erstmals eine Führung durch den riesigen Dachstuhl des Schlosses an.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.