Innerhalb von drei Monaten schließen in Ensdorf zwei Geschäfte, die man durchaus als Institutionen im Ort bezeichnen kann: Bäcker Herbert Dietz hört nach mehr als 40 Jahren auf, die Ensdorfer Filiale der Metzgerei Greß macht nach 29 Jahren zu. Bürgermeister Markus Dollacker hofft jetzt mehr denn je, dass der Bau des Edeka-Marktes bald beginnt.
"Schade, aber ist halt so", sagt Herbert Dietz über die Schließungen. Er selbst hört aus Altersgründen auf, er wird 64 und möchte mehr Zeit mit seiner Familie verbringen. "Ich will von meinem kleinen Sohn auch was haben", begründet er seine Entscheidung. Dietz habe versucht, einen Nachfolger für seine Bäckerei zu finden - ohne Erfolg. "Ich habe mit etlichen Bäckereien verhandelt. Aber keiner wollte liefern oder hat Personal für eine Filiale." Das sei im Lebensmittelhandwerk generell der Fall, überall fehlen Mitarbeiter. Auch bei den Metzgern. Dietz gehören auch die Räume der Metzgerei Greß in Ensdorf. Auch da war er auf der Suche nach einem Nachfolger. "Aber jeder hat abgewunken." Kein Personal. Zudem machen mittlerweile die Ämter Druck, die Auflagen werden immer schärfer, sagt Dietz. Ein Dank gilt seinem Bäcker, der seit 33 Jahren "zuverlässig arbeitet".
Wirtshaus bleibt
Die Bäckerei hat Herbert Dietz am 13. September 1978 von seinen Eltern übernommen, am 31. Dezember 2018 wird er sie schließen. "Ich kann nicht ewig warten, bis der Verbrauchermarkt kommt", sagt er im Wissen, dass das für Ensdorf eine Zäsur ist. Aber, kleine Entwarnung: "Die Wirtschaft bleibt", sagt Dietz, eventuell mit verkürzten Öffnungszeiten. Und: "Einen Bäcker gibt's ja noch."
Eine Metzgerei gibt's im Ort ab nächster Woche dagegen nicht mehr. Die Ensdorfer Filiale der Metzgerei Greß macht vor allem aus finanziellen Gründen zu. Johannes Greß, seit September der neue Geschäftsführer der Metzgerei, erklärt, dass er kräftig investieren hätte müssen. Unter anderem zwei Ladewaagen, die Theke müsste gerichtet werden. "Das traue ich mich aber nicht", sagt Greß. Wegen des in Ensdorf geplanten Edeka-Marktes. "Wenn ich jetzt, sagen wir mal, 30 000 Euro investiere, und in zwei Jahren ist dann der Edeka da, ist mir das Risiko zu groß." Außerdem sei es ganz schwierig, Personal zu finden. Die Mitarbeiter der Ensdorfer Filiale müssen sich aber keine neue Stelle suchen, sie arbeiten künftig in Rieden. "Dort bleibt die Metzgerei", sagt Greß, auch in Amberg habe die Metzgerei einen Standort.
Hoffen auf Edeka
Für Ensdorfs Bürgermeister Markus Dollacker (CSU) kam die Nachricht vom Metzgerei-Aus - wie für viele Ensdorfer auch - überraschend, wie er sagt. Dass die Bäckerei Dietz schließt, habe er bereits seit rund einem Jahr gewusst. "Herbert Dietz hat das schon lange bekannt gegeben", sagt der Bürgermeister. "Ist ja auch verständlich." Für die Gemeinde seien die Schließungen durchaus ein Einschnitt. "Die Versorgung im Ort ist jetzt schlechter", gibt Dollacker zu. "Jetzt hoffen wir auf Edeka, den brauchen wir jetzt noch dringender."
Wann der genau kommt, ist noch nicht klar. Dollacker kann nichts versprechen, sagt aber: "Er kommt zu 99 Prozent." Es gebe noch Kleinigkeiten zu klären: "Das liegt an bestimmten planerischen Schwierigkeiten." Hochwasserschutz zum Beispiel, das Gelände muss aufgefüllt werden. Das komplette Gelände, also auch das Gebiet, das nicht von Edeka gekauft wurde - damit die Abwasserentsorgung funktioniere. Das sei aber nichts, was nicht lösbar ist, sagt der Bürgermeister. "Wir hoffen, dass der Bau nächstes Jahr anfängt." Ostern 2020 soll der Supermarkt eröffnen - "wenn's nicht sogar schneller geht".















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