27.07.2018 - 13:15 Uhr
EdelsfeldOberpfalz

Medizintechnik aus Edelsfeld

Kurze Wartezeiten, geringe Kosten, modernste Technik - für jeden Menschen zugänglich: Eine Unternehmergesellschaft aus Edelsfeld entwickelt medizinische Geräte, die in Zukunft bei der Behandlung von Brustkrebs eingesetzt werden könnten.

Die Mammografie, eine Röntgenuntersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs, könnte Helmut Strehl zufolge bald von einer präziseren und unschädlichen Methode abgelöst werden: „Die 3D-Ultraschallholografie ist im Bereich der Krebstherapie von unschätzbarer Wichtigkeit."
von Miriam Wittich Kontakt Profil

3D-Ultraschallholografie heißt die Technologie, die Helmut Strehl und seine Mitstreiter der 3D-Med UG (Unternehmergesellschaft) erforschen und einsetzen. Am einfachsten könne man Ultraschallholografiegeräte als "akustische Kameras" bezeichnen, erklärt der Edelsfelder. Das Team um Geschäftsführer Strehl setzt sich aus europäischen Wissenschaftlern und Ingenieuren mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Ultraschalltechnologie zusammen. Die Wissenschaftler verfügen über eine eigene Softwareentwicklung und Fertigungsmöglichkeiten für Elektronik sowie Ultraschallwandler.

Aufgrund einer Mehlstaub-Allergie musste sich Helmut Strehl, der aus einer Bäckerei stammt und selbst Bäcker gelernt hatte, neu orientieren. Auf eine naturwissenschaftlich-technischen Ausbildung folgte eine wirtschaftswissenschaftliche. Mit der Bekanntschaft eines im Gewässerschutz tätigen Wissenschaftlers begann der Einstieg in die Ultraschalltechnik. Strehl entwickelte mit einer Firma ein hochgenaues Dichtemessgerät für flüssige bis pastöse Medien.

Experten aus ganz Europa

"Bei einem Mess-Wettbewerb der US-Armee, den wir mit unserem Gerät gewannen, stellte sich jedoch heraus, dass unser deutscher Ultraschallentwicklungspartner die Messergebnisse mit Hilfe der Software ,optimierte'. Da sich die Amerikaner aber einen Partner mit korrekter Messtechnik wünschten, gab man uns die Möglichkeit, einen besseren Ultraschallpartner zu finden." Weltweit suchte Strehl nach passenden Partnern und fand sie in Europa. Der von der Armee gewünschte "hochauflösende, nicht-nukleare Dichteprofiler" wurde fertiggestellt und später auf der World Dredging Conference in China mit einem Preis ausgezeichnet. Über diese neuen Partner kam er zur Medizintechnik.

"So lernt man mit der Zeit immer neue Experten kennen und jetzt haben wir eine kleine Gruppe erstklassiger Ultraschallexperten, die diese innovative Medizintechnik zum Wohle der Gesellschaft anbieten will." Die Geräte sollen nicht verkauft werden. Ziel von 3D-Med ist es, gemeinnützige Ultraschalluntersuchungszentren aufzubauen. "Überall dort, wo wir und unsere Lösungen willkommen sind", erklärt Strehl. "Bisher konnten wir Hunderte von Institutionen, wie Airbus, Ferrero, Ford oder die Fraunhofer Institute, mit unseren Entwicklungen unterstützen - jetzt wollen wir mit unseren medizinischen Geräten allen Menschen helfen." Wochen- oder gar monatelange Wartezeiten für einen Termin bei einem Spezialisten sollen damit der Vergangenheit angehören.

Derzeit entwickelt das Erfinderteam drei 3D-Ultraschallholografiegeräte: Eines für allgemeine Untersuchungen, zum Beispiel im Bauchraum, eines zur Untersuchung von Hand-, Arm-, Fuß- und Kniegelenken, womit eine Arthroskopie überflüssig wird, und ein Ultraschallgerät zur Untersuchung der weiblichen Brust. "Wir kennen niemanden außer uns, der sich in den letzten Jahren mit dieser Technologie beschäftigt hat", sagt Strehl. "Somit haben wir einen großen Wissens- und Erfahrungsvorsprung auf diesem Gebiet."

