Der Mann auf der Anklagebank gilt als chronischer Drogenkonsument, bringt neun Vorstrafen mit, hat eine Entzugstherapie abgebrochen. Den heute 32-Jährigen treibt die Beschaffungskriminalität. Ein Dieb also und auch ein Einbrecher, dem demnächst in Regensburg weitere Verfahren bevorstehen. Darunter ein mutmaßliches Raubverbrechen.
Freund steht Schmiere
Jetzt saß er zunächst vor dem Amberger Schöffengericht. Wegen zweier Wohnungseinbrüche, die tiefe Angst und Unruhe bei den Betroffenen hinterließen. Kaum wieder auf freiem Fuß, machte sich der damals 30-Jährige im Oktober 2017 zusammen mit einem Komplizen auf den Weg, um im Süden der Stadt Amberg in ein Wohngebäude vorzudringen. Der Freund stand Schmiere, der damals 30-Jährige drang über ein Fenster der Speisekammer vor. Die Hausbesitzerin befand sich auf einer Reise. Erst nach ihrer Rückkehr bemerkte die 59-Jährige, dass Schmuck im Wert von über 3000 Euro fehlte. Für sie unersetzbar. Denn die Stücke waren Geschenke ihres verstorbenen Ehemannes. Sie tauchten nie wieder auf.
Geld für Drogen
Der von seiner Rauschgiftsucht getriebene Täter richtete aber noch weitaus größeren psychischen Schaden an. Am 30. Juli 2018 nahm er ein Fahrrad und legte von seinem Wohnort bei Amberg die Strecke bis in den Bereich der Gemeinde Illschwang zurück. Er suchte ein Einbruchsobjekt und drang kurz vor Mittag in ein Haus vor, in dem er Beute vermutete.
Der Mann klingelte. Als keiner öffnete, drückte er die Terrassentür auf und suchte nach Geld. Doch in dem Gebäude hielt sich die Tochter des Besitzerpaares auf. Die 17-Jährige beobachtete den Täter, riegelte sich in einem Zimmer ein und rief ihre Mutter an. "Ich habe Angst", teilte das Mädchen mit. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert. Ein Alptraum für die Schülerin. Bis heute leidet sie. Der mit 30 Euro Bargeld entkommene Einbrecher wurde noch in Tatortnähe von Polizeibeamten gestellt. Jetzt entschuldigte er sich. Doch die Mutter der im Prozess nicht vernommenen Schülerin antwortete ihm: "So einfach kann man das nicht entschuldigen." Denn da seien tiefe Gräben der Unsicherheit entstanden.
Der Bundesgerichtshof wünscht, dass jede noch so kleine Chance für einen von Drogen geleiteten Täter gewahrt wird. Von daher kommt der 32-Jährige erneut in eine zweijährige Entzugstherapie. Parallel dazu verhängte das unter dem Vorsitz von Markus Sand tagende Schöffengericht eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Staatsanwältin Julia Weigl hatte vier Jahre verlangt.
Rund 15 000 Euro
Der in Amberg erbeutete Goldschmuck wurde in Regensburg an einen Edelmetallhändler für 1600 Euro verkauft. Bei ihm hatte der 32-Jährige insgesamt zehn Mal Gold auf die Waage gelegt und rund 15 000 Euro erlöst. Woher das alles stammte, mochte er nicht sagen. Doch man konnte davon ausgehen - aus neun ungeklärten Einbrüchen.













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