28.11.2019 - 11:10 Uhr
Diepoltsreuth bei FloßOberpfalz

Esoterische Wurzelbehandlung

Die Kabarettistin Franziska Wanninger nimmt mit ihrem Programm „furchtlos glücklich“ dem Publikum im Theaterstodl nicht nur die Angst vor dem Glück, sondern treibt ihnen auch Lachtränen in die Augen.

Mit dem Wutball mitten ins Herz wurde die Kabarettistin Franziska Wanninger in ihrem Programm "furchtlos glücklich" getroffen. Mit ihrem Typen-Kabarett begeistert sie das Publikum im Theaterstodl des Gasthauses Plödt.
von Hans PremProfil

Einfach glücklich werden, ohne Ängste und Zwänge, will die Kabarettistin Franziska Wanninger. Das nötige Rüstzeug dafür holt sie sich in einem esoterisch angehauchten Wochenendseminar. Mit ihrem aktuellen Programm „furchtlos glücklich“ begeistert sie ihr Publikum mit hervorragendem Typen-Kabarett.

Wanninger ist eine Verwandlungskünstlerin par excellence. Mühelos schlüpft sie in verschiedene Rollen und Charaktere und erweckt diese mit großem schauspielerischem Talent, genauer Beobachtungsgabe und Humor zum Leben. In ihrem dritten Solo-Programm gibt die auf einem Einödhof im Landkreis Altötting aufgewachsene Niederbayerin ganz neue Seiten von sich preis. Mitreißend erzählt und singt sie von den Untiefen des Lebens und schafft richtige Typen, die eigentlich fast jedem schon so oder ähnlich im wahren Leben begegnet sind.

Zahnarzt Andi, der einzige Mann, der sie zum Schweigen bringt, hat sich mit seinem Bohrer nicht nur tief in die Zahnwurzeln ihres schmalen Kiefers vorgearbeitet, sondern auch ihr Herz getroffen. Um nichts falsch zu machen bei der Liebe ihres Lebens, besucht sie erst einmal ein Wochenendseminar, bei dem sie furchtlos glücklich werden kann. Leider nimmt daran auch ihr Angebeteter teil. Sie trifft auf allerhand merkwürdige Gestalten. Mit dem Schlag auf dem Gong verwandelt sie sich in die Angst-Expertin Melissa Schneeberger. Die sorgt mit ihren fragwürdigen und lebensfernen Therapiemethoden mit Wutball und 1000-Teile-Puzzle der Schwiegermutter für reichlich Verwunderung.

Charaktere wie der grantelnde Münchener Herbert, der sich über Essgewohnheiten in der „S“-Bahn aufregt, Wiesnbedienung Brigitte, die jedem Gast ein Hendl aufschwatzt, der Österreicher Robert, den die Krankenkasse geschickt hat und vor allem der Trinker Hans („Hätt Adam diesen Schnaps besessen, hätt er den Apfel nicht gefressen“) treiben dem Publikum Lachtränen in die Augen.

Zwischen den Seminarszenen gewährt Wanninger Einblicke in ihr Familienleben. Da taucht die ebenso penible wie nervige schwäbische Cousine und „Sagro-Tante“ „Chrischta“ ohne Anmeldung bei ihr auf oder gibt ihr ihre resolute Putzfrau mit Migrationshintergrund, Lady Gaga, eben solche resoluten Tipps für den Alltag und den Umgang mit ihrem Angebeteten.

Alles droht zu scheitern, als Franziska einen Brief ihres Zahnarztes an seine Angebetete auf Fehler korrigieren soll. Wutentbrannt lässt sie ihn bei der gemeinsamen Mut- und Vertrauensübung auflaufen. Die Folge: zwei ausgeschlagene Schneidezähne. Sie entdeckt allerdings bei einem weiteren Blick in den Brief, dass dieser nur für sie bestimmt war und auf ihre Sprachnachricht, zu der ihr Lady Gaga geraten hat, ruft er dann auch zurück. Ende gut, alles gut.

Franziska Wanninger hat es verstanden, dem begeisterten Publikum nicht nur die Ängste vor dem Glück zu nehmen, sondern auch aufgezeigt, dass sich Mut lohnt. Mit ihren Figuren, ihren Liedern und ihrer herzerfrischenden, humorvollen Art kommt sie bei den Zuhörern bestens an und erhält großen Beifall. Ach ja, einen kleinen Seitenhieb in einem Lied in Sachen Lokalkolorit kann sie sich nicht verkneifen: „Wer furchtlos glücklich ist, hat NEW als Kennzeichen am Wagen, wer furchtbar glücklich ist, kann auch die mit TIR ertragen“.

Die Kabarettistin Franziska Wanninger in ihrem Programm "furchtlos glücklich".

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