Staunen über "Bodenwunder"

Gesunder Boden: Mit diesem Kapital kommt Josef Hägler aus Deindorf auch gut durch dürre Zeiten. Sein System setzt an den Wurzeln an. Dafür interessieren sich inzwischen Landwirte aus ganz Europa.

Krümeliger Boden, kräftige Wurzeln: Agrarwissenschaftlerin Sonja Dreymann ist überzeugt von der Bodenpflege, die Landwirt Josef Hägler auf seinen Feldern perfektioniert hat.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Erwischt hat es uns auch", sagt Josef Hägler, wenn die Rede ist von den zurückliegenden, extrem niederschlagsarmen Monaten. Aber dank einer dicken Humus-Schicht ist sein Hof glimpflicher davongekommen, denn so konnte der Boden mehr Wasser speichern. Dass die Erde auf seinem Feld in Deindorf (Gemeinde Wernberg-Köblitz) so wunderbar krümelig und durchgängig bis in die Tiefe schokoladenbraun ist, kommt nicht von ungefähr. Hägler hat ein Pflegesystem für den Boden entwickelt, das qualitativ hochwerte Nahrungsmittel und reiche Ernte verspricht. Ein System, dessen Erfolg sich herumgesprochen hat: Landwirte aus Österreich, Italien, der Schweiz und Tschechien haben sich diese Oberpfälzer Erde jetzt ganz genau angeschaut. Auch aus Schweden, Norwegen und Finnland sind schon Interessenten angereist, um das "Bodenwunder" zu bestaunen.

In Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und mit viel Gespür hat Hägler über Jahre an der perfekten Humusschicht gebaut und dabei den Pflug von seinen Feldern verbannt. "Was nutzen Nährstoffe im Boden, wenn sie nicht von der Pflanze aufgenommen werden", so seine Devise. Seinen Mist setzt er deshalb ähnlich an wie Kompost, bevor er ihn auf den Acker aufbringt. Frisches Grün wird nicht untergearbeitet, weil sonst Fäulnis entsteht. Eine spezielle Bodenbearbeitung mit Fräse, Grubber und der abdichtenden Walze sorgt für Luft unter der Oberfläche und hält das Unkraut in Schach. "Kohlendioxid brauchen wir nicht in der Atmosphäre, sondern im Boden", erklärt der Landwirt und baut dabei auch noch auf eine exakte Nährstoff-Analyse. Seine Erfahrungen teilt er auch mit den Mitgliederns des Vereins Interessengemeinschaft gesunder Boden", der für Dienstag, 27. November, einen "Bodentag" in Neunburg vorm Wald organisiert.

"Ich will nicht vom Zuschuss leben, sondern vom Ertrag", macht Hägler deutlich und verweist auf eine Ernte im Bereich von 70 Doppelzentner Weizen pro Hektar. "Wir sprechen immer von Düngerbearbeitung, aber es geht eigentlich um Nähstoff-Aufschluss", ergänzt Agrarwissenschaftlerin Dr. Sonja Dreymann und deutet auf die kräftigen Wurzeln einer vielversprechenden Getreidepflanze. die in diesem Stadium wichtiger sind als Blattmasse. In der "Krümel-Struktur" gedeiht sie prächtig. "Wir haben den Boden als Schwamm aufgebaut", erklärt die Expertin, die zu den Referenten beim "Bodentag" gehört. "Deshalb wird es hier auch bei vielen Niederschlägen keine Pfützen geben." Aber könnte sich das System auch für Sizilien eignen? "Sogar noch besser", antwortet die Wissenschaftlerin den Interessenten aus Italien und verweist auf den Einsatz der Walze, die dem luftigen Boden eine Art Deckel aufsetzt und das rare Wasser in seiner Gasphase zum Kondensieren bringt.

Landwirt Josef Hägler präsentiert den Interessenten aus Italien, Österreich, der Schweiz und Tschechien stolz eine Schaufel seiner extrem krümeligen Erde, die auch ohne Gülle und Kunstdünger eine reiche Ernte verspricht.
Info:

In der Schwarzachtalhalle in Neunburg (Landkreis Schwandorf) beginnt am Dienstag, 27. November, um 8.30 Uhr ein "Bodentag". Veranstalter ist der Verein "Interessensgemeinschaft gesunder Boden". Der Verein versteht sich als Netzwerk für Landwirte und bietet an diesem Tag zahlreiche Vorträge und Praxisberichte. Zu Wort kommen dabei auch Experten, vom Agrarwissenschaftler über den Chemiker bis hin zum Veterinärmediziner.

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