24.11.2019 - 14:47 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Historischer Verein Ebermannsdorf informiert sich über Restaurierung des Altarbilds „Jesu Taufe im Jordan“

„Ein Werk, das es verdient“, stellt Erwin Emmerling, emeritierter Professor für Restaurierung, Kunsttechnologie und Konservierungswissenschaft an der TU München, fest. Er meint damit das Hochaltargemälde der Ebermannsdorfer Johanneskirche.

Beeindruckt vom Altarbild „Jesu Taufe im Jordan“ (von links): Bürgermeister Josef Gilch, Ortsheimatpflegerin Christine Schormüller, Professor Erwin Emmerling, Restauratorin Anne Gelbrich, Hermann M. Leucht, der Vorsitzende der Bauer’schen Barockstiftung, und Kirchenpfleger Josef Beer.
von Christine Wendl - wecProfil

Emmerling und Diplom-Restauratorin Annegret Gelbrich informierten die Mitglieder des Historischen Vereins Ebermannsdorf in der Technischen Universität München (TUM) direkt am Bild, das 1723/24 von Johann Adam Müller geschaffen wurde, über den Stand der Restaurierungsarbeiten.

Es ist schon eine ganze Zeit her, dass der Historische Verein die Patenschaftsaktion für eben dieses Altarbild gestartet hat. Um die Restaurierung des stark beschädigten großformatigen Gemäldes finanziell abzusichern, sollten 100 Patenschaftsfelder verkauft werden. Dank des großen Engagements der Mitglieder und des Vorsitzenden Josef Gilch gelang dies zwischen 2013 und 2016. In den folgenden Jahren gingen noch weitere Spenden ein und die Kirchenstiftung Ebermannsdorf erhielt 25.000 Euro als Grundstock, um die Restaurierung zu finanzieren.

Im September 2016 wurde das Bild aus der Johanneskirche abgeholt und als erstes von Schädlingen befreit. 2017 ging es ins Atelier des Lehrstuhls an der TU. Dort fanden zunächst in verschiedenen Studienabschlussarbeiten detaillierte Untersuchungen statt, ehe die Restaurierung begann. Die Größe des Gemäldes - es ist 3,43 Meter hoch und 1,70 Meter breit - und sein sehr schlechte Zustand erforderten einen hohen Zeitaufwand.

Im Oktober 2018 stellten Vertreterinnen des Lehrstuhls in Ebermannsdorf die ersten Ergebnisse der Arbeiten, die Vorgehensweise und die Schwierigkeiten dabei vor. Um sich nun ein Jahr später über den aktuellen Stand der Maßnahme zu informieren, fuhren die Mitglieder des Historischen Vereins bei einemVereinsausflug nach München. Professor Emmerling und Restauratorin Annegret Gelbrich empfingen die Ebermannsdorfer mit Kaffee und Brezen und einer Führung durch die Labore, die Bibliothek und die Schaukästen des Instituts.

In der großen Werkstatt fanden dann alle Teilnehmer ihren Platz rund um das Gemälde „Jesu Taufe im Jordan“. Und sie waren begeistert von der Helligkeit, der Frische und den leuchtenden Farben des Gemäldes. Wichtige malerische Details ließen sich erst jetzt gut erkennen, stellten sie fest. Annegret Gelbrich erläuterte die verschiedenen Phasen der Restaurierung und teilte mit, dass alle Reparaturen erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Nun erfolge die Retusche. Interessiert verfolgten die „Historischen“, wie die Löcher im Bild gestopft wurden und die sehr stark geschädigte Doublierung auf der Rückseite mehr Stabilität erhielt. Gelbrich versicherte, dass der Liefertermin im Frühjahr 2020 eingehalten werde. Man war sich einig, dass dieses Altarbild seine Aufgabe als optischer Mittelpunkt des Sakralraums wieder hervorragend erfüllen werde.

Während der Erklärungen zum Altarbild traf noch ein weiterer Gast im Atelier ein, Hermann M. Leucht, der Vorsitzende der Bauer’schen Barockstiftung. Diese hat sich auf Zutun Emmerlings bereit erklärt, unbürokratisch weitere 30.000 Euro für das Altarbild zur Verfügung zu stellen, damit die noch ausstehenden Arbeiten sicher finanziert werden können. Die Ebermannsdorfer begrüßten Leucht dafür mit kräftigem Applaus und einem herzlichen Dankeschön.

Emmerling erläuterte zum Abschluss seine Einschätzung des Gemäldes: „Das Bild hat es verdient, dass man sich darum bemüht, denn Johann Adam Müller erweist sich als qualitätsvoller Maler, auch wenn das erst nach Abnahme aller späteren Schichten erkennbar war.“ Der Professor zeigte sich überzeugt, "dass die Johanneskirche und ihr anspruchsvoller Figurenschmuck, der mit Geschmack und Verstand ausgeführt wurde, zusammen mit dem Altarbild im prachtvollen Rahmen mit voluminösem Vorhang eine ungeheure und überwältigende Wirkung als Gesamtkunstwerk erzielen wird". Weitere Informationen zu allen Aktivitäten rund um die Restaurierung der Johanneskirche sind unter www.hofmarck.de, http://www.altarbild-johanneskirche.de zu finden.

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