09.09.2019 - 15:39 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Bayerische Staatsforsten wollen Freizeitsee Dießfurt der Natur überlassen

Der Landkreis hat bereits die Entwicklung eines Tourismus-Konzepts angekündigt, doch das steht jetzt auf der Kippe. Denn die Eigentümer, die Bayerischen Staatsforsten, haben andere Pläne.

Der "Freizeitsee Dießfurt" ist landschaftlich reizvoll und als touristisches Leuchtturmprojekt geeignet. Der Landkreis unterstützt die Erstellung eines Nutzungskonzeptes.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Es klang als hätten die Beteiligten einen Plan. Nach ersten Gesprächen im Juni zwischen den Bayerischen Staatsforsten und dem Landratsamt Neustadt/WN war ein Tourismus-Konzept, das eine "sanfte, naturfreundliche Entwicklung" mit den Badegästen vereint, die bevorzugte Lösung für den Freizeitsee Dießfurt. Doch das scheint sich inzwischen geändert zu haben.

Denn die Staatsforsten haben inzwischen dem Bergamt Nordbayern den sogenannten Abschlussbetriebsplan vorgelegt, in dem auch eine Folgenutzung des Gebiets nach dem Ende des Quarzsand-Abbaus vorgeschlagen wird. "Eine Freizeitnutzung, das heißt ein Badebetrieb, ist nicht Gegenstand des Abschlussbetriebsplanes", teilt Martin Steiner von der Regierung von Oberfranken, die das Bergamt Nordbayern vertritt, mit. Zudem soll die Zufahrt auf das Gelände weitestgehend unterbunden werden. "Das gesamte Gelände soll dem Naturschutz dienen und eine entsprechende ökologische und naturschutzfachliche Gestaltung erfahren."

Das würde das Aus für das angedachte Tourismus-Konzept bedeuten. Der Landkreis will genau das aber weiterhin verfolgen, wie aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes hervorgeht. In der Kreisausschusssitzung am 18. September soll der Freizeitsee Thema sein. Dem Abschlussbetriebsplan der Bayerischen Staatsforsten soll dann wohl widersprochen werden. Das muss auch bis Ende September geschehen, sonst geht das Bergamt davon aus, dass es keine Einwände gibt. Auch die Gremien in Grafenwöhr, Pressath und Schwarzenbach werden sich wohl erneut mit dem Freizeitsee beschäftigen.

Die Onetz-Community hat auf Facebook abgestimmt. 63 Prozent sind dafür den Freizeitsee Dießfurt der Natur zu überlassen.

Klaus Bichlmaier, stellvertretender Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Schnaittenbach, bestätigt zwar, dass es bereits Gespräche mit dem Landkreis gegeben habe, das Gebiet aber nun dennoch zu einer Vorrangfläche für Naturschutz werden soll. "Es ist auch kein Freizeitsee, sondern ein Baggersee", stellt er klar. Es sei auch nicht Aufgabe der Staatsforsten dort Tourismus zu fördern. "Da hängt sehr viel dran. Der Unterhalt ist teuer. Einer der drei Seen ist bereits zugewachsen. Das wird auch mit den anderen beiden geschehen. Baden ist dann auch nicht mehr möglich", erklärt er.

Ganz vom Tisch scheint ein Tourismus-Konzept aber dennoch nicht zu sein. "Wahrscheinlich wird es noch im September einen weiteren Runden Tisch geben", bestätigt Bichlmaier. Auch die Regierung von Oberfranken teilt mit, dass die Stellungnahmen der Beteiligten abgewartet und berücksichtigt werden.

Info:

Plan der Bayerischen Staatsforsten

Die Zufahrt auf das Gelände soll unterbunden werden und eine Freizeitnutzung, zum Beispiel Badebetrieb, ist nicht vorgesehen.

Ziel ist für das Nord- und Westufer ist eine offene Wasserfläche. Diese soll durchzogen sein von Sandbänken und Inseln, Flachwasserzonen,Tümpeln sowie Bewuchs, der mittel- bis langfristig in Gehölzaufwuchs übergeht.

Die Mischung aus steileren Ufern auf der Ostseite und dem trockenen Sandboden im Westen bieten viele abwechslungsreiche Lebensräume für Flora und Fauna.

Ziel der Planung ist die Entwicklung unterschiedlicher Lebensräume, die größtenteils als dynamischer Prozess selbstständig ablaufen sollen. Gelegentliche Eingriffe und Pflegemaßnahmen könnten zu einem späteren Zeitpunkt erforderlich sein.

Kommentar:

Konzept überdenken

Die Frage ist schon, ob es noch einen Badesee in der Gegend braucht. Zumal es bisher auch noch kein wirkliches Konzept zu geben scheint. Wer soll das Tourismus-Konzept umsetzen? Die Bayerischen Staatsforsten sind Eigentümer und nicht dazu bereit einen Freizeitsee zu betreiben. Zurecht, denn das ist überhaupt nicht ihre Aufgabe. Mit dem Kiesi Beach, dem Waldbad Grafenwöhr und dem Rußweiher gibt es genug Alternativen. Die Vergangenheit zeigt auch, dass der Freizeitsee Dießfurt ein schwieriger Fall ist. Die Stadt Pressath hatte viel Ärger mit den Badegästen und deren Müll. Vielleicht wäre es an der Zeit, die Seen der Natur zu überlassen und über ein „Natur-Konzept“ nachzudenken. Letztendlich ist die Natur auch zuverlässiger als der Mensch.

Matthias Schecklmann

Kommentare

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Peter Steinbock

Zur Zeit erscheint der Rußweiher wegen Totalsperrungen, bisher zwei nicht erfolgreichen Schlammbeseitigungsmaßnahmen durch angebliche Fachfirmen und vorher bereits häufige fast willkürliche Schließzeiten – entgegen offizieller Öffnungszeiten - nicht als Alternative. Da es auch Bürger gibt, die nicht ans Meer in Urlaub fahren können, muß es Badegelegenheiten im Kreis geben. Aus meiner Sicht müßte es in der Rechtsprechung eine Abkehr von den zur Zeit stark überzogenen Haftungen der Betreiber geben. Dieses Jahr war es so, daß vor lauter Angst vor eventueller Haftung der Stadt die komplette EU-geförderte Freizeitanlage in Totalsperrung überführt wurde. Ich finde es falsch, der Bevölkerung vorzugaukeln, daß anwesende Bademeister die Sicherheit vor Unfällen und Ertrinken wären. Die Sicherheit muß zu allererst jeder für sich durch entsprechendes vorsichtiges und vernünftiges Verhalten selbst schaffen. Die Eltern sind für die Kinder zuständig.

10.09.2019