20.07.2020 - 08:35 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Besuch beim Ökobauern: Der Mai war nicht warm genug

Erfahrungen, die Landwirte auf ihren Äckern mit Fruchtfolge, Bearbeitung, Saatzeit und Fruchtentwicklung machen, sind wertvoll für alle Kollegen. Besonders für Betriebe, die in den Ökolandbau einsteigen. Ein Treffen in Zeiten von Corona.

Fachberater Konrad Maier (rechts) besucht mit Landwirten einen Ökobauernhof in Ensdorf. Dort tauscht man sich über Erfahrungen, die man gemacht hat, aus.
von Öko-Modellregion Barbara StröllProfil

Naturlandberater Konrad Maier und Projektmanagerin Barbara Ströll von der Öko-Modellregion haben auch heuer zu einer Feldbegehung eingeladen. Bio-Bauern und konventionell wirtschaftende Bauern, die sich für den Ökolandbau interessieren, nutzen diese Termine gerne zum fachlichen Austausch. Üblicherweise kommen 20 bis 30 Bauern. In Zeiten von Corona sind es nur die Familie Dötsch, Umstellungsbetrieb aus Auerbach, und Karl Trummer, Biobauer aus Vilseck, die zu dem Treffen gekommen sind. Als Gastgeber sind Familie Wein aus Ensdorf und Familie Färber aus Dornberg dabei.

Hummeln lieben Luzerne

Georg Wein hat sich beim Ackerbau auf die Saatgutvermehrung spezialisiert. Den größten Teil seiner Produkte kann er auf dem eigenen Betrieb reinigen, trocknen und lagern. Gemeinsam mit seinem Sohn Korbinian stellt er der Gruppe einen Luzerne- und einen Nackthafer-Bestand sowie ein Feld mit Weißer Lupine vor. Luzerne und Nackthafer hätten sich sich sehr gut entwickelt, erläutert er. "Das Luzernefeld wird auch am Abend noch intensiv von Hummeln angeflogen." Die Königin der Futterpflanzen bildet ein tief reichendes, ausgedehntes Wurzelsystem aus und ist als stickstofffixierende Leguminose selbstdüngend, erklärt er. "Sie bringt daher auch in trockenen Zeiten guten Ertrag." Wein hat im Herbst eher dünn gesät, weil er für die Saatgutvermehrung große, kräftige Einzelpflanzen braucht, die gut Blüten ansetzen. Der Bestand steht jetzt gleichmäßig blühend da, mit verhältnismäßig wenig Beikräutern. In den kommenden Tagen folge nun die Feldanerkennung: staatliche Kontrolleure prüfen den Bestand auf Gesundheitszustand, Sortenreinheit und Besatz mit Unkräutern.

"Wenn alles passt, kann ich die Luzerne zur Saatguterzeugung ernten", sagt Wein. Dreschen werde er Ende August. Danach möchte er noch einen Schnitt als Futter für seine Mutterkuhherde nutzen. Zwei Jahre lässt er dann die Luzerne auf dem Acker stehen, kann also insgesamt zweimal dreschen und viermal schneiden. Damit lohnt sich der Anbau mehrfach, zumal die Luzerne nebenbei auch lästige Beikräuter zurückdrängt.

Auch bei den erfahrenen Biobauern komme es vor, dass mal ein Acker nicht so dastehe, wie man sich das wünscht. Wein sagt, dass es ihm heuer mit der Weißen Lupine so ging. Zum Teil sei sie schlecht gewachsen und stark mit Kornblume und Kamille verunkrautet.

Keine Herbizide im Einsatz

Hier zeigen sich die Schwierigkeiten, die sich aus dem ungünstigen Witterungsverlauf im Frühjahr für die Bauern ergeben haben. "Der April war so trocken, dass Wintergetreide nicht weiterwachsen und Sommerfrüchte wie die Lupine nicht keimen konnten - der Mai dann zwar regenreich, aber zu kühl für viele Feldfrüchte. Ohne eine gewisse Wärmemenge kommt das Wachstum auch bei Lupine, Soja-Bohne und Mais nicht in Gang. Die Beikräuter konnten sich dagegen sehr gut entwickeln", fasst Konrad Maier das Problem zusammen.

