Ebermannsdorf
02.10.2019 - 11:26 Uhr

Knedl & Kraut und eine Weinkiste als Gitarre

Früher waren sie als Straßenmusikanten unterwegs, gewohnt, mit wenig Geld auszukommen – heute füllen die drei Musiker der Gruppe Knedl & Kraut mühelos Hallen wie das DomCom, die Ebermannsdorfer Mehrzweckhalle.

Eine Heugeige? Oder Heugabel? Toni Bartl schafft es, aus nahezu allem unmöglichem absolut professionelle Töne herauszulocken. In diesem Fall sogar ein kleines Feuerwerk. Bild: wec
Eine Heugeige? Oder Heugabel? Toni Bartl schafft es, aus nahezu allem unmöglichem absolut professionelle Töne herauszulocken. In diesem Fall sogar ein kleines Feuerwerk.

Not macht ja bekanntlich erfinderisch und wahrscheinlich entstand zum damaligen Zeitpunkt die Idee, verschiedenste Dinge des häuslichen Lebens so zu modifizieren, dass sie sich als außergewöhnliche Instrumente verwenden lassen. Toni Bartl, der sich mit seiner vierreihigen Steirischen Harmonika bereits auf den ersten Platz der Weltmeisterschaft gespielt hat, brachte das Publikum in Ebermannsdorf von Anfang an zum Staunen und Lachen. Zusammen mit seinen Teamkollegen Juri Lex – genannt der „Herr Lehrer“ und Andy Asang zeigte er ein kurzweiliges Bühnenprogramm, gespickt mit viel musikalischem Können, garniert mit witzigen Liedtexten und gewürzt mit unglaublich viel bayerischem Humor.

Knedl & Kraut in Aktion. Von links: "Lehrer" Juri Lex, "Chef" der Gruppe, Toni Bartl mit seinem Hup-Instrument und Andy Asang am Kontrabass. Bild: wec
Knedl & Kraut in Aktion. Von links: "Lehrer" Juri Lex, "Chef" der Gruppe, Toni Bartl mit seinem Hup-Instrument und Andy Asang am Kontrabass.

Passend zum Titel des Programms „Bayerische Weltreise“ wurden die Gäste zu Beginn klanglich in ein Flugzeug gesetzt und der „Kapitän“ wies die Reisenden gut gelaunt ein. Zum Beispiel, dass keine Schwimmwesten an Bord seien (schließlich habe ein Kreuzfahrtschiff auch keine Fallschirme dabei) und dass für die Raucher ein Außenbalkon eingerichtet sei … - so startete der Abend schon mit entspanntem Lachen und großer Aufmerksamkeit. Beim ersten ungewöhnlichen Instrument glaubte man noch an eine List der Musiker, hatten sie doch auf eine Weinkiste – die mit entsprechenden Flaschen und Gläsern gefüllt war – die Saiten und den Hals einer Gitarre montiert. Aber irgendwie funktionierte das Teil tatsächlich hervorragend und Andy Asang entlockte ihm immer wieder im Laufe des Abends faszinierende Klänge, als wäre es ein ganz normales Instrument. Aber nicht nur Kisten wurden zweckentfremdet, auch Cremetuben, Abfluss-Pömpel oder andere Teile aus dem Sanitärhandel oder vom Schrottplatz fanden eine neue Bestimmung als Musikinstrumente. Und irgendwann mussten sich die Gäste eingestehen, dass das, was sie da zu sehen und vor allem zu hören bekamen, tatsächlich einzigartig war. Teamchef Toni scheint ja ein ambitionierter Werkzeugmacher zu sein – gehören ihm doch bereits vier Patente für selbst erfundene Werkzeuge, warum also nicht auch anderes „Zeug“ zu Musikinstrumenten umbauen. Die acht auf ein Bügelbrett montierten Pömpel sahen nicht nur witzig aus, sondern dienten dem Trio als Flöteninstrumente. Der „Herr Lehrer“ erzählte schließlich von seiner ersten Begegnung mit den beiden anderen, die damals Mozart nur von den gleichnamigen Kugeln her kannten und hinter Vivaldi Nachbars Lumpi vermuteten.

Von links: Juri Lex, Toni Bartl, Andy Asang. Bild: wec
Von links: Juri Lex, Toni Bartl, Andy Asang.

