18.04.2019 - 15:54 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

Ostern in Tschechien oder Damen leben gefährlich

Trotz des hohen Anteils an Atheisten, lassen es sich unsere tschechischen Nachbarn nicht nehmen, Ostern farbenprächtig und ausgelassen zu feiern. So mancher Brauch kann jedoch für Frauen verhängnisvoll werden.

Das filigrane Verzieren von Ostereiern ist in Tschechien eine ausgeprägte Handwerkskunst.
von Redaktion ONETZProfil
Die Weidenruten (pomlázka) werden mit bunten Bändern verziert.

Die Grundstruktur ist ähnlich wie bei uns, die religiöse Bedeutung des Osterfestes (Velikonoce) steht aber absolut nicht im Vordergrund. Sie war sogar lange Zeit vollkommen ausgeblendet, weil vom kommunistischen Regime unterdrückt. Die wichtigste Bedeutung des Festes lag darin, den Frühling zu begrüßen, was sich auch heute noch in vielen Traditionen widerspiegelt, die vor allem in ländlichen Gebieten teils noch sehr ausgeprägt gelebt werden. Wer das volkstümliche Tschechien kennenlernen will, sollte es zur Osterzeit besuchen. Der größte Unterschied ist, dass der wichtigste österliche Tag nicht der Sonntag, sondern der Montag ist. Aber der Reihe nach.

Am Gründonnerstag basteln sich die Jungs auf dem Land eine hölzerne Rassel, mit der sie durchs Dorf ziehen. Ziel dabei ist es, möglichst viel Lärm zu machen, denn damit soll Judas vertrieben werden. Dabei handelt es sich um eine dreitägige Prozedur. Am Ostersamstag rasseln sie an jedem Haus so lange, bis sie etwas Geld bekommen.

Am Ostersonntag werden die Eier bemalt. Dies machen traditionell die Frauen und Mädchen. Bei unseren Nachbarn ist das Verzieren der Ostereier (kraslice) eine wahre Handwerkskunst. Mit ausgefeilten Techniken und unter Zuhilfenahme verschiedenster Materialien werden die Eier mit filigranen Mustern in kräftigen Farben verziert. Besonders bedeutsam ist dabei die Farbe Rot, sie steht für Gesundheit, Freude, Glück und die Wiedergeburt.

Der verbreitetste Brauch nennt sich pomlázka und findet am Ostermontag statt. Die Jungen und Männer basteln sich eine pomlázka (von pomladit: "verjüngen") - eine geflochtene Rute aus Weidenzweigen -, mit der sie umherziehen und ihren Nachbarinnen und weiblichen Verwandten symbolisch auf die Beine oder den Hintern hauen. Der Begriff pomlázka bezeichnet dabei sowohl die Peitsche als auch die Tradition selbst. Den Damen soll dies durch die Lebenskraft und Stärke der jungen Weidenzweige das ganze Jahr über Gesundheit und Schönheit schenken. Die gleiche Wirkung verspricht man sich davon, die Damen mit Wasser zu bespritzen, was als gemäßigtere Variante gilt. Zum Dank binden diese dann bunte Bänder um die Ruten und verteilen die zuvor kunstvoll verzierten Ostereier, Süßigkeiten oder Schnaps.

Neben den obligatorischen bunten Ostereiern hat die tschechische Osterküche einiges zu bieten: traditionelles Osteressen ist die sogenannte nádivka (wörtlich: Füllung) - eine gemischte Speise aus Eiern und Fleisch, die im Ofen in Form eines Kastenkuchens gebacken wird. Also eine Art Auflauf. Wie der Name schon ausdrückt, ist die Speise ursprünglich zum Füllen von Gerichten wie Backhühnchen bestimmt gewesen. Auf keinen Fall fehlen darf das Osterlamm, das aber auch mal in der Form von Hasen, Herzen oder Bären daherkommen kann.

Etwas gewöhnungsbedürftig für uns sind wohl die Lebkuchen zu Ostern in Form von Häschen, Küken und Lämmern, die als Zeichen der Wiedergeburt und des Frühlings gelten. Auf den traditionellen Ostermärkten im Land findet man neben all diesen Spezialitäten auch viele kunsthandwerkliche Besonderheiten.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.