(ak/luk) Wie aus der CSU- und AWE-Fraktion zu erfahren war, die sich beide von Anfang an gegen eine Sanierung ausgesprochen hatten, hat sich eine Gruppe Ebnather Bürger unter Ausschluss des Gemeinderates direkt an die Denkmalschutzbehörde beim Landratsamt Tirschenreuth gewandt. Sie möchte prüfen lassen, ob das marode Schulgebäude denkmalgeschützt ist. Vertreter der Behörden haben sich in den vergangenen Tagen bei einem Ortstermin ein Bild davon gemacht, ob die Kriterien zur Aufnahme dieses umstrittenen Sanierungsobjektes in die Denkmalschutzliste des Landkreises erfüllt sind.
Bürgermeister Manfred Kratzer, der sich - wie die SPD-Fraktion - bei dem Objekt für eine Sanierung und einen barrierenfreien Umbau stark gemacht hatte, bestätigt auf Nachfrage den Besuch seitens der Denkmalschutzbehörde. Von der entsprechenden Mitteilung des Landratsamtes sei er selbst überrascht gewesen. Er wisse nicht, was dahinter stecke, jedoch seien die Bürger, die sich ans Landratsamt gewandt haben, "einen normalen Weg gegangen".
Beim Ortstermin sei es darum gegangen, sich das Gebäude im Hinblick auf einen Abbruch anzuschauen. In diesem Zusammenhang verweist Kratzer auf den Bürgerentscheid, bei dem es explizit um die Frage einer Sanierung gegangen sei. Jetzt heißt es laut dem Gemeindeoberhaupt, erst einmal abzuwarten und "alles auf sich zukommen zu lassen". Mit einer Mitteilung des Denkmalschutzes rechnet Kratzer nicht vor Oktober. "Die nächsten zwei Monate wird gar nichts geschehen." Sollte das Schulhaus doch einmal abgebrochen werden, erwartet er für die Gemeinde Kosten von rund 200 000 Euro. Angesichts dieser Summe frage er sich, was "man mit dem Geld anderes für die Gemeinde tun könnte".
Von "Fake News" sei er zunächst ausgegangen, als er von der neuesten Entwicklung - Antrag auf Überprüfung des Denkmalschutzes - erfahren habe, berichtet AWE-Vorsitzender Bernd Kuhbandner: "Leider wurde ich eines Besseren belehrt." Der eindeutige Bürgerentscheid werde damit ausgehebelt und könne zu den Akten gelegt werden. In den Augen des Gemeinderates versuche eine kleine Gruppe auf einer anderen Schiene, den Willen von 70 Prozent der Ebnather Wähler zu umgehen und sie damit als unmündig darzustellen.
"Ich weiß auch, dass jetzt versucht wird, den Bürgerentscheid so zu interpretieren, dass nach dem Wortlaut damals nicht explizit der Abriss gemeint war, sondern die Sanierung." Aber jeder, der mit Nein votiert habe, sei sicher gewesen, dass das Gebäude mit seiner Stimme zum Abriss komme. Kuhbandner hofft, dass die Denkmalschutzbehörde eine Entscheidung treffe, die dem Wert des Gebäudes hinsichtlich seiner "Schutzwürdigkeit" gerecht werde.
Ähnlich äußert sich CSU-Fraktionsvorsitzender Josef Söllner. Es sei bedauerlich, dass jetzt mit Hilfe des Denkmalschutzes versucht wird, das alte Schulhaus zu erhalten, obwohl sich eine deutliche Mehrheit gegen eine Renovierung ausgesprochen habe. Der Gemeinderat habe inzwischen den Abriss beschlossen. Nun gelte es, abzuwarten, wie die Entscheidung der Denkmalschutzbehörde ausfällt. "Daran haben wir uns zu halten." Sollte das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt werden, könnte dies eine sehr teure Angelegenheit für die Gemeinde werden. "Also genau das, was die meisten Ebnather nicht wollten."
Seit Mitte 2016 schwelt der Konflikt um Sanierung oder Abriss des alten Schulgebäudes im Gemeinderat. Bürgermeister Manfred Kratzer und die SPD-Fraktion sprachen sich für, CSU- und AWE-Fraktion gegen die Sanierung aus. Die Kostenermittlung des Architekturbüros Kuchenreuther aus Marktredwitz hatte Baukosten von fast 2,2 Millionen Euro bei einer Fördersumme per Bescheid von 1 368 000 Euro aus dem Städtebauprogramm ergeben. Mit 4:8 Stimmen lehnte der Gemeinderat im November 2017 den Beschlussvorschlag des Bürgermeisters zur Sanierung des alten Schulhauses ab.
Die Zukunft dieses Gebäudes war auch Hauptthema in der Bürgerversammlung Mitte November. Kratzer erklärte damals, dass die zuständige Referentin bei der Regierung der Oberpfalz diese Entscheidung, die Förderung in Höhe von 1,368 Millionen Euro nicht in Anspruch zu nehmen, bedauerte. Sie baute jedoch eine Brücke: Falls die Arztpraxis nicht komme, werden auch Wohnungen gefördert. Die zugesagte erste Rate in Höhe von 560 000 Euro würde weiter reserviert. Eine Aufnahme dieses Projektes in die Nord-Ostbayern-Offensive mit einer 90-prozentigen Förderung stellte sie damals in Aussicht. Auch eine Absichtserklärung zur Anmietung einer darin geplanten Arztpraxis auf fünf Jahre lag vor.
Die Haltung im Gemeinderat änderte sich jedoch nicht, da für die Mehrheit die finanziellen Risiken für die Gemeinde unabwägbar wären. So führte das von den Sanierungsbefürwortern Susanne Labusch, Inge Geißler und Erwin Kastner mit 150 gesammelten Unterschriften initiierte Bürgerbegehren zum Bürgerentscheid. 70 Prozent der Bürger sprachen sich dabei im Mai dagegen aus, 30 Prozent waren dafür. (ak)














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