12.05.2020 - 11:01 Uhr
Ehenfeld bei HirschauOberpfalz

Exotische Gänse im Landkreis Amberg-Sulzbach

Von Afrika über den Ehenbach nach Asien: Exotische Gänse haben in Ehenfeld für Aufsehen gesorgt. Dass es sich bei den Tieren um Nilgänse handelt, bestätigte sich bei genauerem Hinsehen nicht.

Zwei Nilgänse auf einer kleinen Weiher-Insel in der Nähe von Theuern (Kreis Amberg-Sulzbach).
von Fritz DietlProfil

Schon vor Jahren wurde auf dem Dach des Pfarrhofes in Ehenfeld ein Metallgerüst angebracht, damit sich ein Storchenpaar hier sein Nest baut und im Dorf heimisch wird. Leider ist dies bis jetzt nicht der Fall. Allerdings gibt es seit einiger Zeit eine Besonderheit. Ein Paar Rostgänse hat sich Ehenfeld und die Weiher um den Ort als Lebensraum gewählt. Im Dorf haben sie sich das „Kurzn“-Anwesen ausgesucht, wo man sie besonders auf dem Scheunendach laut schwatzend beobachten kann.

Rostgänse an der selben Stelle bei Theuern. Sie sehen den Nilgänsen ähnlich.

Rostgänse sehen den ebenfalls exotischen und auch in der Gegend vorkommenden Nilgänsen ähnlich. Deswegen wurden sie in Ehenfeld auch schon verwechselt. Leser haben uns darauf hingewiesen, dass es sich bei dem in der Amberger Zeitung abgebildeten Federtier nicht um eine Nil-, sondern um eine Rostgans handeln muss – zu erkennen vor allem am weißen Köpfchen und dem rostbraun leuchtenden Bauchgefieder. Der Fotografin Nina Schütz ist es gelungen, an einem Weiher in der Nähe von Theuern (Gemeinde Kümmersbruck) an derselben Stelle beide Gänsearten vor die Linse zu bekommen. Gemeinsam ist den Vögeln, dass es sich bei ihnen um Neozoen handelt, also Tierarten, die durch den Einfluss des Menschen in eine für sie neue Region gelangt sind.

Eine Rostgans auf dem Scheunendach des "Kurzn"-Anwesens in Ehenfeld.

Die Nilgans ist afrikanischen Ursprungs. Sie ist dort auf dem gesamten Kontinent, außer den extremen Trockengebieten, beheimatet. Seit den 1970er Jahren breitete sie sich von den Niederlanden kommend, wo sie in Gefangenschaft gehalten wurden, auch in Deutschland aus. Zuerst entlang des Rheins. Seit 2015 ist die Nilgans in allen deutschen Bundesländern als Brutvogel nachgewiesen. Zur Hauptnahrung der Vögel gehören Gräser. In Parks lebende Tiere fressen auch Brot, wenn sie damit gefüttert werden. Selbst strenge Winter konnten den Nilgans-Bestand nicht negativ beeinflussen. Ihre schnelle Ausbreitung ist neben der Vermehrungsrate auch auf ihre Anpassungsfähigkeit und ihr aggressives Verhalten gegenüber anderen Wasservögeln zurückzuführen. Nilgänse waren in Ägypten heilige Vögel. Ursprünglich galten sie als einer der vielen Götter, die die Welt und das Licht geschaffen haben.

Die Rostgans bewohnte ursprünglich die Steppen- und Wüstenzonen Zentralasiens und Nordafrikas. In Europa war sie nur von Griechenland und dem Schwarzen Meer ostwärts heimisch. Durch Gefangenschaftsflüchtlinge gelang eine Besiedelung von West- und Mitteleuropa. Seit 1976 ist ein Auftreten der Rostgans am Bodensee nachgewiesen, wobei die Individuenzahl stetig steigt. In Vorarlberg kann die Art vor allem im Rheindelta und in den Rieden des Rheintals immer wieder beobachtet werden. Jetzt auch in der Oberpfalz.

Beispiel Nilgans: Was der Naturschutzbund über Neozoen denkt

Info:

Korrektur

Die Redaktion hat anfangs nicht genau hingesehen: Zunächst hatten wir geschrieben, dass sich Nilgänse in Ehenfeld niedergelassen hätten. Mehrere aufmerksame Leser haben uns aber auf den Fehler hingewiesen. Nina Schütz stellte dann sogar Fotos zur Verfügung, die sie in der Region gemacht hat und auf denen beide Gänsearten zu sehen sind.

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