28.01.2020 - 15:53 Uhr

Coronavirus: Oberpfälzer in China gefangen

Experten sind sich einig: Trotz des ersten Corona-Falles in Bayern gibt es für Panik keinen Grund. Ernster ist die Lage, wenn die eigenen Mitarbeiter sich in China aufhalten und nicht nach Hause können.

Niemand mehr ohne Mundschutz. So wie hier am Bahnhof von Hongkong erleben auch die Lippert-Mitarbeiter aus Pressath die Situation in China. Bild: Kin Cheung
Niemand mehr ohne Mundschutz. So wie hier am Bahnhof von Hongkong erleben auch die Lippert-Mitarbeiter aus Pressath die Situation in China.

Der Coronavirus hat Bayern erreicht, "betroffen" ist die Region aber schon länger - zumindest indirekt. Viele Oberpfälzer Firmen sind in China aktiv und beobachten die Lage genau. Der Mitterteicher Glas-Spezialist Schott rät seinen Mitarbeitern etwa, Geschäftsreisen abzusagen.

Direkt betroffen ist der Anlagenbauer Lippert aus Pressath. Sieben Mitarbeiter seien in China, erklärt Geschäftsführer Hubert Schug am Dienstagvormittag. "Wir tun alles, um sie heimzuholen." Das gestaltet sich schwer, weil kaum Plätze in Flugzeugen zu bekommen sind.

Zeitplan Nebensache

Der Auftrag für Lippert laufe das ganze Jahr, die Monteure sollten immer vier Wochen am Stück vor Ort sein. Der Zeitplan spielt nun aber keine Rolle mehr. "Die Gesundheit unserer Leute geht vor." Er selbst wäre Anfang Februar nach China geflogen, erklärt Schug, die Reise ist längst abgesagt.

Was die Mitarbeiter aus China berichten, klingt tatsächlich beunruhigend. Die sieben Mann seien zwar nicht im betroffenen Gebiet, "aber direkt in der Nachbarprovinz", erklärt Schug. "Mit dem Auto sind es drei Stunden nach Wuhan." Entsprechend nervös seien die Menschen. "Jeder trägt Mundschutz, Restaurants sind geschlossen, in den Hotels werden ganze Stockwerke desinfiziert."

Diese Nachrichten stimmen den Unternehmer nachdenklich. Schug betreibt auch mehrere Apotheken. Als ausgebildeter Pharmazeut wundert er sich über die starken Maßnahmen, die die chinesischen Regierung ergreift. "Ich bin mir nicht sicher, ob da alle Informationen zu dem Virus wirklich offen gelegt werden."

Kein Grund zur Panik

In Bayern besteht dagegen immer noch kein Grund zur Panik. "Es gibt gerade einmal einen Fall. Und die betroffene Person ist isoliert", ordnet Christian Züllich ein. Der Sprecher der Apotheker im Landkreis Tirschenreuth sagt aber auch, dass Viruserkrankungen immer gefährlich seien. "Gegen Bakterien gibt es Antibiotika, gegen Viren steht der Medizin ein solches Mittel nicht zur Verfügung". Ganz ähnlich schätzt Dr. Harald Hollnberger die Lage in Bayern ein. Es gebe keinen Grund zur Panik, auch wenn die Möglichkeit besteht, dass weitere Fälle folgen. "Damit rechne ich schon, so wie es momentan aussieht", sagt der ärztliche Direktor des Klinikums St. Marien in Amberg. Die Krankenhäuser in der Region seien aber vorbereitet, Patienten zu behandeln. Im Falle des Falles stünden Isolierzimmer oder Schutzkleidung jederzeit bereit.

Weil die Krankheit noch kaum erforscht ist, falle eine Prognose aus pharmazeutischer Sicht schwer, erklärt der Tirschenreuther Apotheker Züllich. "Derzeit geht man wohl davon aus, dass sich der Erreger über den Kontakt mit Türklinken verbreitet." Wirklich belegt oder untersucht sei das aber noch nicht. Fest stehen dagegen bereits die Risikogruppen. Wie in vergleichbaren Fällen sind das Ältere, Menschen mit Begleiterkrankungen, Schwangere und Menschen mit schwachem Immunsystem.

Info:

Verhaltenstipps: Was tun, um sich zu schützen

Der Würzburger Tropenmediziner Professor August Stich rät in Sachen Coronavirus zu "aufmerksamer Gelassenheit", teilt der Evangelische Pressedienst mit. Noch wisse man für eine abschließende Bewertung des Virus zu wenig. Die Hauptgefahr liege für ihn "in irrationalen und panischen Reaktionen". Er empfiehlt eine Grippe-Schutzimpfung, weil sie "die Zahl der Verdachtsfälle deutlich reduziert". Zudem müsse jeder seine "Basishygiene erhöhen" und Kontakte reduzieren. Akut gefährdet seien ohnehin nur Personen, die sich in den vergangenen beiden Wochen im "Ausbruchgebiet" des Virus befunden hätten. Vorsicht sei beim Kontakt mit Menschen geboten, die sich im Risikogebiet in China aufgehalten haben, sagt Doktor Harald Hollnberger, Ärztlicher Direktor des Klinikums Amberg. Laut Gesundheitsamt Weiden vergehen Ansteckung und Ausbrechen der Krankheit 2 bis 14 Tage. Reisende können sich beim Auswärtigen Amt informieren. Generell gilt: Wer sich vor Virenerkrankungen schützen möchte, sollte Menschenansammlungen meiden, erklärt Hollnberger. Wer klassische grippeähnliche Symptome wie Fieber oder Muskelschmerzen an sich wahrnimmt, sollte zum Arzt gehen. Beim Coronavirus rät er zu Aufmerksamkeit. Grund zur Panik bestehe keine.

Hubert Schug ist derzeit bemüht, Mitarbeiter seiner Firma Lippert aus China zurück in die Oberpfalz zu holen. Bild: rn
Hubert Schug ist derzeit bemüht, Mitarbeiter seiner Firma Lippert aus China zurück in die Oberpfalz zu holen.
 
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