26.09.2018 - 16:50 Uhr
Burgtreswitz bei MoosbachOberpfalz

Zusammenarbeit mit Eichhörnchen

Eichelhäher, Eichhörnchen und andere Tiere sind gute Partner für Waldbesitzer: Sie bringen Samen in gerodete Waldgebiete und ermöglichen eine "Naturverjüngung" ohne Pflanzung. Diese naturnahe Aufforstung wird immer stärker gefördert.

Beate Renger (Zweite von links), mit Ehemann Dietmar und Sohn Julian (Zweiter und Dritter von rechts), ist stolze Besitzerin eines Waldareals im Michlbachtal, in dem sich der Bewuchs durch Naturverjüngung erneuert hat. Über den Anblick freuen sich Forstdirektor Gerhard Hösl (links) und der Vohenstraußer Revierleiter, Forstamtmann Stefan Stangl (rechts).
von Elisabeth DobmayerProfil

„Wir haben gar nichts getan“, lächelt Waldbesitzerin Beate Renger. Ohne ihr Zutun entstand auf dem 1,5 Hektar großen Waldstück ein wertvoller ökologischer Baustein im waldreichen Gebiet. Das Schöne dabei: Für die Maßnahme gab es auch noch einen Zuschuss. „Die Antragstellung ist bayernweit möglich“, versichert der staatliche Revierförster und Leiter des Forstreviers Vohenstrauß. Die Samen der Altbäume im benachbarten Staatswald haben sich durch den Wind verbreitet oder aber auch durch Eichelhäher und das Eichhörnchen, die rund um die alten Samenbäume die Früchte aufsammeln und durch den Wald tragen. Für den Experten ist diese sogenannte "Naturverjüngung" eine "hochinteressante Alternative“ zur Pflanzung. Samen aus den Bäumen der umliegenden Wälder kommen mit dem Wind oder durch Tiere in das Waldstück und aus vorhandenen Stöcken treiben Ableger aus. So gelinge eine Verjüngung eines gemischten Waldes. Der so aus der Natur entstehende Forst müsse dann nur so gesichert sein, damit er wachsen könne, erklärte der Revierleiter. Die Bäume hätten ein bestens angelegtes Wurzelwerk und keinerlei Schädigung durch Pflanzung. Weil sie sich den Weg in den Boden selbst suchen, gebe es auch keinen Pflanzschock. "In der Regel sind die langsam wachsenden Bäume aus den angeflogenen Samen von besonders guter Qualität."

Hauptsächlich Bergahorn streckt sich in Rengers Waldstück im Michlbachtal in die Höhe. Sie hat den Wald von ihrem Vater geerbt und zwischenzeitlich mit ihrem Ehemann Dietmar und Sohn Julian bewirtschaftet. Forstdirektor Gerhard Hösl und Stangl sind der Familie Renger dankbar, dass sie mit ihrem Waldbesitz den Schritt in die Öffentlichkeit geht und so mit den Forstleuten zusammen Aufklärung betreibt. Natürlich will auch Beate Renger mit ihrer Familie später einmal Profit aus dem Wald ziehen und Holz einschlagen. „Das ist ein Generationenprojekt. Vielleicht können die Kinder von Sohn Julian einmal aus diesem Ahorn hochwertige Möbel schreinern lassen“, stellte Stangl in Aussicht. Bis das Produkt „Baum“ reift, vergehen Jahrzehnte. Der Wald ist ein Unternehmen, und wie jedes normale Unternehmen rechnet es mit Kosten und Erträgen.

Deswegen ist es auch Aufgabe der Waldbesitzer, kontinuierlich artenreiche, stabile Mischwälder in den von Fichten dominierenden regionalen Waldbeständen zu schaffen und sie so fit für die Zukunft zu machen. Die Experten plädieren für Mischwaldbestände, am besten durch Naturverjüngung. Der Klimawandel habe direkte Auswirkung auf die Wälder, wie erst wieder der Sturm „Fabienne“ am vergangenen Wochenende vor Augen geführt hat. Waldbesitzer sollten unbedingt darauf reagieren und die Umstrukturierung mit standortgerechten Baumarten vorantreiben. „Das Naturverjüngungsförderprogramm ist für Waldbesitzer hochinteressant“, meint Stangl.

Zu den geförderten Bäumen gehören Birken, Aspen oder Vogelbeere. Auch die Tanne kann aufgrund der zahlreich vorhandenen Gefährdungen mit auf Laubholzanteil angerechnet werden. Wer Fragen zur „Belohnung“ für Naturverjüngung hat, wendet sich an den zuständigen Revierleiter. Für den südöstlichen Landkreis ist Forstamtmann Stephan Stangl unter Telefon 09651/917267 zuständig. Die Mindestgröße für einen positiven Bescheid sind 0,25 Hektar.

Naturverjüngung und Jagd passen gut zusammen, wenn beides von Naturverständnis getragen ist.

Forstamtmann Stephan Stangl

Beate Renger (Zweite von links), mit Ehemann Dietmar und Sohn Julian (Zweiter und Dritter von rechts), ist stolze Besitzerin eines Waldareals im Michlbachtal, in dem sich der Bewuchs durch Naturverjüngung erneuert hat. Über den Anblick freuen sich Forstdirektor Gerhard Hösl (links) und der Vohenstraußer Revierleiter, Forstamtmann Stefan Stangl (rechts).

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