Mehr Details, kein Schaden

Die größten Vorteile der 3D-Ultraschallholografie sieht der Edelsfelder in der höheren Detailauflösung, der einfacheren Handhabung und der Reproduzierbarkeit. "Das heißt, man kann zwei Ultraschallbilder des selben Untersuchungsobjekts mit Hilfe einer Software vergleichen und kleinste Veränderungen erkennen, die mit dem bloßen Auge gar nicht sichtbar wären. Das ist beispielsweise bei der Brustuntersuchung von größter Bedeutung." Außerdem sei die Untersuchung nicht schädlich und könne deshalb beliebig häufig wiederholt werden: "Ein Quantensprung." Auch Veränderungen der Gewebedichte oder -temperatur könnten mit Hilfe dieser Technologie erkannt werden. Welche Rückschlüsse sich daraus ziehen lassen könnten, müsse aber erst noch erforscht werden. Vielleicht könne man, so Strehl hoffnungsvoll, anhand der Daten auf gut- oder bösartige Tumore schließen. Der Arbeitskreis Mammasonografie der DEGUM (Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin) habe sich bereits als wissenschaftlicher Partner angeboten, erzählt Strehl, "so dass wir das notwendige Feedback von den Ärzten bekommen werden".

Für die Finanzierung der Prototypenentwicklung starteten die Verantwortlichen eine Crowdfunding-Kampagne auf der Online-Plattform Betterplace. "Wir sind aber auch für alternative Finanzierungsinstrumente, wie rückzahlbare Spenden, offen", erklärt der Geschäftsführer. Der Bedarf an Geld ist groß, aber Strehl ist positiv gestimmt: "Unterstützer gibt es sicherlich genug. Allein der Brustscanner hat für Frauen einen enormen Nutzen. Im Vergleich zur Brustkrebsforschung, wo ein Vielfaches ausgegeben wird, bekommt man bei uns eine konkrete Problemlösung."

Bei einer Neuentwicklung sei es schwierig abzuschätzen, wie viel Zeit für die Fertigstellung der Prototypen benötigt wird. "Wir planen mit etwa einem Jahr für den Abdomensonografieprototypen und mit zirka 20 Monaten für den Gelenk- beziehungsweise Brustscanner." Die Technologie der 3D-Ultraschallholografie könne laut Strehl auch im Bereich der zerstörungsfreien Prüfung, wie zum Beispiel der Zahnradvermessung, eingesetzt werden. "Aber uns geht es nicht um Geldmaximierung, sondern um die sinnvollste Lösung für Mensch und Natur." Mit dem Angebot in der Medizintechnik könne sich jeder Ultraschalluntersuchungen leisten, auch in Ländern, in denen diese für viele Menschen bisher unbezahlbar sind.

Besser für Arzt und Patient

"Notleidenden auch noch das letzte Geld abzunehmen, ist nicht in unserem Interesse. Außerdem wären die Wartezeiten in unseren Untersuchungszentren für die Patienten sehr kurz." Die Untersuchung des Abdomens dauere nur Sekunden, Gelenk- und Brustuntersuchungen etwas länger. "Auf Knopfdruck werden die Ultraschallbilder beziehungsweise Messdaten in wenigen Sekunden an den behandelnden Spezialisten oder Hausarzt geschickt."

Viele Ärzte wären den Entwicklern zufolge froh, wenn sie sich keine teuren Medizingeräte kaufen müssten, weil deren Auslastung oft sehr gering sei. "Die Ärzte müssten bei unserem Angebot nur noch die Ultraschallbilder beurteilen und könnten in der gleichen Zeit mehr Patienten behandeln", glaubt Strehl an das Konzept. "Viel mehr Ärzte würden eine Praxis eröffnen, wenn Sie sich die teuren Geräte nicht kaufen und sich somit hoch verschulden müssten." Weitere Informationen: www.3dultrasoundholography.org

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