Vom Wirtshausleben auf dem Goglhof

Es ist ein trauriger Moment, wenn sich der Mensch vom Wirtshaus trennt: Wer diesem Satz von Herzen zustimmt, weiß jetzt, warum er den Goglhof immer mit einem Anflug von Wehmut verlässt.

Vom Wirtshausleben auf dem Dorf erzählt (von links) Heimatdichterin Grete Pickl, Theo Stüpfl und Hans Pirner spielen die richtige Musik dazu.
von Helga KammProfil

Experten hätten ihr bescheinigt, sagt Margarete Jäkel, die Hausherrin des Freilichtmuseums Goglhof, dass neben dem Bierkeller unter der Scheune auch die Größe der Stube auf eine gastronomische Vorgeschichte des Hauses schließen lassen. Ihrer Meinung nach dienten die zahlreichen Löcher unterhalb der Decke dazu, Männerhüte an Nägeln aufzuhängen. Da ist sich die Heimatdichterin Grete Pickl aus Kastl nicht so sicher. Sie meint, Bauernstolz oder die Angst vor Diebstahl hätten die Männer damals bewegt, am Stammtisch ihre Hüte auf dem Kopf zu lassen.

Wie auch immer: Für ihren Abend zum Thema „Ma mou de Kirchn beim Dorf loua und as Wirthaus danebn“ hat die Mundartautorin aus Kastl eine Fülle von Geschichten, Sprüchen, Gedichten und Erlebnissen mitgebracht. Die Gästeschar in der Stube und die beiden Jura-Musikanten unterstützen sie mit zusätzlichen Beiträgen. Hans Pirner mit dem Akkordeon und Theo Stümpfl mit der Gitarre singen die passenden Wirtshauslieder.

„Fürchte Gott, dann wirst du selig. Trinke Bier, dann wirst du fröhlich“ oder „Ein rechter Gast ist niemals Last": Wirthaussprüche wie diese hat Grete Pickl zusammengetragen. An Wirtshausnamen fallen ihr Zum grünen Baum, Zur Goldenen Gans oder Zum Weißen Rößl ein. Die Information, dass der Kreuzerwirt in Sulzbach-Rosenberg einmal das „Wirtshaus zum letzten Kreuzer“ war, kann Hermann Gnahn, der Goglhof-Förderkreis-Vorsitzende, beitragen.

Dass bestechliche Bierprüfer aus „am Gmackl a guads Gschmackl“ machen konnten, hat Grete Pickl recherchiert. Im offenen Bierkrug jeden Abend frisches Bier, das Gassenseidl, aus dem Wirtshaus heimzuholen, war eine ihrer Aufgaben im Elternhaus in Lauterhofen.

Pickl wird fündig bei Autoren wie Eugen Oker, Margaret Hölle und auch Wilhelm Busch, wenn es ums Trinken, um die Kommunikation im Wirtshaus, aber auch um die negativen Seiten geht: Ums „zu viel über den Durst“, die „späte Heimkehr aus dem Wirtshaus“ oder das „Geld vertrinken“ . „Kumma ner hoim, du Bsuffana“, heißt es in einem Text, und ist die Kehrseite von Trinkversen wie „ A Ochs wou vül safft, frißt niat so vül“ oder „Es ist ein trauriger Moment, wenn sich der Mensch vom Wirtshaus trennt“.

Klagen des Wirts über Gäste, denen man nichts recht machen kann, haben aus der Sicht der Heimatdichterin auch heute oft ihre Berechtigung. Sehr kritisch sieht sie, wenn junge Menschen von Älteren zum Trinken gebracht werden nach dem Motto: „Das schaffst du ja doch nicht“. Hermann Gnahn führt dann wieder zurück auf die positive Wirthauskultur, indem er die Goglhof-Gäste einlädt, ganz im Sinne der bayerischen Staatsregierung alte Wirtshäuser zu erhalten und den Abend im „Genf intern“ nebenan zu beschließen.

Info:

Goglhof-Termine

Freitag, 12. April: Matthias Conrad erzählt von der „Entstehung der Burgen in der Oberpfalz“. Die Flötengruppe Rosenstolz umrahmt mit mittelalterlicher Musik.

Freitag, 10. Mai: Fränkischer Abend mit Walter Tausendpfund zum Thema „Summer wärds“

Samstag, 1. Juni: Nachmittag für Kinder auf dem Goglhof mit altem bäuerlichen Handwerk, einer Dichterlesung und Bewirtung. (hka)

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