07.11.2021 - 11:31 Uhr
EbnathOberpfalz

Neue Chance für altes Getreide

Auf einer kleinen Parzelle in Hermannsreuth bei Ebnath bauen die Bäcker Eberhard Söllner und Tobias Göhl mit Landwirt Hans Sticht eine alte Getreidesorte an. Sie wollen der Frage nachgehen: Schmeckte das Brot früher anders?

Bei der Aussaat (von links): Bäckermeister Eberhard Söllner, Landwirt Hans Sticht und Bäckermeister Tobias Göhl.
von Autor SOJProfil

Die traditionelle Brotkultur einer Region ist untrennbar mit den dort angebauten Sorten verbunden. Doch wie sieht es draußen auf den Feldern aus, wo zu den Bedingungen des modernen Marktes große Mengen an Getreide angebaut werden, die unsere heutige Nahrungsgrundlage bilden?

Das Getreide für ihre Brote baut die Bäckerei Söllner in Ebnath schon seit einigen Jahren in Zusammenarbeit mit heimischen Bauern lokal selbst an. Das Rezept fürs Brot ist seit Jahrzehnten unverändert: Mehl, Wasser, Salz und ein wenig Hefe. Zur Frage, ob das Brot in vergangener Zeit anders schmeckte, hat die Bäckerei Söllner nun ein neues Projekt gestartet.

Oberfränkischer Landweizen

Die Bäckermeister Eberhard Söllner und Tobias Göhl von der Bäckerei Söllner haben in Zusammenarbeit mit Landwirt Hans Sticht aus Hermannsreuth eine kleine Parzelle mit „Oberfränkischem Landweizen“ angesät, der vor der Landwirtschaftlichen Industrialisierung in unserer Region heimisch war.

Um die gewünschten Erträge zu ernten, muss erst das knappe Saatgut, das Dr. Klaus Fleißner - bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft zuständig für den Erhalt alter bayrischer Sorten - zur Verfügung gestellt hat, vermehrt werden. Natürlich werde die alte Sorte auch nach den für sie damals typischen Methoden angebaut - also keine Düngung und keine Spritzmittel.

Verändertes Getreide

Die Bäcker wollen der Frage nachgehen, ob das Brot früher anders schmeckte, obwohl sich in der Backstube nichts geändert hat. Doch die Zeiten haben sich geändert, die Landwirtschaft ist eine andere geworden. Auch die Getreidesorten wurden durch die Züchtung nicht nur auf mehr Ertrag verändert. Die Veränderung an der Architektur und Physiologie der Pflanzen hat auch Folgen auf die Robustheit, Reifung und somit den Geschmack der Sorten.

Die Bäckermeister und auch der Landwirt sind gespannt, welche Ergebnisse dieses Projekt erzielen wird und wie die Backwaren bei den Kunden ankommen.

Familie Häupl aus Thann im Steinwald stellt die regenerative Landwirtschaft vor

Erbendorf
Hintergrund:

Ziele des Projekt der Landesanstalt für Landwirtschaft

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sieht laut ihrer Webseite "die Erhaltung unseres landwirtschaftlichen Erbes, unserer landwirtschaftlichen Vielfalt" als "eine interdisziplinäre, gesamtgesellschaftliche Aufgabe".

  • Regionale und historische Sorten aus Bayern sollen wieder „zum Leben“ erweckt werden.
  • Eine wissenschaftliche und nutzungsorientierte Charakterisierung (in Hinblick auf Produktentwicklung, Konsum, Ökologie, Züchtung, kultureller Wert) sowie eine partizipative Bewertung von Genbankakzessionen ursprünglichen bayerischen Kulturpflanzenmaterials durchführen
  • Die Öffentlichkeit und relevante Akteure über die Bedeutung und Anbau von pflanzengenetischen Ressourcen informieren.
  • Voraussetzungen für eine von Erhaltungszüchtung begleitete In-situ Erhaltung sowie On-farm Bewirtschaftung ausgewählter Kulturpflanzensorten zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Biodiversität in Bayern schaffen.
  • Eine Inwertsetzung ausgewählter Sorten durch innovative Produkte initiieren, die mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung (KERN) und interessierten Partnern in Kreativworkshops entwickelt werden. (Quelle: Homepage des LfL)

 

 

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