01.06.2020 - 18:10 Uhr
Deutschland und die WeltOberpfalz

Chaos und Trump lenken vom eigentlichen Problem ab

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Die friedlichen Proteste gegen Polizeigewalt in den USA haben sich schnell radikalisiert. Das eigentliche Problem, der systemische Rassismus im Land, rückt in den Hintergrund. Das liegt auch an Donald Trump. Ein Kommentar von Julian Trager.

Ein Demonstrant hält in Los Angeles ein Skateboard in die Höhe, während hinter ihm ein Einkaufswagen auf der Straße brennt.
von Julian Trager Kontakt Profil
Kommentar

Amerika steht in Flammen, liegt in Scherben. Nach dem brutalen Tod des schwarzen US-Bürgers George Floyd ist das Land ins Chaos gestürzt, endgültig. Zunächst friedliche Proteste gegen Polizeigewalt haben sich schnell zu heftigen Ausschreitungen entwickelt, bei denen gefühlt jeder gegen jeden kämpft. Demonstranten gegen Polizisten, beide gegen Journalisten. Rechtsradikale und Linksradikale, die nur Chaos stiften wollen. Blinde Wut bei den einen, gezielter Hass bei manch anderen. Immer öfter fällt das Wort "Bürgerkrieg". Die Proteste offenbaren, wie zerrissen das Land ist.

Und mitten drin der große Spalter, US-Präsident Donald Trump. Statt zu versöhnen, zu moderieren, macht er das, was er am besten kann: zündeln. Trump feuert gegen alle, die gegen ihn sind. Die Antifa sei schuld, die Demokraten natürlich auch. Der Mann ist selbst in größten Krisenzeiten im Kampfmodus, genauer gesagt: im Wahlkampfmodus. Wenn er sich überhaupt um andere schert, dann um seine Wähler, also hauptsächlich Weiße. Alle anderen sind ihm egal, genau wie das eigentliche Problem - das auch durch die gewaltsamen Proteste immer mehr in den Hintergrund rückt. Die friedlichen Proteste, der Grund, warum die Leute auf die Straße gehen, verblassen. In Erinnerung bleibt am Ende vor allem das Chaos.

Aber: Rassismus ist in den USA weiter tief verwurzelt, in den Köpfen vieler Menschen, im System. Schwarze machen laut Washington Post nur 13 Prozent der US-Bevölkerung aus, werden aber doppelt so häufig von Polizisten erschossen wie Weiße. Im vergangenen Jahr kamen 1014 Schwarze durch die Polizei ums Leben. Afroamerikaner sind im Schulsystem, auf dem Arbeitsmarkt, beim Autokauf benachteiligt. Ja, dagegen lohnt es sich zu protestieren, friedlich. Gewalt und Chaos schaden nur allen Amerikanern - genau wie jedes weitere Monat mit Donald Trump als US-Präsident.

USA: Proteste gegen Polizeigewalt eskalieren

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