07.06.2020 - 12:44 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Tempo 30 muss umgesetzt werden

Schon mehrmals wurde versucht, in der Ortsdurchfahrt von Dießfurt eine Tempo 30 Zone durchzusetzen. Nun soll etwas Besonderes versucht werden.

Andreas Eckert sowie stellvertretender Landrat Albert Nickl, die Kreistagsvertreter Susanne Reithmayer und Max Schwärzer, Bürgermeister Bernhard Stangl, Kreisbrandmeister Jürgen Haider, Richard Suttner als ansässiger Kiesunternehmer, Bernd Sluka vom Verkehrsclub Deutschland sowie Landtagsabgeordneter Tobias Reiß treffen sich in Dießfurt, um die Situation in der Ortsdurchfahrt zu begutachten.
von Jürgen MaschingProfil

„In der Ortschaft Dießfurt gibt es immer wieder Probleme und gefährliche Verkehrssituationen durch Schwerlast- und Landwirtschaftsverkehr, aber auch durch normalen Pkw-Verkehr“, so beginnt ein Antrag an die Verkehrsbehörde des Landratsamts Neustadt/WN. Diesen Brief hatte Andreas Eckert am 29. Mai nach Neustadt/WN. verschickt. Um seinem Antrag mehr Ausdruck zu verleihen, bat er zu einem Ortstermin in die Dießfurter Dorfstraße. Nun traf sich Andreas Eckert am Freitag am Kriegerdenkmal mit stellvertretendem Landrat Albert Nickl, den Kreistagsvertretern Susanne Reithmayer und Max Schwärzer, Bürgermeister Bernhard Stangl, Kreisbrandmeister Jürgen Haider, Richard Suttner als ansässiger Kiesunternehmer, Bernd Sluka vom Verkehrsclub Deutschland sowie Landtagsabgeordneter Tobias Reiß zur Ortsbegehung. Schnell wurde auch klar, worauf Eckert hinaus wollte. Binnen einer halben Stunde fuhren mehrere Lastwagen durch den kleinen Ort und mussten teilweise an der Engstelle in der Dorfstraße anhalten, um sich mit dem Gegenverkehr zu arrangieren.

„Die Ortschaften Dießfurt und Troschelhammer sind durch ihre geologische Lage ein Kiesabbaugebiet. Dadurch herrscht hier ein überdurchschnittlich hoher Schwerlastverkehr. Dieser ist auch deshalb besonders in diesen Ortschaften unmittelbar zu spüren, da sich hier zwei Kieswerke niedergelassen haben. Die kürzlich erteilte Genehmigung eines erneuten Kiesabbaus vor der Ortschaft Dießfurt untermauert dieses Argument und lässt ein baldiges Ende auch nicht absehen“, erklärte Eckert. „Wir haben es die letzten Jahre immer wieder versucht, hier eine Absenkung der Geschwindigkeit auf Tempo 30 zu veranlassen, sind aber immer wieder gescheitert.“ Es sei rechtlich nicht möglich, eine Kreisstraße (NEW 22) auf Tempo 30 zu setzten, hatte Eckert als Antwort bekommen. Aber vor allem würde dadurch die Verkehrssicherheit erhöht, der Lärm deutlich reduziert und das sicherere Vorankommen schwächerer Verkehrsteilnehmer, insbesondere Fußgänger und Fahrradfahrer, gewährleistet werden, so sein Argument. Denn es gibt in der Dorfstraße keine Gehwege und einige Punkte wie Kirche, Sportplatz und Bushaltestelle liegen am Ortsrand von Dießfurt.

Nun bezieht sich Eckert aber auf eine Besonderheit in der Straßenverkehrsordnung, die Bernd Sluka vom Verkehrsclub Deutschland bekräftigte. „Die Straßenverkehrsordnung sieht nach Paragraf 45 Abs. 9 vor, dass auch innerhalb geschlossener Ortschaften auf Kreis- und Vorfahrtsstraßen eine streckenbezogene Geschwindigkeitsreduzierung möglich ist, wenn durch besondere örtliche Verhältnisse eine erhebliche Gefahrenlage besteht“, so Sluka. Auch auf die neue Gesetzgebung bezieht sich Eckert, nach der Autos mindestens 1,50 Meter Abstand halten müssen, wenn sie Radfahrer, Fußgänger oder E-Roller-Fahrer überholen. „Dies ist hier in der Dorfstraße rein rechtlich gar nicht möglich“, erklärte Eckert.

Sehr eng kann es in der Dorfstraße in Dießfurt werden.

Sluka betonte zudem, dass dies vom Charakter her keine Kreisstraße sei. Ihm fehlen die Gehwege. „Und wo keine Gehwege vorhanden sind, gehört bei Mischverkehr zwingend Tempo 30 hin. Aufgrund dessen liegen besondere Umstände vor und man kann gemäß Paragraf 45 Abs. 9 anwenden.“ Was seiner Meinung auch noch ein wichtiger Punkt sei, ist der große Anteil an Schwerverkehr. „Nach einer Verkehrszählung kommt man auf einen Schwerverkehrsanteil von 14 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 5 Prozent“, informierte Sluka. Was Eckert besonders ärgert, ist ein Gegenargument, dass es hier im Ortsbereich noch keine schwereren Unfälle gab. „Muss hier erst etwas passieren, damit man reagiert?“

Stellvertretender Landrat Albert Nickl merkte an, dass es im Landkreis einige Kreisstraßen gebe, die durch Ortschaften ohne Gehsteige führten. „Es ist hier kein Einzelfall.“ Aber er betonte auch, dass der Lastwagenverkehr dort starke Belastungen mit sich bringt. „Bisher sind die Anträge immer abgelehnt worden, dass muss aber nicht auf alle Zeit so bleiben“, meinte Nickl. Es wird von Seiten des Landkreises nun ein Gerät zur Verkehrszählung aufgestellt, ergänzte er. Bei der nachfolgenden Begutachtung der Straßenverhältnisse wurde den Teilnehmer auch schnell ersichtlich, welche Schwierigkeiten es in Dießfurt gibt. „Das hauptsächliche Problem ist der fehlende Gehweg an den gefährlichen Engstellen.“

In Dießfurt ist der Schwerlastverkehr sehr hoch. Dann wird die enge Ortsdurchfahrt erst recht zum Problem.

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