Dieterskirchen
11.11.2022 - 15:38 Uhr

Wappnen gegen die Afrikanische Schweinepest: Übung für den Ernstfall im Landkreis Schwandorf

Wie muss reagiert werden, wenn im Landkreis Schwandorf ein Tier mit der Afrikanischen Schweinepest entdeckt wird? Katastrophenschutz und Veterinäramt simulieren bei einer Großübung den Ernstfall.

Der Katastrophenschutz des Landkreises Schwandorf organisierte gemeinsam mit dem Veterinäramt eine Übung in einem Jagdrevier im Raum Dieterskirchen. Schon seit dem Jahr 2018 beschäftigt das Thema Afrikanische Schweinepest (ASP) die Bereiche Tierseuchenbekämpfung und Katastrophenschutz am Landratsamt Schwandorf.

"Zwar ist diese virusbedingte Infektionskrankheit für den Menschen ungefährlich und ausschließlich für Wild- und Hausschweine tödlich. Jedoch hätte ein Ausbruch in Bayern oder gar im Landkreis Schwandorf katastrophale und ruinöse Folgen für die fleischproduzierende Landwirtschaft und die angeschlossene Vertriebsindustrie", heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Schwandorf. "Der Prävention kommt deshalb ein hoher Stellenwert zu".

Das Szenario

Der Einsatzübung, die vor zwei Jahren stattfinden sollte, aber pandemiebedingt nicht möglich war, wurde folgendes Szenario zugrunde gelegt: "In der Nacht wurde im Mündungsbereich des Moosbaches in die Ascha im Katharinenthal in der Gemeinde Dieterskirchen ein verendetes Wildschwein, ein Frischlings-Keiler, aufgefunden. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit teilte zu der umgehend übersandten Blut- und Gewebeprobe des Tieres bereits in den Morgenstunden mit, dass eine Infektion mit dem Virus der Afrikanischen Schweinepest vorliegt.“

Ein Großaufgebot verschiedenster Rettungsorganisationen wurde alarmiert: 150 Teilnehmer aus den Reihen von Feuerwehr, BRK, Rettungsdienst, Bergwacht und Wasserwacht, Johanniter Unfallhilfe und THW. Auch der Bezirksvorsitzende des Bayerischen Jagdverbandes, Alexander Flierl, sowie die Bürgermeisterin der Gemeinde Dieterskirchen, Anita Forster, verfolgten das Geschehen.

Das Übungsgelände stellten die Bayerischen Staatsforsten im Staatsjagdrevier „Haginger Berg/ Wart am Berg“ zur Verfügung – ein schwieriges Gelände. Die örtliche Einsatzleitung war Kreisbrandrat Christian Demleitner übertragen, der die Einsatzaufträge nach Weisung des fachlich zuständigen Veterinäramtes, welches mit mehreren Amtstierärzten im Einsatz war, an die Einsatzkräfte verteilte und koordinierte.

Zunächst wurden Suchketten nach verendeten Wildschweinen gebildet. Vorher hatte das Veterinäramt die Suchmannschaften in die Besonderheiten der Kadaversuche und die Schutzausrüstung eingewiesen. Die Wasserwacht war im Abschnitt der Ascha zwischen Bach und Katharinenthal unterwegs, die Feuerwehr am nördlichen Hang des Warbergs. Jäger halfen mit ihrer Ortskenntnis.

GPS und Schutzkleidung

Mehrere Kadaver-Dummies waren in den sechs Einsatzbereichen versteckt. Unterstützung erhielten die Suchmannschaften durch die speziell ausgebildete Wildschweinkadaver-Suchhundestaffel aus dem Raum Augsburg. Die tierischen Helfer ergänzten die angewendeten Spezialeinsatzmittel neben Wärmebildkameras und Drohnen der Feuerwehr und Wasserwacht sowie dem Allterrainfahrzeug der Bergwacht.

Nachdem ein Kadaver gefunden wurde, musste der Fundort zunächst genau per GPS-Koordinaten lokalisiert und abgesperrt werden, bevor der kleinere, von der Bergwacht gestellte Bergetrupp mit seinem Quad anrückte. Besonderes Augenmerk war hier auf das kontaminationsfreie An- und Ausziehen der persönlichen Schutzkleidung zu legen, denn im Ernstfall darf das Virus durch Einsatzkräfte nicht aus dem Sperrbezirk in andere Bereiche verschleppt werden. Aus diesem Grunde musste sich auch jede Einsatzkraft – auch die Suchhunde – nach Ende der Suche durch die Dekontaminationsschleuse des eingesetzten ABC-Zuges des Landkreises Schwandorf begeben.

Hintergrund:

Der Plan bei ASP

  • Sperrzonen: Es müssten Bereiche eingerichtet werden, in denen sämtliche Nutzung per Betretungsverbot untersagt würde. Einzäunungen würden vorgenommen, die Sperrzonen müssten nach weiteren Kadavern abgesucht, aufgefundene Kadaver geborgen und kontaminationssicher entsorgt werden, sämtliches Schwarzwild in den Sperrzonen müsste systematisch erlegt werden.
  • Koordination:Zur effektiven Bekämpfung einer Ausbreitung der ASP müssen verschiedenste Stellen wie Behörden, Rettungsorganisationen, Jäger und auch Grundstückseigner Hand in Hand zusammenarbeiten.
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