06.08.2018 - 15:43 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Müllfreies Paradies [Video]

Der Freizeitsee Dießfurt beim Josephstal - seit Jahren entspannen, baden und feiern Menschen aus nah und fern dort. Doch nicht alle verhalten sich dabei vorbildlich.

von Stefan NeidlProfil

(sne) Zahlreiche Überbleibsel gewissenloser Gäste haben sich dort angesammelt. Zigarettenkippen, Bierdosen, Glasscherben und Chipstüten stechen ins Auge und stören den sorglosen Aufenthalt an dem Sandstrand.

Einer wollte dies nicht mehr hinnehmen und ein Zeichen setzen: Enzo Löchel aus Weiden beschloss, eine Aufräumaktion ins Leben zu rufen und rief die Bevölkerung auf, gemeinsam das Ufer des Dießfurter Weihers abzugehen und den zurückgelassenen Müll einzusammeln. Über Facebook gab es im Vorfeld viel positives Feedback und so war der 25-jährige zuversichtlich, eine große Gruppe zu erreichen.

Rama dama am Badesee

Am Tag der Aktion am vergangenem Samstag fanden sich dann trotz Regens 45 Interessierte ein. Mit Handschuhen, Müllsäcken und Stöcken teilten sie sich in zwei Gruppen auf und durchstöberten Gebüsch, Hügel und Sanddünen. Hygieneartikel, Babywindeln, Bierflaschen, sogar ein Autoauspuff und eine Rauchgranate - in zwei Stunden kamen über 80 Säcke voll mit Abfall zusammen. Die Entsorgung übernimmt die Firma KS Dienstleistungen aus Weiden. Zeitgleich tauchte die Wasserwacht Eschenbach den Grund des Sees nach Müll ab. Am Vorabend hatte wohl eine größere Feier stattgefunden, denn selbst die Glut des Lagerfeuers rauchte noch. Dutzende Getränkedosen wurden liegen gelassen.

Die Teilnehmer waren alle begeistert von der Aktion. Sebastian Arnold (34) aus Gmünd ist Mitglied des dortigen Fischereivereins. Der Dießfurter Weiher gehört zwar nicht zu seinem Angelgebiet, aber aus Solidarität wollte er die Aktion unterstützen. Wegen des gleichzeitig stattfindenden Volksfestes konnte er leider kein weiteres Mitglied erreichen. Romina Neitz (29) aus Grafenwöhr hat über eine Freundin von der Aktion gehört. Sie selbst ist oft zum Stand-Up-Paddling am Weiher und findet es "mega beschissen", dass die Menschen ihren Müll zurücklassen. Jeder sollte den Ort so verlassen, wie er ihn vorgefunden hat - dies gebiete schon der gesunde Menschenverstand. Wolfgang Wagner (55) ist aus Kastl angereist. Er hat in der Zeitung von dem Termin gelesen und ist oft privat am Weiher. Seine Sachen wieder mitzunehmen, ist für ihn selbstverständlich, er hat das so gelernt.

Marga Schusser (54) und Karoline Prunhuber (55) sind Nachbarinnen in Grafenwöhr. Sie verbringen oft Zeit im Josephstal, und für sie ist es schrecklich, wie es an dem schönen, erholsamen Ort aussieht. Mit einem leichten Grinsen hoffen sie, dass es bei den Verschmutzern genauso zu Hause aussieht. Michaela Szighardt (26) ist aus Weiden und Enzo Löchels Freundin. Sie findet es schade, wie viele Kleinigkeiten zurückgelassen werden. Die Menschen sollten die schöne Natur mehr schätzen und mit ihrer Teilnahme an der Aktion will sie dies tun. Sie hofft, dass nach der Aufräumaktion der saubere Zustand lange so bleiben wird.

Der Forstbetriebsleiter bei den Bayerischen Staatsforsten, Rudolf Zwicknagl, hatte ein Auge auf die Aktion. Die Situation dort habe sich zwar ein wenig gebessert. Je nach Bedarf räumt sein Trupp aber hin und wieder noch auf. Er findet den Event super und hofft auf eine gesteigerte Sensibilisierung in der Bevölkerung.

Löchel selbst ist mit der Aktion sehr zufrieden. Trotz Regenwolken und Deutsch-Amerikanischem Volksfest haben sich viele Leute eingefunden und sich solidarisch gezeigt. Manche Badegäste ließen sich Müllsäcke geben und machten sogar spontan mit. Er betont aber, dass dies eine einmalige Aktion gewesen sei - die Menschen sollen auf ihr Paradies mehr achten und sich nicht darauf verlassen, dass regelmäßig jemand hinter ihnen her räumen wird.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp