01.09.2020 - 10:39 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

Neuer Treffpunkt in Eger/Cheb: Ein Backofen für alle Bürger

Der nach historischen Vorbildern erbaute Backofen in Eger/Cheb hat sich zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Hier treffen sich Bürger aus der ganzen Stadt und warten beim gemütlichen Beisammensein, bis Brote, Pizzen, Kuchen oder andere Leckereien fertig gebacken sind.
von Autor GJBProfil

In der Májová-Straße in Eger wurde in einem städtischen Gartengrundstück ein nach zwei Seiten offenes Haus erbaut. Es trägt eine Nachbildung des ältesten Dachstuhls in Böhmen, welcher sich über dem Presbyterium der Klosterkirche der Egerer Franziskaner befindet. Dieses maßstabgetreue Modell haben Zimmerleute 2019 während eines einwöchigen Workshops in traditioneller Arbeitsweise auf dem Marktplatz hergestellt. Das Haus dient auch als Unterstand für einen nach historischen Vorbildern gestalteten Backofen, der mit Steinen der ehemaligen Ziegelei Hart in Altkinsberg (Starý Hrozňatov) errichtet wurde.

Vor zwei Monaten hat dieser Backofen seine erste Bewährungsprobe bestanden. Seitdem lockt einmal im Monat der Duft der heißen Brote die Bürger an. Diese öffentlichen Backtage organisiert ein Verein, der sich "Ch(l)ebáci" nennt, ein Wortspiel, das "die Brotbäcker aus Cheb" bedeutet.

Zeit für Gespräche

Für den Gymnasiallehrer Libor Matousek, der bisher nur für seine Familie das Brot selbst gebacken hatte, war es anfangs nicht leicht, eine so große Menge Teig zuzubereiten. Am Ende erwies sich eine sauber gewaschene Babywanne als idealer Behälter. Gemeinsam mit Stěpán Boháček stellt er den Sauerteig für die öffentlichen Backtage her: "Das Backen ist eine Kunst, die ich nur durch Versuch und Irrtum erlernt habe. Es gab Zeiten, in denen nicht einmal die Hühner meines Nachbarn dieses Brot wollten." Lenka Beránková, die ebenfalls zu den "Ch(l)ebáci" gehört, ergänzt: "Wir pflegen hier bewährte Traditionen. Aber es geht dabei nicht nur um das Brot. Vor allem ist es für die Bürger eine Gelegenheit, sich zu treffen. Hier kommen Menschen zusammen, die sich im hektischen Alltag nicht beachten oder nur miteinander telefonieren. Beim Backen finden sie plötzlich die Zeit und können sie gemeinsam genießen, weil sie es nicht eilig haben."

An den Backtagen kommen ganze Familien herbei, bringen Pizzen, Kuchen oder Buchteln mit, die als erste in den heißen Ofen kommen. Wie in einem Biergarten sitzt man dann gemütlich zusammen. Während man die frischgebackenen Speisen genießt, kann man schon darauf warten, bis auch die Brote fertig gebacken sind.

Für Wettbewerb angemeldet

Die Idee zum Bau dieses traditionellen Backofens kam vom "Stiftungsfonds Historisches Eger". Dessen Vorsitzende, Marcela Brabačová, konnte dank eines Zuschusses der Stadt den Bau des Backofens finanzieren. Inzwischen haben sich hier sogar schon die Stadträte zu einer außerordentlichen Sitzung versammelt. Das öffentliche Backhaus kam so gut an, dass man es für den Wettbewerb "Bauwerk des Jahres" angemeldet hat.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.