Im Ökolandbau können unerwünschte Beikräuter nicht einfach mit Herbiziden weggespritzt werden, sondern müssen zur rechten Zeit mechanisch über Bodenbearbeitung mit Striegel und Hacke beseitigt werden. Wann und wie das möglich ist, hängt je nach Bodenbeschaffenheit auch von der Witterung ab. Der Boden darf nicht hart (Trockenheit) und auf keinen Fall nass sein. Auch über eine vielfältige, angepasste Fruchtfolge wird die Ausbreitung von Unkräutern auf dem Bio-Acker unterdrückt.

Die Bauern diskutieren. Die Erfahrungen, die jeder auf seinen Böden mit Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Saatzeitpunkten und der Fruchtentwicklung macht, sind wertvoll für alle Kollegen und besonders für die Betriebe, die neu in den Ökolandbau einsteigen. Vor allem in den ersten Jahren nach der Umstellung, braucht es viel Aufmerksamkeit und Engagement, damit der Ackerbau gut läuft. Da ist der Austausch mit Fachberatern und erfahrenen Kollegen eine große Hilfe.

Die rote Färbung in den Wurzel-Knöllchen Lupine zeigt die Aktivität der stickstofffixierenden Knöllchenbakterien an: Hier wird gut gearbeitet, das Bodenleben stimmt, so dass die Pflanze gut versorgt wird, erklärt der Experte.

Danach besichtigt die Gruppe einen Soja- und einen Mais-Acker von Martin und Markus Färber. Die Färbers bewirtschaftet einen Umstellungsbetrieb mit Mutterkuhhaltung und Ackerbau. Seit Juli 2020 können sie ihre Ernte bereits als Bio-Ware vermarkten. Sie haben heuer erstmals Soja-Bohnen angebaut: Die wärmebedürftigen Soja-Pflanzen schauen gut aus, sind aber mangels Mai-Wärme noch nicht so hoch wie erwartet und werden größtenteils überragt von Buchweizenpflanzen aus dem vergangenen Jahr. Als Zwischenfrucht im Herbst ausgesät ist der Buchweizen mangels Frost nicht abgefroren, hat also Samen gebildet und sich selbst erneut ausgesät. Über die Bodenbearbeitung hat Markus Färber den Buchweizen nicht herausbekommen. Eine schwierige Situation für den Bauern. Denn: Soja wird erst im September gedroschen. So hat der Buchweizen heuer erneut genug Zeit zum Blühen und Samen bilden. Den Bestand komplett umzubrechen wäre schmerzhaft, weil Soja-Saatgut sehr teuer ist: 2800 Euro für 5,5 Hektar. Dazu kommen die Kosten für die Impfmittel, mit denen Familie Färber die passenden Knöllchenbakterien ausbringt, erklärt der Landwirt. Entfernen könnte man den Buchweizen nun nur noch durch Handarbeit mit der Hacke. Martin Färber hat sich entschieden abzuwarten.

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Konrad Maier empfiehlt, nach dem Soja-Dreschen den Boden mehrfach so zu bearbeiten, dass die Samen von Buchweizen und Beikräutern keimen und dann mit dem Striegel herausgerissen und zugeschüttet werden können, bis der Acker einigermaßen frei von Problemkräutern ist.

Speisesoja ist generell gesucht, erklärt der Fachmann. Die Färbers dürfen mit rund 88 Euro je Doppelzentner Ertrag kalkulieren. Auch dem Ende April gesäten Mais hat im Mai die Wärme gefehlt. Wegen des Regenwetters konnte Markus Färber im Mai weder striegeln noch hacken, so dass Beikräuter wie Melde, Knöterich und Ackerfuchsschwanz dem Mais vorauswachsen konnten. Nach mehrmaligem Hacken ist der Raum zwischen den Reihen sauber. In der Reihe stehen die Beikräuter noch. Konrad Maier empfiehlt auch hier zukünftig vor der Saat die Beikräuter keimen zu lassen, um sie dann wieder unterzuarbeiten, solange, bis der Beikraut-Druck zurück geht.

Die Luzerne, „Königin der Futterpflanzen“, bildet ein tief reichendes, ausgedehntes Wurzelsystem aus und ist als stickstofffixierende Leguminose selbstdüngend. Sie bringt daher auch in trockenen Zeiten guten Ertrag. Georg Wein baut sie hier zur Saatgutgewinnung an. Das Feld wird auch am späten Abend noch intensiv vom Hummeln angeflogen.
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