14.07.2019 - 14:43 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

In Ebermannsdorf wird nur beste Kohle geerntet

Das Geheimnis einer guten Holzkohle ist in vielen Kleinigkeiten zu finden. Die Ebermannsdorfer Köhler wissen inzwischen, was sie tun müssen, um allerbeste Qualität zu erzeugen.

Die Köhlergesellen beim Ausbreiten der diesjährigen Kohle
von Christine Wendl - wecProfil

"Die Nachfrage nach unserer Holzkohle ist groß", sagt der Ebermannsdorfer Bürgermeister und Köhlerchef Josef Gilch. Er räumt zugleich ein, dass der Verein eigentlich viel mehr von ihr produzieren müsste, um die Nachfrage für eine ganze Grillsaison zu decken. Ihre Beliebtheit beruht laut Gilch vor allem auf der hervorragenden Qualität der Holzkohle.

"Wer sie einmal verwendet hat, holt sich nie wieder eine andere", schmunzelt er. Der Grund liege auf der Hand: Die Ebermannsdorfer Köhler haben zwischenzeitlich so große Erfahrung in ihrem Handwerk - genau wie die Altvorderen und Berufskollegen vor Hunderten von Jahren - dass nur beste Ware, also "klingende" Holzkohle geerntet wird.

Verwendet wird ausschließlich Buchenholz aus den Wäldern des Naturparks Hirschwald. Zunächst musste es beschafft und herantransportiert werden. Dann schlichtete das "SEK" - das Senioren Einsatz Kommando - um Rudi Götz, Klaus Scheibel und Josef Höllriegl den Meiler auf. Gemeinsam mit einem weiteren Dutzend Köhlern verdichteten sie ihn schließlich mit Heu und Lösche. Eine schwere und schweißtreibende Arbeit, zu der jeder Mann gebraucht wurde.

Fast zwei Wochen schwelte der Meiler auf dem zwischen Ebermannsdorf und Schafhof gelegenen Köhlerplatz, bis aus dem Holz durch den von oben nach unten schwelenden Meiler die begehrte Holzkohle entstanden ist. Dabei musste der Meiler Tag und Nacht bewacht werden. Eine Arbeit, die man sich dank der vielen Mitglieder teilen konnte. Dann wurde der Meiler gekühlt und die Holzkohle konnte in erneuter Teamarbeit geerntet werden.

"Das Geheimnis einer guten Holzkohle beginnt bei der Art und Stärke des verwendeten Holzes. Dünneres Holz ist besser als dickeres", verriet Gilch. Von entscheidender Bedeutung seien auch die richtige Luftzufuhr, der ideale Erntezeitpunkt und eine nicht zu große aber natürlich auch nicht zu kleine Kühlwassermenge. "Je feuchter die geerntete Holzkohle, umso schlechter. Sie muss klingeln, wenn man sie aneinanderreiht oder schüttelt. Der Köhler wurde und wird nach der Qualität bezahlt", informiert der "Chef"-Köhler. Dieses Jahr hatten sie das Glück, dass die langanhaltende Hitze und Trockenheit die Kohle, nachdem sie ausgebreitet war, richtig ausgedörrt hat. Die Ebermannsdorfer Köhler bauen ihre Meiler vor allem, um diese alte Tradition in der Region nicht aussterben zu lassen und um den Raubbau am Tropenholz zu minimieren.

"Das, was früher zum Broterwerb vieler Menschen diente, ist heute in unserer von Naturferne geprägten Zeit ein Stück gelebte Nostalgie, ja Romantik pur", so Gilch. Während Köhler früherer Jahrhunderte ihre Meiler üblicherweise genau dort rauchen ließen, wo gerade Holz eingeschlagen wurde, etablierten die Ebermannsdorfer einen festen Standort. Das notwendige Buchenholz transportieren sie aus einem Umkreis von mehreren Kilometern heran. Gilch zeigte sich fest davon überzeugt, dass die kleine Kohleproduktion jedes Mal "mindestens einen Urwaldriesen in Südamerika vor dem Verkohlen rettet". Alles, was bei uns ohne weite Transportwege produziert werde, schütze und erhalte die Urwälder.

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