11.10.2018 - 13:42 Uhr
Eger (Cheb)Oberpfalz

"Es ist nicht so schwer, wie jeder sagt"

Warum lernen wir Tschechisch? Ganz klar, wir wollen unsere Nachbarn endlich ein bisschen „verstehen“, Danke sagen können. Ein Plädoyer für Tschechisch - fast 30 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Petra Dubaničová Pažďorová unterrichtet Tschechisch an der Volkshochschule des Landkreises Tirschenreuth. Die junge Tschechin ist stolz, wenn „jemand kommt und meine Sprache lernen will“. Sie schwört auf das Lehrbuch „Tschechisch Express“.
von Redaktion ONETZProfil

In Eger, ihrem Geburts- und Wohnort, treffen wir Petra Dubaničová Pažďorová. Sie unterrichtet Tschechisch an der Volkshochschule des Landkreises Tirschenreuth. Die junge Tschechin ist begeistert: "Ich bin stolz, wenn jemand kommt und meine schwierige Sprache lernen will." Seit drei Jahren unterrichtet sie nebenberuflich an der VHS. Hauptberuflich arbeitet sie als Tschechischlehrerin an der Grundschule und an Gymnasien. "Sechs der Teilnehmer vom vergangenen Einführungskurs machen mit Lust und Interesse weiter", erzählt sie voller Stolz.

Immer mehr Jüngere

Vergangenes Jahr hätten zum ersten Mal "wirklich junge Menschen" Interesse an der tschechischen Sprache gezeigt. Normalerweise kamen erst die Älteren über 60 Jahre, dann die über 40, jetzt interessieren sich 20- bis 30-Jährige für die Sprache. Warum sie Tschechisch lernen? "Wir schämen uns schon, dass wir uns nicht bedanken können." Oder: "Wir waren dumm, dass wir in der Schule nicht Tschechisch gelernt haben. Wir haben viele tschechische Mitarbeiter in der Firma, sind oft in Tschechien und verstehen gar nichts." 

Im Mittelpunkt ihres Unterrichts steht das Sich-verständigen-können. Eine junge Frau aus ihrem letzten Kurs habe beispielsweise gefragt, was denn eigentlich das immer zu hörende "No" heißt. Und Überraschung: Es bedeutet eigentlich "ja". Worauf man verständlicherweise nicht so schnell kommt, weil in vielen Sprachen "no" negativ verstanden wird.

Keine Dialektprobleme

Zum Thema Dialekte erklärt Petra Dubaničová Pažďorová: "Wir haben die Alltagssprache, die sich von der Schriftsprache unterscheidet, aber wir können uns verständigen. Im Gegensatz zum Deutschen gibt es nicht so große Dialektprobleme im Tschechischen." Klingt überzeugend: Stellen Sie sich vor, Sie nehmen einen Ostwestfalen mit in ein Wirtshaus, wo oberpfälzisch gesprochen wird. Er wird höchstwahrscheinlich nichts verstehen. Wie geht es erst einem Nicht-Deutschen? In der tschechischen Sprache sind die Endungen von Alltags- und Schriftsprache unterschiedlich, aber die Wörter ähneln sich sehr und sind verständlich.

Kurzum: Sie werden, wo immer Sie sich in der tschechischen Republik aufhalten, mit ihren Sprachkenntnissen durchkommen. Die Dialekt-Barriere gibt es so gut wie nicht. Und das Sich-einigermaßen-Zurechtfinden ist laut Petra auch der wichtigste Motor. "Die meisten wollen sich nur bedanken können, grüßen können, etwas lesen können. Mehr wollen sie nicht." 

Komische Zeichen

19 Deutsche ohne jegliche Tschechischkenntnisse haben sich allein in Tirschenreuth für den Anfängerkurs angemeldet. Petra Dubaničová Pažďorová unterrichtet in Waldsassen, wo sich 14 angemeldet haben. Sie wird sich wie immer erst einmal vorstellen. Und dann gleich mitten in den Geheimnissen der tschechischen Sprache landen. Sobald sie ihren Namen an die Tafel geschrieben hat, geht es schon los. "Alle haben erschrockene Augen, befürchten, dass sie es nie aussprechen werden können und fragen, warum es hier so komische Zeichen - wie sie es nennen - gibt."

Aussprache hat zwei Seiten: Es gibt die Zungenbrecher wie řeka (Fluss), čtyři (vier) oder čtvrtek (Donnerstag). Zweifelsohne eine Herausforderung. Auf der anderen Seite: Hat man erst einmal das Alphabet und die Aussprache gelernt, ist Tschechisch leichter auszusprechen als etwa Französisch oder Englisch. Hier geht alles genauso über die Zunge, wie es geschrieben steht. Ihr Tipp: Einfach drauf lossprechen, wie Kinder, Übung mache den Meister.

Fit für die Praxis

Im nächsten Schritt zeigt die Dozentin den Teilnehmern, wie viel sie schon wissen. Auto, brýle, cukr, dort, drát, flaska, gauč, gril, snek, vagon, žampion - ein kleiner, aber beeindruckender Auszug des sehr ähnlichen Wortschatzes. Um die Teilnehmer für die Praxis fit zu machen, erklärt die Dozentin zu Beginn der Kurse den Unterschied der Begrüßungsformeln "ahoj" und "dobrý den". "Im Tschechischen ist es ziemlich frech, jemanden mit ahoj zu begrüßen, das ist wirklich auf den engsten Freundeskreis beschränkt."

Nach dem Üben der Aussprache, lernen die Teilnehmer etwas von der Grammatik mit den berühmten sieben Fällen. Danach beginnen bereits Small-Talks. Die Devise lautet: "Sprechen, sprechen. Versuchen im Kontext zu lernen, Vokabeln nicht isoliert pauken. Am besten in ganzen Fragen und Antworten lernen." Petra Dubaničová Pažďorová arbeitet wie auch Lenka Dutzová in Tirschenreuth mit dem Buch "Tschechisch. Tschechisch Express". Das Tempo in den 90-minütigen Kursen bestimmten die Teilnehmer.

Für die meisten ist der Einführungskurs ausreichend, dennoch gibt es einige, die weiterlernen. Apropos Zertifizierung: Für ein Tschechischzertifikat müssen Interessierte nicht gleich nach Prag. Sie können die Prüfungen auch in Weiden oder München absolvieren.

Zuschuss des Bezirks

"In jeder Sprache gibt es schwierige Bereiche, für uns Tschechen sind die Artikel und die Umlaute unglaublich schwer." Petra Dubaničová Pažďorová plädiert dafür, dass auch ihre Landsleute offener werden und das Tschechischsprechen der Deutschen honorieren. Es gibt also viele Gründe, Tschechisch zu lernen. Versüßt wird das auch durch einen 40-Euro-Zuschuss für Tschechisch-Kurse für Anfänger vom Bezirk Oberpfalz.

Eger ist der Geburts- und Wohnort von Petra Dubaničová Pažďorová.
Petra Dubaničová Pažďorová ist stolz auf ihre Heimatstadt: Das renovierte Schirndingerhaus mit seiner schwarzen Fassade.
Das Gablerhaus mit seiner wunderschönen Rokoko-Fassade. Johann Wolfgang von Goethe wohnte 1821 hier.
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