13.07.2021 - 15:01 Uhr
Oberpfalz

„Element of Crime“ auf der Luisenburg: Songpoeten voller Melancholie und Witz

Trockener Humor, eine ungemeine Gelassenheit und Geschichten voller Poesie: Es war ein besonderes Konzert, das da am Montagabend auf der Luisenburg mit „Element of Crime“ über die Bühne ging.

Zwei Stunden lang sorgten "Element of Crime" für beste Stimmung auf der Luisenburg.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Mit „Element of Crime“ und ihrem Frontmann Sven Regener ging es auf der Luisenburg musikalisch durch die mittlerweile dreieinhalb Jahrzehnte lange Geschichte der Combo. Das ideale Live-Ereignis für einen Sommerabend auf der Naturbühne, von denen es in dieser Saison noch nicht allzu viele gab.

Zwei Stunden lang wurde damit geklotzt, was die Band ausmacht: Songs über Liebe und den Alltag, mal voller Melancholie, mal mit witzigen Zwischentönen, immer nah am Leben und an den Gefühlen der Menschen. Geschichtenerzählen „as its best“ mit vielen Blues-Anleihen. Herrlich lakonisch wird da beschrieben, wie es sich den Kurfürstendamm entlang geht am „Ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ oder warum man schlichtweg keinen Bock auf Sommer mehr hat und im „Prinzenbad allein“ sein möchte. Die Texte aus der Feder Regeners lassen nicht nur Bilder in den Köpfen der Zuhörer entstehen, sondern vermitteln auch das dazugehörige Gefühl.

Spürbare Emotionen

Emotionen sind übrigens den ganzen Abend spürbar: Freilich bei den Zuhörern, deren Begeisterung über das Geschehen auf der Bühne zwei Stunden lang omnipräsent ist. Aber auch bei der Band selbst, denen man den Spaß am Spielen insgesamt anmerkt, denen aber offensichtlich auch die Warmherzigkeit gefällt, die den Norddeutschen von den nordbayerischen Konzertbesuchern entgegengebracht wird. Wenn der Frontsänger die Arme immer wieder wie ein Sportler in die Höhe reckt, dann hat das sicherlich auch damit zu tun.

Regener steht als die „Stimme“ der Band – und auch als erfolgreicher Autor von Werken wie „Herr Lehmann“ oder „Neue Vahr Süd“ – natürlich im Rampenlicht, die weiteren Künstler auf der Bühne hinken allerdings in musikalischem Können in nichts nach. „Element of Crime“ wird aber auch immer „die Band von Sven Regener“ bleiben, was die anderen Mitglieder der Combo sicherlich mit der nötigen Gelassenheit sehen werden, die sie auch am Montag ausstrahlten.

Mundharmonika statt Schlagzeug

Der 60-Jährige ist eigentlich ein Mann großer Worte, die Texte belegen dies. Auf der Luisenburg hält er sich mit Zwischenansprachen zurück und lässt primär die Lieder sprechen. Da wird Romantik ohne Kitsch besungen, da finden Texte, die auch manchmal so wirken, als ob sie gerade aus dem Ärmel geschüttelt wurden, den direkten Weg in die Herzen der Zuhörer. „Deborah Müller“, „Bring den Vorschlaghammer mit“, „Stein, Schere, Papier“ stehen an diesem Abend genauso auf der Setlist wie „Delmenhorst“, „Weißes Papier“ und „Am Ende denk ich immer nur an Dich“. Und immer ist da er leicht mitklingende „Schunkel-Unterton“, der jedes besungene Trübsal vergessen lässt.

Besondere Momente entstehen, wenn Regener zusätzlich in die Trompete bläst, die dann wenig später wieder in der Hand hin- und herschaukelt. Oder als Schlagzeuger Richard Pappik sein angestammtes Instrument gegen die Mundharmonika eintauscht und bei „Vier Stunden vor Elbe 1“ für Gänsehaut sorgt. Eigentlich alles viel zu schön, um aufzuhören. Es ist ein Abend, der deutlich macht, warum sich die Band seit 36 Jahren auf dem Markt behaupten kann. Und warum es kein Fehler ist, auf deutschsprachige Texte zu setzen. Lange anhaltender Applaus begleitet die Künstler von der Felsenbühne.

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Zwei Stunden lang sorgten "Element of Crime" für beste Stimmung auf der Luisenburg
Hintergrund:

„Element of Crime“

  • Die Gruppe "Element of Crime" wurde im März 1985 in West-Berlin gegründet.
  • Am 18. September 2009 erschien das Album "Immer da wo du bist bin ich nie", das auf Platz zwei der offiziellen Media-Control-Charts einstieg, die höchste Platzierung in der Bandgeschichte.
  • Besetzung: Sven Regener (Gesang, Gitarre, Trompete), Jakob Ilja (Gitarre), David Young (Bass), Richard Pappik (Schlagzeug).
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