02.08.2019 - 08:27 Uhr
Dießfurt bei PressathOberpfalz

Weniger Tempo, weniger Teer

„Ihre Ideen und Wünsche sind gefragt – Feuer frei“, ermunterte Klaus Stiefler in der Dießfurter Bürgerversammlung die zahlreichen Besucher zu Vorschlägen für ein Ortsentwicklungs-Gesamtkonzept.

Ein Fossil aus der Asphalt- und Pflasterzeit ist der Dießfurter Kirchplatz. Eine einladendere und würdigere Gestaltung im Zuge der geplanten Ortskernerneuerung wünschen sich viele Dießfurter. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

In kleinen Gesprächsgruppen ließen die Einwohner ihrer Kreativität freien Lauf und überreichten dem Ortsplanungsfachmann einen Strauß voller Anregungen. Handlungsbedarf sahen die Teilnehmer vor allem bei der unbefriedigenden, nicht kinderwagen- und gehbehindertengerechten Fußwegsituation entlang der auch von Lastwagen vielbefahrenen Dorfstraße sowie bei der Gestaltung des Kirchplatzes, der unbedingt ins Sanierungsgebiet einbezogen werden solle. Dieses Relikt einer „Zeit, in der ziemlich gern geteert und gepflastert wurde“, könne begrünt und durch einen Brunnen aufgehübscht werden. Die Schlossstraße sei dringend reparaturbedürftig, die teilweise „mittelalterliche“ Straßenbeleuchtung solle durch energieeffizientere LED-Laternen ersetzt, die Bushaltestelle verschönt und möglichst an eine übersichtlichere Stelle verlegt werden.

Entschärft werden solle für Radfahrer die gefährliche B470-Querung in Richtung Freizeitsee: „Wir monieren das seit Jahren“, beklagten mehrere Bürger und verwiesen auf das Vorbild der Radwegunterquerungen bei Pechhof und Eschenbach: „Bei uns hat man noch nicht einmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Bundesstraße verfügt.“ Hierzu bemerkte Klaus Stiefler, dass im Zuge der zu erwartenden Ausarbeitung eines Freizeitseekonzepts „auf jeden Fall auch die sichere Verkehrserschließung“ thematisiert werden müsse.

Als wünschenswert nannten die Dießfurter ferner Tempo 30 für die Dorfstraße, einen eventuell mit E-Bike-Ladesäule versehenen Rast- und Informationspunkt für Radwanderer („Radl-Point“), einen Jugendtreff und einen öffentlichen Wlan-Hotspot. Mehr Bauland, Ruhebänke und Parkplätze, die Instandsetzung des Haidenaabradwegs zwischen Dießfurt und Troschelhammer, ein Gemeinschaftsbackofen, das Auslichten des „Schilderwalds“ und die Entschärfung der Schlossstraßenbrücke, die einer „Sprungschanze“ gleiche, standen ebenfalls auf der Wunschliste.

Vorgeschlagen wurden überdies der Ausbau des Spielplatzes zu einem Mehrgenerationenspielplatz, dessen Verlegung an einen zentraleren Ort, eine informativere Radwegbeschilderung sowie die Ersetzung des als hässlich empfundenen Eisengitters am Flutgrabenufer beim Schloss. Zum Thema Bauplätze gab Klaus Stiefler zu bedenken, dass die landesplanerischen Vorgaben der „Innenentwicklung“ im Sinne einer baulichen Nutzung innerörtlicher Leerstände und Brachen Priorität vor der „Außenentwicklung“, also der Ausweisung neuer Baugebiete, einräumten. Mithin zähle die Leerstandsbeseitigung auch zu den vorrangigen Zielen der Ortskernerneuerung.

Zu den Forderungen nach Tempo 30 merkte das Stadtoberhaupt an, dass das Thema wiederholt im Stadtrat behandelt und dem für diese Kreisstraße zuständigen Landratsamt unterbreitet worden sei. Dieses habe einer Geschwindigkeitsbeschränkung aber bisher nicht zugestimmt. Keine Sorgen bereitete Walberer die Zukunft des geplanten Gemeinschaftshauses im alten Feuerwehrhaus: „Ihr habt eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft mit aktiven Vereinen, und damit dürfte die Pflege des Hauses gesichert sein.“ Auch an Nutzungsoptionen werde es nicht fehlen: „Der demographische Wandel muss die Zukunft des Gebäudes nicht gefährden, denn es könnte sowohl als Jugend- wie als Seniorentreff genutzt werden.“

Info:

Pressath ist mehr als Dostlerhaus

Mit dem Ertrag der angeregten Bürgerversammlungsdiskussion zeigte sich Ortsplaner Klaus Stiefler zufrieden: „Sie haben mit Ihren Vorschlägen die ganze Bandbreite der mit einer Ortsgestaltung zusammenhängenden Fragen abgedeckt und am Fundament für ein stimmiges Gesamtkonzept mitgebaut.“ Für die Ortskernerneuerung wünschte sich der Architekt viele private Initiativen, die auf eine „orts- und regionaltypischere“ Haus- und Gartengestaltung, möglichst unter Verzicht auf „Kiesgärten“, hinauslaufe.

Eine Einwohnerin lobte das nach ihrem Empfinden spürbar verstärkte Engagement der Stadt für ihren Heimatort: „Als Dießfurter hat man sich mitunter vernachlässigt gefühlt und hatte das Gefühl, dass sich alles ums Dostlerhaus dreht.“ Davon wollte Bürgermeister Werner Walberer nichts wissen: „Uns liegen alle Stadtteile gleichermaßen am Herzen, aber nicht alle Anliegen sind auf einmal umzusetzen – gut Ding will Weile haben.“

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