14.07.2020 - 08:00 Uhr
Eisersdorf bei KemnathOberpfalz

Frau Schuster ist 'ne Müllerin

Petra Schuster betreibt im Kreis Tirschenreuth in der sechsten Generation eine Mühle. Über ein altes Handwerk, das sich im Grunde kaum verändert hat.

Vom Korn zum Mehl – dafür sorgt Müllermeisterin Petra Schuster in ihrer Mühle in Eisersdorf bei Kemnath.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Mittlerweile hat Petra Schuster aus Eisersdorf bei Kemnath mit ihrem Betrieb ein Alleinstellungsmerkmal: Sie führt die einzige noch aktive Mühle im Kreis Tirschenreuth. "Vieles ist natürlich moderner geworden über die Jahrzehnte, aber der Handwerksberuf ist immer noch derselbe, der er schon immer war", sagt die Müllermeisterin und Betriebswirtin über ihre Tätigkeit - daran ändert auch die offiziell etwas sperrige Berufsbezeichnung "Verfahrenstechnologin Mühlen- und Getreidewirtschaft" nichts.

Mehl hat viele Facetten - auch bei einer kleinen Mühle, die "nur" zwölf Tonnen Getreide in 24 Stunden verarbeitet.

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In die Wiege gelegt

Der 46-Jährigen wurde ihr Beruf mit in die Wiege gelegt. Schon als kleines Mädchen sei sie immer mit ihrem Opa in der Mühle unterwegs gewesen: "Für mich hat es nie einen anderen Beruf gegeben. Ich wusste in der ersten Klasse, dass ich Müllerin werden will." Sie führt den handwerklichen Betrieb, der seit 1825 "Schustermühle" heißt, in der sechsten Generation. Die erste urkundliche Erwähnung einer Mühle in Eisersdorf reicht sogar bis ins Jahr 1522 zurück. Inwieweit die Mühle auch in siebter Generation von Familie Schuster weiterbetrieben wird, lässt sich jetzt realistischerweise noch nicht absehen: Tochter Lena ist erst 13 Jahre alt, aber hilft schon begeistert mit. "Aber ich dränge sie nicht dazu, die Entscheidung liegt einmal bei ihr", sagt Petra Schuster.

Verschiedene Mehlsorten, Gries und das "Landkreis-Brot" - das sind die Hauptprodukte, die in der Mühle produziert (und gebacken) und anschließend im eigenen Hofladen oder in Rewe-Märkten verkauft werden. Gerade in der Zeit des Corona-Lockdowns hatte Schuster die Erfahrung gemacht, dass ihr Handwerk nicht nur geschätzt wird, sondern auch andere dazu animiert hat, in gewisser Weise selbst "handwerklich" tätig zu werden - nämlich selbst Brot und Kuchen zu backen. "Ich hatte Kundinnen jenseits der 40 und 50, die zum ersten Mal in ihrem Leben einen Kuchen backen wollten - und dafür natürlich auch Mehl benötigten."

Pro Tag werden in der Eisersdorfer Mühle zwölf Tonnen Getreide verarbeitet, ihren "Rohstoff" bezieht Schuster von Landwirten im Umkreis von 15 Kilometern zur Mühle. Regionalität wird bei ihr großgeschrieben, den Dinkel baut sie sogar selber an. Aber: "Die kleinen Mühlen sind weniger geworden - sei es, weil die Nachfolge fehlt, weil die Bürokratie immer mehr zunimmt oder weil der Preisdruck steigt", so Schuster. Die Realität sei darüber hinaus, dass Großbäckereien ihr Mehl eben auch bei großen Mühlen kaufen - da könne sie preislich nicht mithalten.

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Mühlenromantik schwingt mit

An der Arbeit in der Mühle hat sich im Verlauf der Jahrhunderte wenig verändert, die Maschinen sind freilich moderner geworden. "Aber wer Mehl herstellen will, muss weiterhin die Qualität prüfen, das Getreide reinigen, trocknen und vor allem natürlich zerkleinern", so Schuster. Die Eisersdorferin ist eine große Fürsprecherin ihrer Branche: "Zumindest für mich gibt es keinen schöneren Beruf!" Auch sei es offensichtlich, dass gerade die kleineren Mühlen mit Tradition und Geschichte das Bild von der "Mühlenromantik" prägen. "Das schafft keine der neuen großen Mühlen."

Als Mühle mit Charakter präsentiert sich die einzig verbliebene aktive Mühle im Landkreis Tirschenreuth.
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