01.10.2019 - 15:32 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Bierdusche für den Ebermannsdorfer Köhler-Sepp

Der neu geschnitzte Köhler, der in den vergangenen Wochen am Köhlerplatz aus einem mächtigen Eichenstamm entstand, hat nun endlich einen Namen – und Bier bekam er auch schon.

Endlich hat er einen Namen, der hölzerne Köhlergeselle am Meilerplatz in Ebermannsdorf, und zwar Köhler-Sepp.
von Christine Wendl - wecProfil

Der ein oder andere Passant hat dem Künstler voller Interesse bei seiner Arbeit zugesehen. Natürlich soll der hölzerne Geselle nun auch einen ordentlichen Namen haben, dachten sich die Köhlerfreunde Ebermannsdorf und widmeten seiner Tauffeier ein kleines Fest am Köhlerplatz.

„Die Figur symbolisiert das schwere Köhlerhandwerk und soll an unsere Vorfahren, an die vielen Köhler der vergangenen Jahrhunderte erinnern, die mit ihrer harten Arbeit einen wichtigen Rohstoff für die Eisenerzverhüttung und die Schmiedehämmer entlang der Vils lieferten“, erklärte Bürgermeister und Chef der Ebermannsdorfer Köhlerfreunde, Josef Gilch, bei der kleinen Feier vor Ort. „Lange Zeit waren sie vergessen, diese schwarzen Gesellen, die allein im Wald ihr Leben fristeten, um den Energieträger für die damalige Eisenindustrie zu liefern. Mit der Figur soll nun diesen Menschen ein Denkmal gesetzt werden. Sonne, Regen, Schnee und Eis werden dem Kunstwerk über die Jahre hinweg zusetzen, so wie früher auch dem Köhler. Sie wird dunkler werden und sich irgendwann zu einem schwarzen Gesellen wandeln“, erläuterte Gilch den künstlerischen Ansatz. Das Kunstwerk soll sich verändern. Natur und Umwelt dürfen, ja sollen ihren Einfluss darauf haben. Wichtig war den Köhlern, dass die Figur aus dem Stamm einer etwa 100-jährigen Eiche gefertigt wurde. Also als ein massives Werk, das als ein Zeichen für die Stabilität auch der Gemeinschaft der heutigen Köhler steht.

Die Fertigung war ein besonderes Erlebnis gewesen, da die Figur nur mit Kettensägen geschnitzt wurde. Die Wurzeln des chainsaw carving (Kettensägenschnitzens) liegen in den USA und bezeichnen die Kunst, filigrane Holzskulpturen mit dem groben Werkzeug der Motorsäge zu gestalten. Wer den Amberger Künstler Karlheinz Stoiber bei seiner Arbeit an dem lebensgroßen Köhler beobachtete, konnte nur staunen, wie aus einem eine Tonne schweren Eichenstamm eine beinahe lebendig wirkende Figur entstand. Arbeitete er in den ersten Tagen mit großen Kettensägen die groben Umrisse heraus, wurden die Sägen, je filigraner die Ausführung wurde, auch immer kleiner. Bürgermeister Gilch beglückwünschte den Künstler zu seinem Werk und dankte auch allen Spendern, die dieses Kunstwerk möglich machten.

Nach den Grußworten des Bürgermeisters war der große Moment gekommen. „Eine Flasche Sekt am Stamm zu zertrümmern wäre blöd, deshalb dachte ich, wir nehmen in Erinnerung an die gute alte Zeit eine Flasche dunkles Bier und begießen die Skulptur mit Bier“, so Gilch zu seinen Freunden.

Die Köhlerfreunde umrahmten die Figur und der Köhler Sepp Höllriegl, der in diesen Tagen einen runden Geburtstag feierte, schüttelte die eineinhalb Liter Flasche Bier kräftig, so dass sich mit dem Öffnen der Flasche ein kräftiger Bierschwall über das Holz der Figur ergoss. Mit einem dreifachen „Gut Brand!“ wurde die Figur auf den Namen „Köhler-Sepp“ getauft. Anschließend wurde bei herrlichstem Spätsommer-Wetter gebührend mit Bier und Bratwürsten im Obstgarten gefeiert.

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