Faszinierend lauschten die Gäste im Saal seinem virtuosen Geigenspiel - scheinbar spielerisch leicht und mit verschmitztem Gesicht holte er ungeahnte Klänge und Melodien aus dem Instrument. Ebenso wie Kollege Andy, dessen Kontrabass definitiv wie eine Frau geformt ist. „Diese Kurven und so eine Taille!“, schwärmte er verzückt. Mit ungewöhnlichen Techniken zupfte, riss und strich er die Saiten, dass es eine Freude war, dem zuzuhören. Er weihte sein Publikum in ein paar „abgelegte“ Zaubertricks von „seinem alten Spezl“ David Copperfield ein und ließ eine Bierflasche schweben, verwandelte Getränkedosen scheinbar mühelos und im Handumdrehen oder ließ Materie allein durch das Streuen von Zaubersalz einfach verschwinden.

Und so ging es mit weichen Übergängen kreuz und quer über die Erdkugel, hörte man einmal Didgeridoo wie bei den australischen Aborigines - nur dass sie mit einem stinknormalen Kunststoff-Abflussrohr erzeugt wurden. Oder geflötete Melodien, erst auf einer seltenen Okarina geblasen, danach dann die Version der Instrumenten-Erfinder – auf einer entsprechend umgebastelten Zahnpastatube. Es war jedes Mal aufs Neue verblüffend, wie die drei Männer - definitiv Musiker vor dem Herrn - auf diesen ungewöhnlichen Instrumenten die tollsten Stücke spielten. Von Onkel Erwins Schrottplatz hat der bayerische Daniel Düsentrieb ein Auspuffrohr gerettet sowie Autohupen verschiedener Größen und eine Art Tank. Mit Löchern an diversen Stellen, wahlweise mit Saiten bespannt hauchte er ihnen neues Leben als Musikinstrumente ein. Die Hupen wurden, entsprechend ihres Tones, mit einem Tasteninstrument kombiniert – eine alte Melodica wurde dafür wiederbelebt – und schon spielte der Toni darauf die schönsten Melodien. Er würde dieses Instrument auch für Hochzeiten ausleihen (und stimmte dabei den gehupten Hochzeitsmarsch an), so sein pragmatischer Kommentar.

Auch auf einer „Reservekanist-arre“ kann man – sofern man über soviel Fantasie wie Toni Bartl verfügt – hervorragend Musik machen. Aber es waren nicht nur die instrumentalen Beiträge, auch das Umtexten von altbekannten Schlagern oder Rockmusikstücken und deren scheinbar ernsthafter Vortrag in der bayerischen Sprache sorgte immer wieder für schallendes Gelächter und donnernden Applaus. In Andy steckt dazu noch ein vielsprachig begabter Komödiant, der nicht nur das bayerische Englisch beherrscht, sondern auch in einer Person als Sachse, Wiener oder Bayer im Himmel den Aloisius zitierte.

Andy zupft auf der Reservekanistarre, Toni bläst dazu seine spezielle Art von Alphorn, bestehend aus einem Stück Gartenschlauch und einem Trichter als Mundstück - es funktioniert! Rechts "Lehrer" Juri am Kontrabass. Bild: wec
Andy zupft auf der Reservekanistarre, Toni bläst dazu seine spezielle Art von Alphorn, bestehend aus einem Stück Gartenschlauch und einem Trichter als Mundstück - es funktioniert! Rechts "Lehrer" Juri am Kontrabass.

„Lehrer“ Juri konnte sogar völlig ohne Instrument musizieren. Er nutzte dazu seine beiden Hände, die er zur „Mundorgel“ faltete und so – ganz ohne Grashalm dazwischen – den „Hummelflug“ von Korsakow flötete, im Finale mündete das russische Meisterstück dann allerdings in die leichte Melodie der Biene Maja, wodurch es wieder zu einer typischen Eigenkomposition des Künstlertrios wurde. Der begeisterte Applaus zwischen den einzelnen Darbietungen bewies ebenso, wie die Forderung nach einer Zugabe am Ende des gelungenen Abendprogramms, von der Begeisterung des Publikums und dem guten Händchen, das die Organisatoren der Gemeinde mit dem Engagement der Künstler bewiesen hatten.

 
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