31.08.2018 - 14:29 Uhr
EbnathOberpfalz

Superhelden ohne Umhang

Karin Pöllath, Josef Söllner, Johannes Bauer und Sandra Schmelber organisieren eine Typisierungsaktion in der Ebnather Schulturnhalle.

Johannes Bauer, Sandra Schmelber, Karin Pöllath und Josef Söllner zeichnen für eine Aktion verantwortlich, die vielen Menschen das Leben retten könnte.
von Externer BeitragProfil

(soj) Die vier Ebnather haben ein Anliegen. Den Kampf gegen Leukämie. Josef Söllner war selbst vor wenigen Jahren erkrankt, Karin Pöllath, Johannes Bauer und Sandra Schmelber haben schon einmal Stammzellen gespendet. Und sie wollen viele weitere Leben retten und organisieren deshalb am Sonntag, 16. September, in der Schulturnhalle eine Typisierungsaktion.

Sandra Schmelber (37) erzählt ihre Geschichte: "Ich bin verheiratet, habe zwei ganz tolle Kinder und hatte das ganz große Glück, einem Menschen das Leben retten zu dürfen. Ich habe mich 2006 bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registrieren lassen. Schon kurze Zeit danach kam die Benachrichtigung, dass

ich eventuell als Spender in Frage käme. Nach weiteren Untersuchungen stand fest, irgendwo auf der Welt gibt es jemanden, der genau zu mir passt.

Am 18. Dezember 2007 war es dann soweit. Ich fuhr nach Nürnberg und ließ mir die Stammzellen entnehmen. Gleich im Anschluss erfuhr ich, dass ich für einen achtjährigen Jungen gespendet habe. Schon am 20. Januar 2008 erhielt ich den ersten Brief von der Mutter meines Spenderkindes. Natürlich anonym, da man sich ja erst nach zwei Jahren kennen lernen darf.

Sie schrieb mir sehr bewegende Zeilen. Sie bedankte sich von ganzem Herzen bei mir. Sie hielt mich auf dem Laufenden wie es ihrem Sohn geht. Sie schrieb mir, dass er das Knochenmark gut angenommen hat und dass er sich freut, wenn er endlich nach Hause darf. Auch die DKMS informierte mich regelmäßig.Schließlich erfuhr ich seinen Namen, dass er fünf größere Geschwister hat (von denen leider keiner als Spender passte), dass sein Geburtstag am 19. Dezember ist und dass er mit drei Jahren schon einmal Leukämie hatte. Damals wurde er mit einer Chemotherapie behandelt. Fünf Jahre später kam der Krebs wieder und er musste alles noch einmal durchmachen.

Dieses Mal brauchte er aber unbedingt eine Stammzellenspende.

Wir schrieben uns weiterhin über die DKMS Briefe und lernten uns gut kennen. Wir stellten schon bald fest, dass unsere Familien sehr gut harmonieren. Wir fieberten unserem ersten Treffen entgegen. Am 18.Dezember 2009 war es dann endlich soweit. Ich bekam einen Brief von der DKMS mit den Daten meines Spenderkindes. In dem Moment, als ich den Brief las, klingelte das Telefon. Es war die Mutter meines genetischen Zwillings. Wir durften das erste Mal seine Stimme hören und miteinander reden.

Natürlich wollten wir uns auch sehen. Das erste Treffen fand mit der ganzen Familie in Ebnath statt. Es war ein toller Moment für uns alle. Wir umarmten uns und haben uns auf Anhieb gut verstanden. Seit dieser Zeit sehen wir uns mindestens einmal im Jahr. Wir waren auf seiner Konfirmation, sie waren alle an meinem 33. Geburtstag zu Besuch. Am 19. Dezember 2017 durften wir seinen 18. Geburtstag feiern und unser zehntes Jubiläum. Wir haben gefeiert und uns gefreut, dass er diesen Tag erleben darf. Seine ganze Familie bedankte sich erneut und schenkte mir ein T-Shirt mit der Aufschrift: Lebensretter – Nicht alle Superhelden tragen einen Umhang.

Lasst uns zusammen Patienten auf der ganzen Welt ein kleines Stück Hoffnung schenken! Lasst euch bei unserer Aktion am 16. 9. 2018 in Ebnath typisieren!

Jeder Einzelne zählt!

Alle 15 Minuten erkrankt ein Mensch in Deutschland an Blutkrebs. Für jeden zehnten von ihnen wird heute noch kein passender Spender gefunden. Jeder Mensch, der stirbt weil kein passender Spender gefunden wurde, ist einer zu viel. Bitte blickt nur kurz in die Augen eurer Kinder oder Familienangehörigen und stellt euch selbst die Frage:

„Was wäre wenn?“

Sandra Schmelber, 37 Jahre alt, verheiratet und Mutter von zwei Kindern im Alter von 12 und 13 Jahren.

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