06.07.2018 - 08:27 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Nach uns die Müllflut

Enzo Löchel liegt der Dießfurter Freizeitsee sehr am Herzen. So sehr, dass er eine ungewöhnliche und großherzige Aktion startet.

Dosen, Plastikreste, Glasscherben. Warum die Menschen ihren Müll einfach auf dem Gelände beim Dießfurter Freizeitsee liegenlassen, versteht Enzo Löchel nicht und will etwas ändern.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Verärgert kickt der junge Mann gegen die leere Bierdose. Der Sand knirscht unter seinen Schritten. Bei dem Spaziergang durch die Dünen des Dießfurter Freizeitsees fragt er sich immer wieder: „Warum?“ Der 25-Jährige kann nicht verstehen, warum die Menschen „sein Paradies“ so vermüllen. Für ihn hat das Kiesabbau-Gebiet den Charme von Wildnis und Freiheit. Und das alles will er bewahren.

So oft wie möglich kommt Enzo Löchel an den Freizeitsee. Am liebsten lässt er sich mit seinen Kumpels auf einer kleinen Landzunge am Waldrand die Sonne auf den Bauch scheinen, grillt und genießt die Natur. Doch Glasscherben im Sand, haufenweise altes Plastik zwischen Blumen, angekokelte Wurzelstöcke, die als Unterschlupf für seltene Tiere gedacht waren, und ein verrosteter Auspuff – achtlos weggeworfen – machen dem Weidener seinen Lieblingsplatz madig. „Wie kann ich so ein Paradies denn nur so behandeln?“, fragt der Jura-Student.

Nicht nur in seinem späteren Beruf will er sich für Gerechtigkeit und richtiges Verhalten einsetzen, auch jetzt schon wolle er zeigen, dass die Menschen nicht alles kaputt machen dürfen. „Das ist ein tolles Stück Erde. Mir liegt viel daran, es sauber zu halten. Was ist das für eine Mentalität, seinen Müll einfach liegen zu lassen?“ Um ein Zeichen zu setzen und der Natur etwas zurückzugeben, will Löchel nun auf eigene Faust aufräumen. „Mir ist wichtig, dass ich nicht als Öko mit Rastazöpfen rüberkomme. Die Besitzer sollen einfach sehen, dass sich andere Leute auch darum kümmern.“

Im August will der 25-Jährige zusammen mit Freunden und der Weidener Firma KS Dienstleistungen eine Aufräumaktion starten. Bei dem Unternehmen hatte Löchel nach einem Praktikum mal angefragt, ob er sich Geräte ausleihen dürfte. „Es war eine spontane Idee.“ Betriebsleiter Ernst Bock sei neugierig geworden und habe ihn gefragt, wofür er Rechen und Co. denn brauche. Löchel erzählte ihm von dem Müllproblem am Dießfurter Freizeitsee (wir berichteten), und der Betriebsleiter bot an, zu helfen. „Die Firma kümmert sich dann um die Müllentsorgung“, erzählt Löchel begeistert und voller Tatendrang. Sobald der Student mit seinen Prüfungen in Regensburg fertig ist, will er loslegen. Ein paar Stunden lang pickt die Gruppe dann – ausgerüstet mit Säcken, Rechen und Hänger – Plastik, Glasflaschen und Kronkorken aus dem Kies oder zieht den Müll aus den Sträuchern. „Da sind die Leute nämlich kreativ“, weiß er.

Durch die Aktion will Löchel vor allem zeigen, dass die Menschen gut mit der Natur umgehen und dankbar für die schönen Orte sein sollten. Denn diese bieten so viel – so wie eben das Gelände am Freizeitsee. „Wenn du die Augen zumachst, meinst du, du bist am Meer. Urlaubsfeeling pur.“ Toll sei auch, dass sich dort verschiedene Generationen und Nationalitäten begegnen. Deutsche lägen neben Amerikanern und Amerikaner neben Russen. Und das alles, ohne Eintritt zahlen zu müssen. Das wolle er bewahren. Die Aktion soll zunächst aber eine einmalige Sache bleiben. Denn Löchel will, dass die Badegäste verstehen, dass sie ihren Müll selbst wieder mitnehmen müssen. Würde der 25-Jährige nun öfter mit dem Müllsack durch das Gelände streifen, so vermutet er, könnten die Menschen denken: „Es räumt ja eh jemand hinter mir her.“ Ganz nach dem Motto „Nach uns die Sintflut“. Oder eben die Müllflut. Das will der 25-Jährige vermeiden.

Woher sein Sinn für den Naturschutz kommt? „Es ist bestimmt die Erziehung“, sagt Löchel. Ihm sei als Bub immer wieder gesagt worden: „Schau, dass du dich nicht aufführst.“ Dieses Bewusstsein und die Verantwortung für unsere Erde wolle er nun weitergeben. Und dafür macht er sich manchmal auch unbeliebt – bei Freunden, wenn er sie bittet, ihren Müll aufzuheben, aber auch bei Fremden. Doch das ist es ihm wert.

Hintergrund:

Reaktion der Bayerischen Staatsforsten

Rudolf Zwicknagl ist begeistert. Die geplante Aufräumaktion von Enzo Löchel am Dießfurter Freizeitsee freut den Betriebsleiter des zuständigen Forstbetriebs Schnaittenbach der Bayerischen Staatsforsten riesig. Deshalb bietet Zwicknagl spontan Unterstützung an, will auch einen Hänger und Geräte zur Verfügung stellen, um so viel Müll wie möglich zu beseitigen. „Man muss noch ausmachen, wie man das Gebiet aufteilt“, plant er schon weiter. Damit es eine erfolgreiche Aktion werde. Um einen detaillieren Plan auszutüfteln, wollen sich die beiden vorab zu einem Gespräch verabreden. (spi)

Hintergrund:

Aufräumaktion

Enzo Löchel hat genug, er will etwas an dem Müllproblem am Dießfurter Freizeitsee ändern. Voraussichtlich am 4. August startet er deshalb eine Aufräumaktion, an der jeder, der Lust hat, teilnehmen kann. Weitere Details dazu werden rechtzeitig bekanntgegeben. (spi)

Ein verrosteter Auspuff liegt mitten in der Natur.

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Kommentare

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Peter Steinbock

Den Charm von Wildnis und Freiheit des Dießfurter Freizeitsees kann ich kaum beschreiben, so anziehend schön ist dieser Fleck Erde. Ich danke allen Verantwortlichen, die den See für Badehungrige freihalten. An der Sauberkeitsaktion werde ich mich sehr gern beteiligen. Nach meinen Beobachtungen in diesem Jahr ist die Vermüllung aber von einer ganz bestimmten Art von Flaschen und Dosen samt zugehörigen leeren Großverpackungen geprägt, die ich aus meinem Supermarkt allerdings nicht kenne. Der größte Teil der Rückstände stammt offenbar nicht von Familien und Badegästen, sondern von Trinkgelagen, Grillfesten und sonstigen Ausgelassenheiten bis hin zum Zerschmettern von Glasflaschen. Diese Personengruppe sollte mindestens auch eine Einladung zur Reinigungsaktion erhalten.

07.07.2018
roland duerr

tolle action muss man unterstuetzen - leider haben die nicht viele eine solche einstellung - besonders die jenigen die am 4 und 5 July am see feierten - Independence day - und am besten mit dem auto bis in den weiher fahren mussten.

06.07.2018